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Landsberg

28.05.2020

Warum die Maskengegner nicht auf der Waitzinger Wiese demonstrieren

Die Waitzinger Wiese in Landsberg bleibt am Samstag leer. Es gibt keine Demo gegen die Maskenpflicht.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Die für Samstag geplante Demonstration von Maskengegnern und Impfkritikern fällt aus logistischen Gründen aus. Wie die Veranstalter ihren Schritt begründen.

Die für diesen Samstag angekündigte Demonstration auf der Waitzinger Wiese von Kritikern der Maskenpflicht im Zuge der Corona-Krise ist abgesagt. Die Organisatoren von Levana, einem Bündnis impfkritischer Eltern, haben einen Rückzieher gemacht. Wie berichtet, war eine Demonstration mit 888 Teilnehmern unter dem Motto „Sofortige Rückkehr zum alten Infektionsschutzgesetz und sofortige Beendigung der Maskenpflicht“ geplant. Welche Gründe die Veranstalter für das Aus anführen, haben sie unserer Zeitung verraten.

Angemeldet hatte die Veranstaltung Tanja Heinrich aus Schwabmünchen. „Grund für die Absage sind die wegen der Auflagen sehr hohen Kosten, die ich finanziell nicht stemmen kann“, informiert sie gegenüber dem LT. Dabei gehe es unter anderem um die Absperrung der Waitzinger Wiese mit Bauzäunen, die Kennzeichnung von Laufwegen mittels Flatterband und vor allem um die Bereitstellung von 16 mobilen Toiletten samt Reinigungspersonal. Vor allem letzteren Aspekt bezeichnet sie als „Knackpunkt“. Sie habe Angebote von Firmen eingeholt und dann beschlossen, die Kundgebung abzusagen.

Tanja Heinrich hatte die Kundegbung angemeldet.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Kritik an den Auflagen will sie aber nicht üben. „Ich habe Verständnis dafür und muss auch sagen, dass das Landratsamt und die Polizei in den Gesprächen konstruktiv waren bei der Frage, ob die Veranstaltung nicht doch durchgeführt werden kann. Sie haben die Auflagen ja nicht beschlossen, sondern müssen für deren Einhaltung sorgen.“ Heinrich sprach in ihrer Ankündigung der Veranstaltung sogar eine Empfehlung aus, Masken zu tragen, obwohl sie selbst dagegen ist. „Es geht darum, sich an Regeln zu halten und zugleich eine Diskussion in Gang zu bringen. Ich hätte auf der Kundgebung auch Befürwortern des Maskentragens Rederecht eingeräumt“, betont sie. Die Ebene, auf der die aktuelle Debatte stattfindet, empfinde sie als „einseitig“.

Eine Einschätzung, die auch der Mediziner Rolf Kron aus Kaufering teilt. Er engagiert sich bei „Levana Landsberg – Eltern für Impfaufklärung“. Der Zusammenschluss hatte Tanja Heinrich Unterstützung bei der Organisation zugesagt. Kron argumentiert, dass einfache Masken keinen effektiven Schutz bieten würden. Er empfiehlt, eine Maske zu nehmen, gegen das Licht zu halten und dann hindurch zu sprühen. „Da sehen Sie, wie viele Aerosole einfach durch die Maske durchgehen.“ Auch gebe es kaum noch bestätigte Neuinfektionen, so der Arzt und Homöopath. Die Maskenpflicht wäre seiner Ansicht nach am Anfang vielleicht noch sinnvoll gewesen, aber jetzt nicht mehr.

Wirbel um die geplante Anzahl der Teilnehmer

Das Bündnis Levana hatte für die geplante Demo auf der Waitzinger Wiese 888 Teilnehmer angemeldet. Diese Zahl hatte im Vorfeld für Wirbel gesorgt – auch in der Berichterstattung in unserer Zeitung. Denn in Deutschland wird die Ziffernfolge 88 in Neonazikreisen als Geheimcode für den verbotenen Hitlergruß verwendet. Zuletzt hatten führende Politiker, unter anderem Bundesinnenminister Horst Seehofer, davor gewarnt, dass Veranstaltungen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen von Rechtsextremen und Neonazis unterwandert würden. Levana fühlte sich in der Berichterstattung in unserer Zeitung durch die Zahlen 888 und 88 „in eine rechte Ecke gedrängt, was nicht den Tatsachen entspricht“, so das Bündnis in einer Mitteilung. „Richtig ist, die Zahl 888 symbolisiert als Glückszahl das ’gute Gelingen’ beziehungsweise den ’Neuanfang’ und unterstreicht insofern den Wunsch nach Konsens und Einheit.“ Es finde keinerlei Kokettieren mit fragwürdigen Zahlenspielen statt. Die 8 stehe gemeinhin für Erfolg, Glück und Neuanfang. „Levana Landsberg – Eltern für Impfaufklärung“ distanziere sich von jeder Art von Extremismus.

Die ÖDP erklärt ihre Sicht der Ziffern

Auch der ÖDP-Kreisverband Landsberg hatte sich Anfang der Woche in die Debatte eingeschaltet. Dessen Vorsitzender Dr. Rainer Gottwald kritisierte das Vorgehen von Landrat Thomas Eichinger – er hatte Mitte Mai eine von Levana geplante Großveranstaltung auf der Waitzinger Wiese abgesagt und war in dieser Entscheidung vom Verwaltungsgericht in München bestätigt worden. Gottwald hatte sogar von einem „Lapsus“ des Landrats gesprochen. Nun meldet er sich erneut zu Wort. „Die ÖDP ist eine Partei, die unsere demokratisch-freiheitlichen Grundrechte als Basis jeglichen Handelns sieht. Diese Grundrechte haben wir durch das Handeln eines Landrats als unnötig beeinträchtigt gesehen. In unserer Presseerklärung sind wir mit keinem Wort auf den Inhalt der Demonstration (Maskenpflicht/Impfpflicht ja oder nein) eingegangen.“, teilt Gottwald mit.

Auch nimmt der ÖDP-Kreisverband Bezug auf den in unserer Zeitung hergestellten Zusammenhang der Zahlencodes 88 und 888. Die 888 bedeute in der chinesischen Symbolik „Glück und Erfolg“. „Es wurde unterlassen, bei den Veranstaltern oder der ÖDP nachzufragen, was denn hinter der Zahl 888 steckt. Stattdessen wurde die 888 umgedeutet in 88.“

Lesen Sie auch den Kommentar:Absage der Demo - eine vernünftige Entscheidung

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