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Dießen

22.01.2020

Wahlkampf: Warum der Dießener Unterbräu-Wirt nicht jeden reinlässt

Martin Brink, der Wirt der Dießener Unterbräu, will nur noch Veranstaltungen von bestimmten politischen Gruppierungen in seiner Gaststätte.
Bild: Stephanie Millonig (Archiv)

Plus Mehrere politische Gruppierungen aus Dießen wollen ihre Kandidaten eigentlich im Traditionsgasthaus am Untermüllerplatz vorstellen. Doch Wirt Martin Brink von den Freien Wählern lässt nicht alle rein.

Der Wirt der Dießener Gaststätte Unterbräu, Martin Brink, sorgt in der Marktgemeinde für Gesprächsstoff und Kopfschütteln. Er hat beschlossen, dass in seinem Wirtshaus keine Wahlkampfveranstaltungen mehr stattfinden dürfen, das gilt aber nur für einen Teil der politischen Gruppierungen und Parteien. Kursierenden Gerüchten, in seinem Gasthof herrsche neuerdings eine „Gesichtskontrolle“ und es dürften nur noch „ausgesuchte Gäste“ in seinem Wirtshaus verkehren, widerspricht Brink. Wie er seinen Schritt begründet.

Die Partei des amtierenden Bürgermeisters erhält plötzlich eine Absage

Abgesagt hat der Gastronom, der mehrere Jahre für die Freien Wähler im Gemeinderat saß, unter anderem den "Dießener Bürgern", die mit Herbert Kirsch auch den amtierenden Bürgermeister stellen. Die Partei wollte ihre Kandidatenvorstellung im Unterbräu abhalten, bekam aber eine Absage. Die Vorsitzende und Gemeinderätin Antoinette Bagusat sagt, dass Brink dies damit begründet habe, dass ihre Gruppierung „im Gemeinderat gegen seine Interessen gehandelt“, habe. Bagusat hat beschlossen, aufgrund der Vorkommnisse als Privatperson nicht mehr in den Unterbräu zu gehen. „Für mich ist das Verhalten nicht nachvollziehbar und ich bin auch sauer.“ Da sie aber auch Mitglied in mehreren Dießener Vereinen sei, könne es sein, dass sie deren Versammlungen in dem Wirtshaus besucht, sollten diese dort stattfinden.

Brink bestätigt auf Nachfrage des LT, dass er die Anfrage der Dießener Bürger abgelehnt hat. „Ich sehe nicht ein, dass ich Personen, Parteien oder Gemeinderatsfraktionen eine Plattform bieten soll, die durch öffentliche Reden und destruktives Handeln dem Unterbräu existenziell schaden.“ Er bezieht sich dabei unter anderem auf die Parkplatzsituation vor seinem Gasthaus und die angedachte Fußgängerzone in der Mühlstraße und am Untermüllerplatz. Beide Themen beschäftigten in der Vergangenheit auch schon die Gerichte, als die Wirtsfamilie den Markt Dießen verklagte. Es war auch der Grund, warum Martin Brink den Gemeinderat im September 2017 im Streit verließ.

Wahlkampf: Warum der Dießener Unterbräu-Wirt nicht jeden reinlässt

Die "Dießener Bürger" weichen in eine andere Gaststätte aus

Dass das Thema jetzt öffentlich hochkocht, kann Brink nicht nachvollziehen. „Ich habe bereits im Spätherbst unsere Linie klar kommuniziert und unseren Standpunkt jetzt nur noch einmal in einer E-Mail an Gemeinderäte, Bürgermeisterkandidaten und den Bürgermeister dargelegt, weil Gerüchte kursieren, es würden Gesichtskontrollen stattfinden.“ Besagte E-Mail liegt unserer Redaktion vor. Er verwehre den „Dießener Bürgern“ nicht grundsätzlich die Nutzung seiner Räumlichkeiten, betont der Wirt. Schließlich habe die Gruppierung im Unterbräu Sandra Perzul zur Bürgermeisterkandidatin küren dürfen. „Ich habe kein Problem mit Sandra Perzul, aber aufgrund der Vorgeschichte möchte ich einigen Kandidaten in meinem Haus keine Plattform bieten, sich zu präsentieren.“ Deswegen habe er die geplante Kandidatenvorstellung der „Dießener Bürger“ abgelehnt. Diese haben sich nun für den Seefelder Hof als Veranstaltungsort im März entschieden, so Antoinette Bagusat.

Der CSU-Kandidat fühlt sich gern gesehen

Die Dießener Grünen halten im Unterbräu alle zwei Monate ihren Stammtisch ab. Bürgermeisterkandidatin Gabriele Übler sagt, dass sie zwar Brinks Information erhalten habe, aber keine Begründung. Sie vermutet, dass das Anliegen der Grünen, die Mühlstraße und auch den Untermüllerplatz noch ruhiger zu gestalten und die Parkplätze vor dem Wirthaus zu reduzieren, bei den Wirtsleuten nicht gut angekommen sind. Brink dementiert einen grundsätzlichen Ausschluss der Partei. „Einzig die Vorstellung von Kandidaten für den Gemeinderat soll nicht in unseren Räumlichkeiten erfolgen.“

Roland Kratzer, Bürgermeisterkandidat der CSU, kannte die versendete E-Mail bis zur Anfrage des LT noch nicht. Gehört habe er im Ort davon schon, aber nichts wirklich Konkretes. Eine Anfrage in Sachen Wahlveranstaltung habe er an Familie Brink selbst noch nicht gestellt. „Ich bin – glaube ich – immer ein gern gesehener Gast im Unterbräu“. Auch die parteilose Bürgermeisterkandidatin Marianne Scharr glaubt nicht, dass ihr der Zugang verwehrt würde. „Die Gerüchteküche brodelt doch immer.“ Ob sie in der Gaststätte eine Wahlkampfveranstaltung durchführen wolle, darüber habe sie sich zudem noch gar keine Gedanken gemacht. „Ich gehe einen Schritt nach dem anderen. Zuerst einmal kümmere ich mich um meine Unterstützerliste, dann sehen wir weiter.“

Der Stammtisch der Grünen soll bleiben dürfen

Gabriele Übler (Grüne) hätte sich gewünscht, dass Martin Brink auf sie zugegangen wäre. „Ich bin eine Freundin des persönlichen Wortes.“ In der Vergangenheit habe sie sich mit ihren Parteifreunden im Unterbräu immer gut aufgehoben gefühlt. Brink sagt, er habe mit Holger Kramer (Vorstandsmitglied der Grünen), „klare Absprachen getroffen und einzig Kandidatenvorstellungen ausgeschlossen“. Der Stammtisch der Partei könne in seinem Gasthof auch weiterhin stattfinden und er habe die Räumlichkeiten der Partei auch für einen einen Fachvortrag zur Sanierung von Gebäuden zur Verfügung gestellt.

Rechtliches: Gaststätten sind ein privater Gewerbebetrieb. Der Inhaber hat das Hausrecht. Er kann entscheiden, wer den Betrieb als Gast aufsuchen darf und wer nicht, solange dadurch niemand diskriminiert wird. Wenn der Gast trotz Aufforderung das Lokal nicht verlässt, ist das ein strafbarer Hausfriedensbruch. Rechtsgrundlage sind die Paragrafen 903 und 1004 BGB.


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