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Landkreis Landsberg

31.08.2018

Warum Mücken Fußballplätze so lieben

Eine Stechmücke kommt selten allein. Am Ammersee will die Aktion „Mückenplage - nein danke“ einen eigenen Verein gründen.
Bild: Uwe Anspach/dpa (Archiv)

Jetzt liegt eine wissenschaftliche Untersuchung zum Einsatz des biologischen Insektenmittels Bti am Ammersee vor. Die Aktion „Mückenplage - nein danke“ will einen eigenen Verein gründen.

Der Sommer 2018 wird vielen Menschen noch lange in Erinnerung bleiben, denn er war warm und beständig – und praktisch frei von Stechmücken. Doch wer am Ammersee wohnt, insbesondere im Norden oder Süden, der weiß: Es gab auch schon andere Jahre. Richtig unangenehm und lästig waren die Mücken beispielsweise im Überschwemmungsjahr 1999 und auch 2016. Damals hat Rainer Jünger, Gemeinderat in Schondorf, zusammen mit weiteren Unterstützern die Aktion „Mückenplage – nein danke“ ins Leben gerufen. Jetzt soll noch in diesem Jahr aus der Initiative ein Verein werden, denn Jünger ist sich sicher: Die Mücken werden wiederkommen.

Bislang wurden rund 4000 Unterschriften gesammelt

Die Initiative, und später dann der Verein, setzt sich für den Einsatz von Bti gegen Überschwemmungsmücken am Ammersee ein (LT berichtete). Bti, das steht für Bacillus thuringiensis israelensis. Mit dabei sind unter anderem auch Echings Bürgermeister Siegfried Luge, der bereits vor über zehn Jahren einen damals erfolglosen Vorstoß in Sachen Bti unternommen hatte, sowie die Kreisrätin und Gemeinderätin in Inning, Barbara Wanzke. „Rund 4000 Bürger unterstützen inzwischen mit ihrer Unterschrift unsere Aktion“, sagte Rainer Jünger. Er ist sich sicher, dass die Zahl mit der Betroffenheit noch steigen wird. Sprich: Wird 2019 ein „Mückenjahr“, dann werden noch mehr Menschen für den Einsatz von Bti stimmen.

Um dem Anliegen mehr Gewicht zu verleihen, soll aus der Aktion nun ein Verein werden. „Die Gründung steht dieses Jahr an“, so Jünger. Ziel des Vereins sei eine Kartierung des Ammersees, also der Flächen, in denen sich Überschwemmungsmücken in großer Zahl bilden können sowie deren Beurteilung und Unterteilung in beispielsweise biologisch sensible Gebiete wie Naturschutzflächen oder öffentliche Flächen wie etwa Fußballplätze. Denn gerade die - das sei zum Beispiel in Dießen gut sichtbar - seien oft ideale Brutstätten, so Jünger.

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Binnen zehn Tagen kann eine Mückenplage entstehen

Er will Bti nicht „mit der Gießkanne über alle Überschwemmungsflächen kippen“, sondern je nach Voraussetzung sollen unterschiedliche Vorgehensweisen zum Einsatz kommen. Die Kartierung soll Grundlage einer sachlichen Diskussion sein, so Jüngers Wunsch. „Derzeit haben wir einen traumhaften Sommer, der Wasserstand des Ammersees ist sehr niedrig, es gibt kein Mückenproblem“, sagt er. Aber das Wetter kann sich auch schnell mal ändern. Dann reichen den Mücken zehn bis 14 Tage, in denen das Wasser in Pfützen steht und Temperaturen über 15 Grad Celsius erreicht, um massenhaft Nachwuchs zu produzieren.

„Die Eier liegen in den Überschwemmungsgebieten und warten auf geeignete Bedingungen. Sie gehen auch im Winter nicht kaputt“, weiß Jünger. Doch der Genehmigungsprozess für die Ausbringung von Bti sei lang und kompliziert. Deshalb wollen die Initiatoren die Sache angehen, „solange die Sonne scheint, und nicht erst, wenn die Mücken da sind“. Bti soll eine Art Feuerwehr sein, wenn die Mückenplage zu heftig wird. Wann das der Fall ist, das soll jeweils von Wissenschaftlern beurteilt werden.

An acht Standorten wurde untersucht

In Sachen Kartierung ist das Landratsamt Landsberg auch bereits tätig geworden und erste Ergebnisse liegen auch vor, wie Pressesprecher Wolfgang Müller auf Anfrage mitteilt. Im Rahmen einer Studie war von Juni bis Oktober 2017 eine Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe Gewässerökologie und Naturschutz an der Universität Oldenburg am Ammersee unterwegs. An acht Standorten wurden die Stechmückenpopulationen beprobt. Die Daten wurden dann mit Standorten im Norden des Sees verglichen. „Ziel war es zu klären, welche Arten die Anwohner und Touristen belästigen und welche Brutgebiete der Stechmückenpopulationen für die Belästigung ursächlich sind“, so Müller.

Rainer Jünger hat die Arbeit der Wissenschaftlerin unterstützt, damit beispielsweise geeignete Orte auf privaten Flächen gefunden werden konnten, um Mückenfallen aufzustellen. „Sogenannte Fallenpaten haben dann ab und zu nach dem Rechten geschaut“, erklärt Jünger. Das Monitoring habe gezeigt, dass es sich am Ammersee vor allem um Überschwemmungsmücken handelt, die ihre Eier in den feuchten Boden ablegen und nach einem Hochwasserereignis in hohen Zahlen auftreten können.

Im Frühjahr 2019 soll wieder beprobt werden

Vergleicht man die Populationsentwicklung mit den Wasserständen des Ammersees, fallen Zusammenhänge der Stechmückenentwicklung mit hydrologischen Bedingungen des Ammersees auf, besagt die Studie. Da im trockenen Sommer 2017 wenig Stechmücken gefangen wurden und aufgrund des späteren Projektstarts die frühe Populationsentwicklung nicht eingeschätzt werden kann, wäre laut Jünger ein weiteres Monitoring empfehlenswert.

Eine erneute Beprobung der Brutgewässer sollte eigentlich im Frühjahr 2018 erfolgen. Die fand jedoch nicht statt, da die Zahl der Überschwemmungsflächen dafür nicht ausgereicht haben. Nach Aussage von Wolfgang Müller soll sie allerdings im Frühjahr 2019 nachgeholt werden.

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