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Hagenheim

09.11.2018

Was macht eine Dorfhelferin?

Die 24-jährige Anna Hager arbeitet als Dorfhelferin auf dem heimatlichen Betrieb in Hagenheim.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die 24-jährige Anna Hager aus Hagenheim hat Hauswirtschafterin gelernt und dann eine Fortbildung gemacht. Diesmal hat sie einen ganz besonderen Einsatz.

Anna Hager ist eine junge Frau mit einem offenen Lächeln. Sie sitzt in der gemütlichen Küche des Elternhauses. Derzeit ist sie auf dem Bauernhof wieder daheim. Denn ihr Beruf, der für viele ungewöhnlich scheinen mag, führt sie nach drei Jahren wieder nach Hagenheim: Sie arbeitet auf dem Hof als Dorfhelferin, da ihr Vater einen Betriebsunfall hatte und derzeit die Arbeit auf dem Milchviehbetrieb nicht bewältigen kann.

Anna Hager hilft in ihrem Beruf nicht nur in den ländlichen Familien, sondern auch auf den Betrieben, je nachdem, was an Arbeitskraft gebraucht wird. Als junge Frau muss sie sich dann schon mal beweisen. Anfangs spürt die 24-Jährige manchmal Distanz, vor allem wenn es um die Arbeit auf dem Feld oder im Stall geht. Einmal war sie noch relativ neu auf einem Hof und alle Arbeitskräfte waren außer Haus. Eine Kuh kalbte und Anna Hager zog das Kalb raus. „Die waren verblüfft und dann war ich akzeptiert.“

An andere Traktoren muss sie sich gewöhnen

Und natürlich dauert es einige Tage bis sie sich auf einem neuen Betrieb zurechtfindet und mit den Aufgaben dort oder den Maschinenpark zurechtkommt. „Ich bin an Fendt g’wöhnt“, erzählt sie, dass sie sich an andere Traktoren erst gewöhnen muss. Manchmal ist sie in ihrer Arbeit auch damit konfrontiert, auf Höfe zu kommen, auf denen die Arbeit erdrückend ist – aber mögliche Rationalisierungsmaßnahmen nicht angegangen werden. „Man macht’s halt, wie man es immer macht“, sagte sie. Und es gebe vereinzelt auch Frauen, die sich schwer damit tun, eine zweite Frau im Haus zu haben.

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Zu anderen entsteht wiederum eine Bindung, die länger anhält. „Über WhatsApp bekomme ich dann neue Fotos vom Kind geschickt“, erzählt sie. Grundsätzlich schätzt sie an ihrem Beruf, dass sie als Helferin auftritt: „Man kommt in einer Notsituation und geht, wenn alles gut ist.“ Und wenn sie sich mal in einer Situation nicht so wohl fühlt, weiß sie, dass es nur eine begrenzte Zeit ist. Ein Einsatz könne zwei Wochen oder auch drei Monate dauern. Sollte es zwischenmenschlich überhaupt nicht klappen, wäre auch ein Wechsel möglich. „Aber das war noch nie der Fall“, sagt Anna Hager.

Eine Melkkur besucht

Die Landwirtschaft war ihr immer schon wichtig. Gelernt hat Anna Hager Hauswirtschafterin in Augsburg, eine dreijährige Ausbildung. Dann sattelte sie ein Jahr im landwirtschaftlichen Bereich dran. „Ich war in Memming beim Betrieb Wiedemann, der Strauße hält.“ Sie absolvierte eine zweijährige Fortbildung in Pfaffenhofen und in Neuburg an der Donau, besuchte eine Melkkur und vertiefte ihr Wissen in Sachen Stallarbeit. Betriebshelfer sind ausgebildete Landwirte oder Hauswirtschafter, die über den Maschinenring an landwirtschaftliche Betriebe vermittelt werden, auf denen entweder der Bauer oder die Bäuerin für eine gewisse Zeit als Arbeitskraft ausfallen. Abgerechnet wird dieser Einsatz über die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, wie auf der Homepage des Deutschen Maschinenrings zu lesen ist.

In ihrer Ausbildung sei aber auch auf die verschiedenen Familienphasen eingegangen, „vom Kleinkind über den Jugendlichen bis zum Senioren“. Denn all dies gehört zu ihrem Arbeitsfeld, wenn sie auf dem Hof und in der Familie als Betriebshelferin eingesetzt ist. Und sie musste in der Ausbildung auch einen Businessplan aufstellen. Mit ihrer Qualifikation stehen ihr aber auch Bereiche wie Großküchen, Altenheime oder auch Kindergärten als Arbeitsfeld offen: „Wir sind fast einer Hauswirtschaftsmeisterin gleichgestellt.“ Anna Hagers Dienstgebiet ist eigentlich der Landkreis Aichach-Friedberg und die angrenzenden Bereiche. „Wir helfen auch in den umliegenden Landkreisen aus.“ Ihr Arbeitgeber ist die Katholische Dorfhelferinnen Betriebshelfer in Bayern.

Der Vater hatte einen Arbeitsunfall

Als ihr Vater vor fünf Wochen einen Arbeitsunfall hatte, bat sie, auf dem Hof der Familie in Hagenheim arbeiten zu können. Im Richtung Hofstetten ausgesiedelten Stall gilt es 120 Milchkühe und Jungvieh zu versorgen. „Unterm Tag bin ich jetzt die Tochter, und zu den Arbeitszeiten die Dorfhelferin.“ Für die Zukunft könnte sich Anna Hager auch etwas in Richtung Soziale Landwirtschaft vorstellen. Dieser Begriff umfasst Betriebskonzepte, bei denen Soziale Aspekte und Landwirtschaft miteinander verbunden werden. Schon lange Praxis ist, dass Menschen mit Behinderung oder auch Drogenabhängige in der Landwirtschaft arbeiten. Neu sind Ideen wie ein Bauernhofkindergarten oder auch Seniorenwohnen auf dem Bauernhof. Spaß macht ihr die Arbeit mit Menschen und sie findet ihn in den landwirtschaftlichen Arbeiten: „Mit den Kälbern hat man immer was zu lachen, wenn man Stroh einstreut und sie hupfen.“

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