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Landsberg/Dießen

28.05.2018

Warum Künstler sehr oft sehr mutig sind

Annunciata Foresti aus Dießen organisiert die Kreiskulturtage.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Bei den nächsten Kreiskulturtagen geht es um den Begriff „Mut“. Bald endet die Bewerbungsfrist. Wie die Macherin Annunciata Foresti mit dem Thema umgeht.

Im kommenden Jahr werden zum zweiten Mal die Kreiskulturtage veranstaltet. Diesmal unter dem Motto „Mut“. Noch bis Mitte Juni können sich Künstler und Kulturveranstalter für die Kulturtage bewerben. Für Schulen gilt eine verlängerte Anmeldefrist bis Mitte Oktober, denn sie werden nicht juriert wie die anderen Teilnehmer. Das LT hat mit der Beauftragten des Landkreises für die Kreiskulturtage, Annunciata Foresti, über das Mega-Event gesprochen.

Nach „Schnittstelle Heimat“ ist nun „Mut“ das Motto für die zweiten Kreiskulturtage. Wie kamen Sie zu dieser Idee?

Foresti: Es sollte etwas sein, das mit Bild, Kunst, Musik, Schauspiel oder Tanz gut darstellbar ist. Zuletzt bin ich dann der Frage nachgegangen, was uns gesellschaftspolitisch gerade herausfordert und was Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen berührt. Zivilcourage im Alltag, in Bereichen, die wir gerne ausblenden, wie zum Beispiel in der Pflege, Mut im gesellschaftlichen Leben, in der Politik, wie auch in der Kunst und Kultur. Das hat auch etwas mit Mitgefühl zu tun, öffnet Türen, lässt uns ganz Mensch werden. Landrat Thomas Eichinger hat das Thema auf Anhieb gefallen.

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Unsere Gesellschaft steht vor vielen Umbrüchen, viele Menschen fühlen sich überfordert und haben Angst. Was können Künstler dagegensetzen?

Foresti: Ich denke, nicht nur Künstler, sondern wir alle können unsere Lebensentwürfe dagegensetzen. Wir Künstler zählten schon immer zu den Menschen, die eher laut gedacht, geschrieben oder gemalt haben. Und sie waren es meist, die genau hinschauten und sich trauten, gegen antidemokratische, menschenzerstörende Gruppierungen etwas zu sagen und Fragen aufzuwerfen.

Wie mutig sind die Teilnehmer im Hochseilgarten?

Schauen Sie doch in die Türkei. Wie viele Schriftsteller und Journalisten sitzen da in den Gefängnissen, nur weil sie schreiben, was sie sehen und denken. Künstler sind Menschen, die sich trauen, ihren Lebensentwurf, ihre Meinung, ihre inneren Bilder mit ihrem Medium der Öffentlichkeit zu präsentieren. Allein dazu gehört viel Mut.

Wie können Künstler und Kreative das Motto „Mut“ zu den Kreiskulturtagen mit Leben füllen?

Foresti: Künstler sind in jedem Fall mutig. Mit jedem neuen Werk, das sie kreieren, stellen sie sich der Öffentlichkeit. Kunst und Kultur ohne Mut? Undenkbar. Mutig fände ich Crossover-Veranstaltungen. Wenn zum Beispiel historische mit postmoderner Kultur zusammentrifft. Meiner Meinung nach spielen Vergangenheit/Gegenwart und Zukunft in der Kultur viel zu wenig zusammen. Dieser Brückenschlag wird viel zu selten vollzogen. Ebenso spannend und mutig könnte es sein, wenn verschiedene Genres zusammenkommen. Meine Ideen für die Kreiskulturtage 2019: Neben einer sehr bunten Auftaktveranstaltung, unter anderem mit der Perfomerin Manuela Hartel, dem jungen Solo-Klarinettisten David Schöndorfer und DJ Rupen gibt es zum Beispiel einen Tag im Hochseilgarten in Utting, wo Kinder und Jugendliche eingeladen werden, ihren Mut zu erproben und Vertrauen zu anderen Menschen zu bekommen.

Musiktechnisch ist einiges geboten

Oder ein Vortrag über entartete Kunst. Wir haben in Dießen zum Beispiel den bekannten Maler Fritz Winter, der während der Nazizeit Arbeits- und Ausstellungsverbot hatte. Für das Konzert in Hurlach konnten wir Konstantin Wecker gewinnen. Monika Drasch spielt in der Ulrichskirche in Eresing. Außerdem ist ein Tanzcafé für Demenzerkrankte und Künstlern geplant mit Schlagern aus den 1960er- und 1970er-Jahren, im Sinne Kunst trifft Demenz.

Was verbinden Sie persönlich mit dem Thema? Wann waren Sie schon mal mutig – im künstlerischen, privaten oder politischen Leben?

Foresti: Ich war schon in meiner Jugend sehr mutig. Ich habe meine Eltern „enttäuscht“, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen und bin gegen ihren Willen mit 17 nach München gezogen. Auch war ich mutig, als ich meinen ersten Beruf als Pharmazeutisch Technische Assistentin an den Nagel hängte, weil es mir zuwider war, auf Anordnung des Apothekers möglichst viele allopathische Medikamente zu verkaufen. Auch drei Kinder zu bekommen, war in den 80er-Jahren sozial nicht besonders hoch angesehen.

Eine klare Ansage an die Jugend

Ich fand das mutig von uns, uns gegen gesellschaftliche Ansichten zu orientieren. Mut war für mich auch, das Stellwerk in Dießen zu erwerben und in dem Atelier meine Kunst zu machen sowie nicht nach Richtlinien der Gewinnmaximierung zu renovieren, sondern nach den Kriterien des Erhaltens von Kulturgütern und das auch zur Freude der Fußgänger, die daran vorbeigehen.

Welche Botschaft wollen Sie jungen Menschen vermitteln?

Foresti: Den Begriff Botschaft mag ich nicht so recht. Ich mag es lieber, Angebote zu machen. Und diese Angebote so interessant und sinnlich zu gestalten, dass die Jugendliche Lust haben, mitzumachen. Außerdem ist mir wichtig, dass die Jugendlichen erfahren, dass sie ein vollwertiger und wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind und die Möglichkeit der Gestaltung haben. Dinge mit Leidenschaft zu tun, und damit auch mit Mut, öffnet Türen und das ist das wesentliche Thema bei jungen Menschen. (lt)

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