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Weilheim

29.08.2018

Was „Mr. Mendocino“ heute macht

Sänger Michael Holm wurde vor Kurzem 75 Jahre alt. Der frühere Schlagerstar ist Komponist, Texter und Produzent.
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Sänger Michael Holm wurde vor Kurzem 75 Jahre alt. Der frühere Schlagerstar ist Komponist, Texter und Produzent.
Bild: Bodo Schackow/dpa

Der Schlagerstar Michael Holm feierte vor Kurzem seinen 75. Geburtstag. Noch heute begeistert der Komponist, Texter und Produzent die Fans. Heute lebt er in Weilheim.

Michael Holm, einer der großen deutschen Schlagerstars vor allem der 60er- und 70er-Jahre, lebt heute direkt in Weilheim. Er war in der nicht weniger legendären ZDF-Hitparade des vergangene Woche verstorbenen Dieter Thomas Heck Dauergast. „Mendocino“, „Barfuß im Regen“ und „Tränen lügen nicht“ sind nur zwei seiner Hits - wer kennt sie nicht? Doch Michael Holm ist auch ein begnadeter Produzent, Texter und Komponist. So produzierte er unter anderem für Guildo Horn dessen Album „Danke“ (1993). Alois Kramer hat sich für das LT mit dem Schlagerstar, der Ende Juli 75 Jahre alt wurde, über seine Karriere unterhalten.

Sie gehören mit Ihren Schlagern zweifelsfrei zum kulturellen Gedächtnis der Bundesrepublik der 60er- und 70er-Jahre. Es gibt kaum jemanden, auch bei Menschen unter 30, denen Schlager wie „Mendocino“ oder „Tränen lügen nicht“, unbekannt sind.

Michael Holm: Klar, ich stehe dazu. Ich habe mit meinen Schallplatten, wie man früher sagte, richtig viel Geld verdient. Ich bin mit Musik groß geworden. Mein Vater arbeitete als Ingenieur bei Siemens in Erlangen und leitete das Kammerorchester der Firma. Da musste jedes seiner fünf Kinder ein Instrument spielen. Ich lernte Querflöte, mein Bruder Johannes Bratsche. Meine Schwester und ich sangen mit sechs Jahren beim Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, das der Erlanger Universitätschor in der evangelische Kirche aufführte, mit. Bis heute liebe ich Bach. Bei uns gab es nur Klassik. Das Gitarrenspiel brachte ich mir selbst bei.

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Das Gitarre spielen brachte er sich selbst bei

Ich besorgte mir ein Übungsheft so nach dem Motto „Gitarre spielen in zehn Stunden“. Damals fing ich auch mit dem Komponieren an. Nach dem Abitur auf dem Melanchthon-Gymnasium in Nürnberg arbeitete ich neben dem Studium bei dem berühmten Musikverleger Meisel. Ich erinnere mich noch gut, wie er uns ein Foto von Ricky Shane zeigte. Der war in Italien zu der Zeit schon bekannt. Eine Gruppe von jungen Musikern, darunter Giorgio Moroder, schauten sich den Typen an, da sagte ich: „Der sieht ja aus, als würde er behaupten ,Ich sprenge alle Ketten’.“ Am nächsten Tag hatte Giorgio Moroder einen Hit aus diesem Satz geschrieben. Er präsentierte mir den Song und ich schrieb den Text. Wir landeten einen Nummer-Eins-Schlager.

Damals haben Sie sogar als DJ gearbeitet? Holm: „Mendocino“ kam 1969 auf den deutschen Markt, wurde aber ein Jahr zuvor schon, also vor 50 Jahren, in den USA veröffentlicht. Der deutsche Text stammte von mir. 1966 bis 1968 arbeitete ich als Sommerdisjockey bei Radio Luxemburg. Da wohnte ich bei Frank Elstner in einer riesengroßen Wohnung. Frank arbeitete noch beim Radio. Mich stellte der Leiter des Senders, Dr. Stolt, mit der Bemerkung ein: „Herr Holm, Sie können ja ganz flüssig reden. Würden Sie unseren Aushilfs-Sommer-DJ machen?“ Das reichte ihm wohl. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. „Mendocino“ beendete dann meine Karriere beim Rundfunk.

Ihre musikalischen Vorbilder?

Holm: Stevie Wonder, Chuck Berry und Elvis Presley. Auch die Rolling Stones gehörten zu meinen Favoriten. Nummern wie Honky Tonk Woman sind einfach großartig. Als ich die Biografie von Keith Richards gelesen hatte, hätte ich ihn umarmen können für seine herzliche und offene Art. Ich dachte bei mir: Schade, dass Du den nie kennengelernt hast. Mick Jagger scheint aber eher mühsam gewesen zu sein, doch ist er ein echter Rockpoet. Ich hab’ die Stones mehrmals gesehen und war begeistert.

Heute sind seine Zuhörer zwischen 17 und 70

Hatten Sie sich nie für den deutschen Schlager geschämt?

Holm: Nein. Ich habe damit viel Geld verdient. Das war toll. Auch heute kommen zu meinen Auftritten die Fans zwischen 17 und 70. Nach den Konzerten fallen Sätze wie: „Ich fühle mich 40 Jahre jünger“. Dieter Thomas Kuhn hatte mal so was geäußert wie: „Michael Holm war voll mit sich im Reinen.“ Was denn sonst? Ich weiß, Roy Black hat darunter gelitten, dass er als Schnulzensänger wahrgenommen wurde. Er war ein toller Sänger, in Amerika hätte man ihn als Crooner, das heißt „Schmeichler“ gefeiert. Roy war ein höflicher und unglaublich liebenswerter Mensch. Schade, dass er so früh gestorben ist. Wir haben uns noch wenige Wochen vor seinem Tod gesprochen. Er war richtig gut drauf und soweit ich das verstanden habe, mit sich im Reinen.

Sie haben den südamerikanischen Kontinent mehrere Monate bereist?

Holm: Ja, das war 1978. Ich brauchte eine Auszeit. Mein Vater war oft in Südamerika und beriet nach seiner Tätigkeit bei Siemens die brasilianische Regierung beim Bau der U-Bahn von Sao Paolo. Der sprach fließend Spanisch, Englisch, Französisch und natürlich Portugiesisch. Ich wollte auf seinen Spuren wandeln. Zusammen mit einem guten Freund bin ich nach Südamerika gereist. Wir quartierten uns erst mal in Carracas in ein Hotel ein. Jeden Nachmittag hatten wir vier Stunden Spanisch-Unterricht. Da haben wir das Spanisch so richtig verinnerlicht und konnten total gut artikulieren und so die Landschaft und die Leute genießen.

Sie wohnen gerne in Weilheim?

Holm: Wir sind von München aufs Land gezogen, weil wir gerne reiten und die Leute und die Landschaft lieben. Wir hatten anfänglich einen großen Bauernhof. Jetzt wohnen wir direkt in Weilheim, das ist praktischer. Ich liebe Oberbayern, es ist gut für die Seele, und wenn ich mit dem Fahrrad über die Lande fahre, fühle ich mich wie im Paradies.

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