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St. Ottilien

22.04.2018

Was sich hinter den Klostermauern verbirgt

Die Garderobe der Mönche.
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Die Garderobe der Mönche.
Bild: Thorsten Jordan

Wie leben die Mönche in St. Ottilien? Die Besucher stehen Schlange, um das zu erfahren. Der Blick hinter sonst verschlossene Türen hält so manche Überraschung bereit.

Die Erzabtei St. Ottilien lockt generell täglich viele Besucher an. Beim Tag des offenen Klosters waren es allerdings noch ein paar mehr. Dieser Tag wurde deutschlandweit zum zweiten Mal durchgeführt. Allein in Bayern waren es 80 Klöster, die ihre Pforten weiter als sonst öffneten, die ihre Arbeit vorstellten und teilweise Zugänge ermöglichten, die normalerweise tabu sind. So wurden in St. Ottilien nicht nur Führungen durch das Klosterdorf angeboten, sondern auch durch den gesamten Klausurbereich.

Letzteres war der Renner, Bruder Odilo Rahm schätzt, dass bis zu 600 Gäste durchgeführt wurden. Nach eigenem Eindruck waren es wesentlich mehr Interessierte. Vier Patres führten jeweils gleichzeitig, am Treffpunkt Klosterpforte warteten ständig Menschenansammlungen auf den nächsten Einlass. Selbst Klosterangestellte waren darunter, denn auch sie haben, wie sie erzählten, an normalen Tagen keinen Einblick in das „Innere“ eines Klosters. Dieser Einblick lohnte sich. Hinter der stets verschlossenen Tür öffneten sich ungeahnte, kaum vorstellbare Welten. Die mächtigen Klostergebäude beeindrucken bereits von außen.

Innen aber wirken sie noch größer und Außenstehende können schnell die Übersicht und Orientierung verlieren. Nach einer Einführung, wie sich Ordensgründer Benedikt das Leben für die Mönche vorstellte, durften im äußeren Klausurbereich edel eingerichtete Besuchs- und Gesprächsräume besichtigt werden. Im inneren Klausurbereich, wo normalerweise nicht gesprochen wird, werden die verschiedenen Bauabschnitte deutlich. So wurde, nach dem der Platz im ehemaligen Schloss nicht mehr ausreichte, ein erster Bau im neugotischen Stil errichtet, mit Decken so hoch, dass sie mittlerweile abgehängt sind. Schnell folgte der nächste Anbau, jetzt im Jugendstil. Das jüngste Gebäude stammt aus den 1950er-Jahren. Der Weg führt zum ehemaligen Refektorium, das noch authentisch neugotisch ist und mittlerweile als Kapitelsaal dient. Das jetzige Refektorium (Speisesaal) ist riesig. An der Stirnseite des zum Süden ausgerichteten Saals ist der Platz des Erzabts und seiner Gäste. Die Mönchen nehmen, nach Alter geordnet, an langen Tischen Platz. Gesprochen wird nicht, außer der Erzabt gibt mittels Glocke die Erlaubnis zum Gespräch. Noch beeindruckender ist die Bibliothek. Rund 250000 auf mehrere Stockwerke verteilte Bücher sind hier untergebracht, darunter auch mehrere Jahrhunderte altes Antiquarisches. Es gibt Unterrichtsräume für Männer, die sich das Klosterleben vorstellen können und bis zur ewigen Profess mehrere Stufen durchlaufen. Musterzelle, Kapelle des Erzabts – die Eindrücke mehrten sich beim Gang durch die Flure, in denen einem ständig mannshohe Heiligenfiguren begegnen. Letzter intensiver Eindruck: die Sakristei. Wer die Sakristei einer Kirche kennt weiß, dass sie meist ein wenig eng ist. Nicht so hier: Es ist ein riesiger Raum mit vielen Schränken, in denen alles für die Gottesdienste Notwendige untergebracht ist.

Was sich hinter den Klostermauern verbirgt

Den Führungen durch das Klosterdorf mit Einblicken in Kirche und Kapelle, Nähmaschinen- und Missionsmuseum schlossen sich ebenfalls immer wieder Neugierige an. Die Sonderöffnungszeiten von Kloster- und Hofladen wurden für Einkäufe gut genutzt. Das Kinderprogramm im Missionsmuseum lockte nicht so arg viele Interessierte an, dort wurde nur von einer Führung berichtet. Dafür war im Garten des Exerzitienhauses um so mehr Betrieb. Bei herrlichem Frühlingswetter ließen sich viele Gäste Schmalzbrot und frisch gepressten Apfelsaft schmecken. Die Möglichkeit, mit anderen Besuchern sowie Klosterangehörigen und -mitarbeitern ins Gespräch zu kommen, wurde intensiv gepflegt. Letztendlich landete auch viel Volk im Biergarten des Emminger Hofs – wenn noch ein Platz ergattert werden konnte.

Einziger kleiner Wermutstropfen am Tag des offenen Klosters in St. Ottilien: Erzabt Wolfgang Öxler weilte nicht vor Ort, sondern in Südafrika bei einer Abtswahl. Er konnte die Gemeinschaft folglich nicht zum Vespergebet führen. Diesem Abschluss des Tages wohnten noch einmal viele Besucher bei, die Klosterkirche war gut gefüllt.

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