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Landsberg

08.03.2019

Was die LT-Leser zum Radio-Boykott gegen Michael Jackson sagen

Edmund Epple vom Discy in Landsberg will nicht, dass die Songs von Michael Jackson aus dem Radio verbannt werden.
Bild: Julian Leitenstorfer

Nach den erneuten Missbrauchsvorwürfen gegen den verstorbenen King of Pop wollen Radiosender seine Songs verbannen. Das LT hat dazu Reaktionen in Landsberg eingeholt.

Weltweit gibt es Diskussionen, ob die Lieder von Michael Jackson noch im Radio gespielt werden sollten. Grund ist eine aktuelle Dokumentation des amerikanischen Fernsehsenders HBO. Sie erzählt die Geschichte zweier Männer, die nach eigenen Angaben im Alter von sieben und zehn Jahren von Jackson sexuell missbraucht worden sein sollen. Unter anderem 22 kanadische Sender, ein niederländischer Sender und der norwegische Rundfunk hatten daraufhin angekündigt, auf Lieder des Musikers zu verzichten.

Lesen Sie dazu auch: Der Fall Michael Jackson: Kann man Werk und Künstler trennen?

Aber ist es richtig, Michael Jackson, der die Popmusik geprägt hat, aus dem Radio verdrängen? Das LT hat sich in der Landsberger Innenstadt umgehört, wie die Entscheidung der Radiosender bewertet wird.

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„Michael Jackson ist eine unsterbliche Musiklegende“

Jürgen Nies aus Windach hält die Entscheidung für falsch. „Er ist eine unsterbliche Musiklegende. Und soweit ich weiß, war er ein ganz normaler Mensch. Wir haben mehrere Jahre in New York gelebt und kannten eine Frau, die ihm öfter begegnet ist. Sie war Sekretärin bei Sony Music.“ Heidrun Nies sieht es ähnlich. „Sollte die Darstellung der Männer stimmen, wäre das nicht zu entschuldigen. Jetzt aber über einen Toten herzuziehen, der sich nicht wehren kann, finde ich auch nicht in Ordnung.“ Sie selbst war vor vielen Jahren im Frankfurter Waldstadion bei einem Jackson-Konzert. „Es war großartig.“

Die Lieder gefallen vielen Leuten trotzdem

Auch Andreas Langgartner aus Schondorf hält wenig von der Idee, den King of Pop, wie Michael Jackson auch genannt wurde, aus dem Programm zu nehmen. „Letztlich müssten die Sender konsequent sein und viele andere Künstler auch nicht mehr spielen. R. Kelly zum Beispiel steht im Verdacht, dass er Frauen missbraucht haben soll.“ Der Musiker wurde durch den Welthit „I Believe I Can Fly“ in den 90er-Jahren berühmt.

Langgartners Frau Ina hat – angesprochen auf Michael Jackson – direkt den Song „Billy Jean“ im Ohr. Sie teilt die Meinung ihres Mannes und möchte die Songs gerne weiterhin im Radio hören. So geht es auch Christiane Meyer. „Ich kenne die neue Doku nicht, deswegen kann ich dazu nichts sagen. Aber er war ein großer Künstler und mir gefallen die Lieder.“

Noch heute werden viele Platten von Michael Jackson nachgefragt

Wenig von der Idee, Michael Jackson zu verbannen, hält auch Edmund Epple, der die „MusikBuchHandlung Discy“ in der Altstadt betreibt. Jacksons Leistungen als Musiker und auf der Bühne seien „außergewöhnlich“ gewesen. Was dieser als Mensch erlebt und getan habe, sei etwas anderes. Man müsse die Frage stellen, warum er dafür zu Lebzeiten nicht schon zur Rechenschaft gezogen wurde.

„Das Problem heute ist, dass Persönlichkeiten in den Himmel gehoben und dann fallen gelassen werden. Michael Jackson hätte wahrscheinlich zu Lebzeiten mehr Hilfe gebraucht. Er war selbst ein Missbrauchsopfer.“ Als Künstler sei er nach wie vor bei seinen Kunden beliebt, so Epple. Vor allem die Alben „Thriller“ und „Off the Wall“ würden als Schallplatte häufiger nachgefragt.

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