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Dießen

09.08.2015

Wackere Helden auf schwankenden Planken

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2 Bilder
Wackere Helden auf schwankenden Planken: Erstmals seit 2007 fand in Dießen wieder das Fischerstechen statt. Dabei müssen sich die Teilnehmer – den Attacken ihrer Gegner zum Trotz – auf den dünnen Brettern halten, die zwischen zwei Booten über dem See liegen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Beim ersten Fischerstechen seit 2007 besiegt der Bürgermeister den Landrat und Franz Sanktjohanser siegt

 „Ich sehe Bläschen aufsteigen, sogar das Wasser fängt schon an zu kochen“, meinte Moderator Michael Weberpals vor dem Endspurt beim Fischerstechen 2015 in Dießen, dem letzten Kampf, bei dem es endgültig um die Krone, um den Sieg beim Fischerstechen 2015 ging. Nun, vielleicht blubberte das Wasser in der kleinen, bauchtiefen Ammerseebucht vor den Seeanlagen ja auch einfach, weil’s seit Wochen gar so warm ist. Sicher ist jedenfalls, dass die wackeren Stecher, die sich etliche Kämpfe geliefert hatten, ebenfalls ihren Teil beigetragen hatten, dass sich Bläschen generierten. 16 kräftige Mannen waren angetreten – doch halt, hatte sich da auch ein Weib darunter gemischt? Bei näherem Hinsehen entpuppte sich das blonde Annamirl im feschen Dirndl dann doch wieder als echter Kerl, als kein Geringerer als Stefan Rauch, Enkel von Moosdapper-Präsident Simon Rauch.

Letzterer saß in einem der zwei Stecherboote und war, wie Moosdapper Erich Stranninger im anderen Boot, für ordentliches Rudern und gefahrlosen Transport der Stecher auf den schmalen, über dem See schwebenden Planken zuständig.

Bei den ersten acht Kämpfen trennte sich schnell die Spreu vom Weizen. „Die Ortsansässigen sind eindeutig im Vorteil“, meinte Landrat Thomas Eichinger, ein Ammerseer zwar, aber halt doch „nur“ aus Schondorf. Für ihn steht aber außer Zweifel, dass solche Traditionen hochgehalten werden sollen – auch wenn’s ihn gleich beim ersten Kampf rausgeworfen hat. Das Mitmachen, versichert der Landrat glaubhaft, habe ihm jedenfalls großen Spaß gemacht.

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Den Heimvorteil, den nützte Herbert Kirsch, Bürgermeister der Marktgemeinde und beim Stechen als Sommerfrischler mit Sonnenkäppi angetreten. Die „Kirsche in blaugrün“, wie er vom Moderator scherzhaft bezeichnet wurde, überstand auch das Viertelfinale, da schmiss er frech das Annamirl ins Wasser. Zwei Fastls, Frank und Luggi, „weder verwandt noch verschwägert“, lieferten sich als Mongole und Antikfeuerwehrler einen Kampf, den der Mongole für sich entscheiden konnte. Eishockey sticht Landratte beziehungsweise Dießen sticht Dettenhofen, hieß es bei Tom (Höring) und Tobi (Reichart). Und der „Schose“, der Franz Sanktjohanser von den Dießener Haubentauchern, der auch stilecht im Taucheranzug anrückte, der beförderte den Merhawi Tesfadem aus Eritrea, der seit ein paar Monaten in Riederau lebt, ins Ammerseewasser.

Langsam stieg die Spannung bei den 300 bis 400 Zuschauern an den Ufern der Seeanlagen und den Wasserratten auf den Booten, die vom See her an segelten oder -ruderten, weil sie von dem Spektakel was mitbekommen hatten. Der Schose behielt gegen den Frank Fastl die Oberhand und siehe da, auch der Bürgermeister bewies seine Standfestigkeit. Hatte der Landrat eventuell doch recht mit seiner Einschätzung der Einheimischen? Schließlich kämpften zwei von ihnen um den Sieg, und der ging an den von allen gefürchteten und als Favorit eingeschätzten Franz Sanktjohanser. Zweiter wurde also Herbert Kirsch und den dritten Platz sicherte sich der Mongole Frank Fastl.

Den Titelverteidiger vom letzten Fischerstechen übrigens, den hat’s beim ersten Stechen schon rausgehauen. War halt ein bisschen aus der Übung, der Franz Eberl von den Moosdappern, sein Titel stammt schließlich aus dem Jahr 2007...

Weitere Fotos vom Fischerstechen in unserer Bildergalerie.

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