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Landsberg

09.12.2018

Was sich die Flüchtlinge nach dem Brand wünschen

Die Flüchtlinge aus der Iglinger Straße sind nun in der Soccerhalle untergebracht. Fünf von ihnen sieht man auf diesem Foto, allerdings nur von hinten, um in ihrer Heimat nicht erkennbar zu sein, was ihren Familien Nachteile bringen könnte.
Foto: Thorsten Jordan

Die Bewohner der Asyl-Unterkunft in der Iglinger Straße in Landsberg haben bei dem Brand alles verloren. Jetzt müssen sie wieder bei Null anfangen.

„Heute ist es besser als gestern und wir hoffen auf morgen.“ Der Eritreer Tsehaye drückt sich gerne in Sprichwörtern aus. Der 42-Jährige spricht deutsch und dolmetscht beim Gespräch mit der Presse für seine vier Landsleute, die anerkannte Asylbewerber aus Eritrea sind. Nachnamen wollen sie lieber nicht veröffentlicht wissen und online auf dem Foto nicht erkennbar sein, um Nachteile für ihre Familien daheim zu vermeiden. Die fünf Eritreer, drei um die 30, zwei Anfang 40, sitzen im Aufenthaltsraum in der Soccerhalle in Kaufering. Sie sind hier untergebracht, seit die Unterkunft in der Iglinger Straße in Landsberg am Dienstag gebrannt hat. Als Brandursache stehen ein technischer Defekt oder Fahrlässigkeit im Raum, die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, wie die Polizei am Freitag mitteilte.

Erste Station Kaufering

Das Obergeschoss der Einrichtung in der Iglinger Straße ist laut Information aus dem Landratsamt nicht mehr begehbar, das Erdgeschoss ist weitgehend kontaminiert. Die 56 Männer, die bis auf einen Leichtverletzten, dem Feuer ohne weitere Blessuren entfliehen konnten, trugen am Morgen des Brandes nur ihre Kleidung am Leibe.

Landratsamt und Rotes Kreuz hätten schnell reagiert und organisiert, wo die Geflüchteten unterkommen können, sagt Christiane Berg-Doiwa, Sprecherin des Helferkreises. Die Firma Rational habe während des Brandes mit einem Raum geholfen, aber auch als es darum ging, die Arbeitgeber der Männer zu informieren, denn die vorm Feuer Geflüchteten hatten oft keine Handys dabei.

Die Betroffenen bekamen erst einmal in der Unterkunft in Kaufering Obdach. Hygiene- und Verpflegungspakete wurden verteilt und die Möglichkeit gegeben, sich im Second-Hand-Geschäft „Die Schatztruhe“ einzukleiden. Auch Arbeitgeber wie die Metzgerei Moser starteten Sammelaktionen. „Wir sind in einem Vier-Bett-Zimmer“, erzählt Yohannes. Wertgegenstände und Papiere hat die Polizei in einer ersten Aktion aus den Zimmern gerettet. Was von ihrem sonstigen Eigentum übrig ist, wissen die Männer nicht. Besonders bitter, wie Christiane Berg-Doiwa sagt: Viele hätten sich vom Arbeitslohn ein paar Sachen zusammengespart, eine Winterjacke oder Arbeitsschuhe. „Von einem Hero, Held, zu Null“, sagt Tsehaye und meint vermutlich, dass sie etwas geschafft hätten und nun wieder von Null anfangen müssten.

Arbeit zu bekommen ist weniger schwer

„Ich bin erst einmal froh, dass ich hier bin“, sagt Yohannes und formuliert dann, was für alle der Weihnachtswunsch ist: In eine richtige Wohnung zu ziehen. Doch der 43-Jährige ist mittlerweile zu frustriert, um weiter zu suchen. Bisher bekam er nur Absagen und vermutet, dass es an seiner Hautfarbe liegt. Denn das Geld könne nicht unbedingt der Grund sein, bis zu 400 Euro warm könne er für ein Zimmer zahlen, wenn er Vollzeit arbeite, erzählt Yohannes. Arbeit zu bekommen sei weniger schwierig, sagen die jungen Männer. 70 Prozent der Bewohner der Containeranlage in der Iglinger Straße hätten eine Arbeit, erzählt Tsehaye.

Die Probleme in der Soccerhalle

Christiane Berg-Doiwa bezeichnet die Soccerhalle als „gute Übergangslösung“, doch die Problematik von Hallen, in denen die Privatbereiche nur durch Trennwände geschützt sind, wird nicht zum ersten Mal diskutiert. „Um gut arbeiten zu können, braucht es guten Schlaf“, fasst Tsehaye zusammen, was Tewelde, Tadese, Yohannes und Qeleab erzählen. Doch auch hier fanden die Zuständigen im Landratsamt schnell eine Alternative: 19 Männer, die arbeiten, sind bis Samstag in das ehemalige Tauschergebäude im Landsberger Gewerbegebiet umgezogen, 36 sind noch in der Soccerhalle.

Im Aufenthaltsraum in der Soccerhalle sitzt Nejib etwas entfernt mit Badeschlappen da. Vermutlich hat er keine anderen Schuhe aus dem Gebäude retten können, wie sich aus seinen wenigen deutschen Worten schließen lässt. Er wohnte im ersten Stock der Containeranlage und ist noch sichtlich mitgenommen. Er könne nicht schlafen und habe viele Bilder im Kopf, erzählt er. Christiane Berg-Doiwa verspricht, später nach ihm zu sehen. Zuerst muss sie sich noch um Tsehaye kümmern, der am nächsten Tag in eine Blindeneinrichtung nach Würzburg umzieht, was schon länger geplant war.

Möglicherweise werden auch neue Papiere benötigt

Wohnen ist im Container in der Iglinger Straße nicht mehr möglich, die ehemaligen Bewohner sollen jedoch in Begleitung noch einmal nach ihren Sachen sehen können. Erst wenn die Zimmer im Container durchgesehen sind, wird darüber entschieden, wann Ausweispapiere neu ausgestellt werden, heißt es aus dem Landratsamt.

Dieses Thema treibt auch Paul aus Nigeria um. Er ist noch im Asyl-Verfahren und fürchtet Komplikationen, wenn Dokumente fehlen, wie er in brüchigem Englisch erklärt. Er ist dem Team vom Landsberger Tagblatt auf den Parkplatz nachgekommen, um seinen Dank zu übermitteln an die Feuerwehr, das Landratsamt, Rote Kreuz und „allen, die am Dienstag geholfen haben“.

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