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Kreis Landsberg

06.11.2019

Warum Gockel Franz aus Igling eine Warnweste trägt

Gockel Franz ist besonders stolzer Warnwestenträger.
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Gockel Franz ist besonders stolzer Warnwestenträger.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Bianca Söldner aus Igling zieht ihren Hühnern neonfarbene Westen an. Welchen Aufwand sie sonst noch betreibt, damit es den Gockeln und Hennen gut geht.

Wenn Franz in Igling (Landkreis Landsberg) mit seiner Clique loszieht, dann sieht man häufiger mal Autos, die stark abbremsen, Autofahrer, die erstaunt schauen und dann aussteigen, um ein Foto von der Gruppe zu machen. Franz ist ein Gockel und sein Gefolge sind meist drei bis vier Hennen. Das wäre nicht weiter ungewöhnlich, würden die Tiere nicht Warnwesten tragen. Die hat ihnen Besitzerin Bianca Söldner angelegt. Der stolze Gockel trägt Rosa.

Der Hahn und seine Hennen laufen gerne zu den Nachbarn

"Sie werden dadurch besser wahrgenommen. Hier hält sich fast kein Fahrer an das vorgeschriebene Tempo 50. Ich habe vor Jahren auch schon mal Schilder gebastelt und ,Vorsicht Hühner’ draufgeschrieben", sagt die 24-Jährige. Dass der Hahn und die Hennen die Straßenseite wechseln, kommt häufiger vor. Dabei steuern sie ein bestimmtes Ziel an: den Zwetschgenbaum der Nachbarn. Der hat es Gockel Franz besonders angetan. "Unsere Hühner dürfen sich frei bewegen, deswegen kommt es schon mal zu kuriosen Szenen, einmal lief ein Tier im Haus der Nachbarin herum. Unsere Hühner sind im Ort bekannt", sagt Söldner und schmunzelt.

Bianca und Christl Söldner aus Igling ziehen ihren Hühnern Warnwesten an.
Video: Julian Leitenstorfer


 

Auf die Idee, die Tiere mit Warnwesten auszustatten, kam sie beim Stöbern im Internet. Auch wenn es ihr vorrangig nicht darum ging, dass die Hühner besser von Autofahrern gesehen werden. "Der Hahn ist beim Liebesakt teils sehr rabiat und verkrallt sich. Die Westen schützen die Hennen, und wenn sie mausern, bieten sie auch noch etwas Wärmeschutz", sagt Söldner. Zehn Exemplare hat sie sich zugelegt.

Bianca und Mutter Christl Söldner mit Huhn Elfriede. Familie Söldner aus Igling hat 45 Hühner – einige von ihnen tragen Warnwesten, weil sie immer wieder über die Straße laufen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Familie Söldner liebt ihre Hühner

Und ist es schwierig, den Tieren die Warnwesten anzulegen? "Man muss es schaffen, dass sie still sitzen. Ist die Weste erst einmal über den Kopf drüber, ist das größte Problem geschafft. Dann muss man nur noch die Klettverschlüsse unter den Flügeln zumachen." Für kurze Zeit sei es ein ungewohntes Gefühl für die Tiere, doch diese arrangierten sich schnell damit, sagt die Iglingerin. Sie beobachtet aber immer wieder, dass einige Hühner rückwärts laufen, sobald sie die Weste angelegt bekommen. "Ich vermute, dass sie wieder herausschlüpfen wollen. Das legt sich aber schnell." Sie nehmen auch ihr Sandbad, wenn sie die Westen um haben.

Die Tiere würden niemals auf dem Teller landen

Bianca Söldners Familie hat zwar eine Landwirtschaft und unter anderem auch Kühe, zu den Hühnern kam sie aber zufällig. Das erste Huhn lief ihnen zu. Als Trudl in ihr Leben trat, war Bianca Söldner elf Jahre alt. Sie kümmerte sich um das Tier und nahm es auch auf dem Fahrrad mit, wenn sie in Igling unterwegs war. "Irgendwann kam ein Nachbar und hat einen Gockel gebracht, weil die Henne nicht alleine sein soll. Aber eine Henne sei zu wenig für den Hahn, also wurden weitere Hennen gekauft und es gab Nachwuchs", erinnert sich Bianca Söldner, die untertags in einem Büro arbeitet.

Aktuell sind es 45 Hühner. Das ist auch den Nachbarn und Freunden geschuldet, die großes Interesse an den Bio-Eiern haben, weshalb die Nachfrage immer weiter stieg. Im Sommer dürfen sie von 8 bis 20 Uhr raus und im Winter bis 17 Uhr. Bei Söldners wird aber der Stall nicht einfach zugesperrt, wenn mutmaßlich alle Hühner drin sind. Es wird noch mal nachgezählt. Das sei eigentlich schnell erledigt, wenn die Hühner auf der Stange sitzen, so Bianca Söldner. Doch wenn eines oder mehrere fehlen, dann geht die Suche los. "Meistens passt es, aber wir haben vereinzelt auch schon zwei Stunden gesucht", sagt Mutter Christl und lacht. Sie wird mit eingespannt.

Die einen haben Hunde, die Söldners ihre Hühner

Aus Sicht der Tochter sind die Hühner ganz normale Tiere, wie Hunde oder Katzen eben auch. "Zumindest bei uns sind sie sehr auf Menschen fixiert und suchen auch die Nähe." Henne Elfriede beweist das auch gleich beim Termin mit unserer Redaktion. Denn sie ist sehr anhänglich. Bianca Söldner hat einige Mühe, sie wieder von ihrer Schulter auf den Boden zu bekommen. Elfriede gefällt der Ausblick offenbar sehr gut.

Elfriede ist sehr zutraulich und sitzt gerne auf der Schulter von Frauchen Bianca Söldner.
Bild: Julian Leitenstorfer

Eingesperrt werden die Tiere nur nachts

Dass die Hühner in der Suppe oder als Hendl auf dem Teller enden, ist für Söldner unvorstellbar. Sie geht sogar zum Tierarzt mit den Hühnern und lässt sie, falls notwendig, einschläfern. Tote Hühner bestattet sie im Pappkarton im Garten. Es sind über die Jahre viele geworden.

Obwohl die Hühner sich frei bewegen können, ist ihnen bislang wenig passiert. Ein Tier wurde vom Fuchs geholt, der auch bei anderen Nachbarn räuberte. Zwei Hühner wurden kürzlich überfahren. "Insgesamt ist aber so wenig passiert, dass wir sie deswegen nicht in einen eingezäunten Bereich einsperren", sagt die Iglingerin. Mutter Christl hat schon wieder Ersatz besorgt. Mehr Hühner sollen es nach ihrem Willen aber nicht mehr werden. Tochter Bianca glaubt noch nicht so recht daran. "Das hast du schon einmal gesagt."

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