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Pähl

19.06.2019

Weiterer Unfall in der Pähler Schlucht bringt Wende

In seiner Not hat Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer (Mitte) die Medien eingeschaltet, weil das von ihm verhängte Betretungsverbot in die Pähler Schlucht immer wieder missachtet wird und die Regierung sogar an der Rechtmäßigkeit zweifelte. Jetzt soll die Schlucht wieder sicher werden.
Bild: Dieter Röttig

Seit einem Hochwasser im Jahr 2002 kommt es in der Pähler Schlucht immer wieder zu Verletzungen. Warum der Pähler Bürgermeister ein Betretungsverbot verhängte und die Regierung die Rechtmäßigkeit anzweifelte.

Die Gemeinde Pähl darf die Wege in der bei vielen Wanderern und Spaziergängern beliebten Pähler Schlucht wieder in einen „ordnungsgemäßen und naturangepassten Zustand“ versetzen. Ein glücklicherweise glimpflich verlaufender Unfall in der Pähler Schlucht (LT berichtete) sorgte für eine schnelle Einigung zwischen der Regierung von Oberbayern, dem Landratsamt Weilheim-Schongau und den Naturschutzbehörden: Ende gut, bald alles gut- Nachdem Bürgermeister Werner Grünbauer seinem Dauerärger über die Pähler Schlucht via Presse und Fernsehen Luft gemacht hatte, kam Bewegung in die verfahrene Angelegenheit.

Mehr zum Thema finden Sie hier: Bub wird bei Felssturz in Pähler Schlucht verletzt

Querliegende Bäume und Hangrutsche

Einzelne querliegende Bäume und kleinere Hangrutschungen werden beseitigt, ebenso wird der Übergang an zwei Stellen mit einem Holzübergang erleichtert. Aufgrund der erheblichen Gefährdung im Bereich des Wasserfalles wird dieser mit einer Balkenkonstruktion abgetrennt. Das wurde bei einer gemeinsamen Begehung mit Grünbauer, Regierungspräsidentin Maria Els und Landrätin Andrea Jochner-Weiß festgelegt. Denn genau hier am Wasserfall ist es zu einem Unfall gekommen, der gerade noch gut ausgegangen ist.

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Ein fünfjähriger Junge wurde verletzt

Über dem Wasserfall lösten sich zirka fünf Kubikmeter Felsen, Steine, Geröll und Erde und stürzten in die Tiefe. Getroffen wurde ein fünfjähriger Junge. Ausgerechnet im dem Moment, als eine Familie mit zwei Kindern hinter dem 16 Meter hohen Wasserfall Abkühlung suchte. Während die Eltern und der 14-jährige Sohn nur wenig abbekamen, erwischte es den Fünfjährigen heftig. Er steckte im Geröll fest und musste befreit werden. Mit Schürfwunden am Körper sowie an Beinen und Armen musste er ärztlich behandelt werden, auch um Schäden an der Wirbelsäule auszuschließen.

Die Familie aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen brachte den Vorfall bewusst an die Öffentlichkeit. Denn sie ist sich keiner Schuld bewusst, die Pähler Schlucht nicht betreten zu dürfen. Obwohl Bürgermeister Werner Grünbauer den Zugang zur Pähler Schlucht wegen Hochwasserschäden bereits am 2. April dieses Jahres gesperrt hatte, stiegen immer wieder Wanderer in die Schlucht und entfernten Absperrung und Verbotsschilder. Durfte Bürgermeister Werner Grünbauer den Weg durch die Pähler Schlucht wegen möglicher Gefahren sperren? Trotzdem ließ die Regierung von Oberbayern beim Landratsamt Weilheim-Schongau prüfen, ob das Betretungsverbot rechtens war. Das war zuviel für Bürgermeister Grünbauer.

Eine Anzeige gegen Unbekannt

Er erstattete Anzeige gegen Unbekannt und überlegte auch Maßnahmen gegen die Regierung von Oberbayern, die in den Medien die Zulässigkeit seiner Sperrung in Zweifel gezogen hatte. Sie sieht die Gemeinde Pähl nämlich nicht für die Verkehrssicherungspflicht verantwortlich, da es sich in der Pähler Schlucht nicht um einen öffentlichen Weg handelt. Jeder hafte selbst für sich bei aus der Natur ergebenden Gefahren. Die Gemeinde dürfe aber eine Sperrung veranlassen, wenn akut Gefahr für Leib und Leben bestehe.

Eine unendliche Geschichte im Fernsehen

Laut Werner Grünbauer kam es immer wieder zu Unfällen in der Pähler Schlucht. Schon öfters mussten Rettungshubschrauber mit teils waghalsigen Manövern Verletzte bergen. Nachdem 2002 ein Hochwasser den Weg durch die Pähler Schlucht teilweise weggespült hatte, wollte die Gemeinde die Wege bis zum Wasserfall sanieren. Das 2014 bei der Regierung von Oberbayern eingereichte Konzept stieß aber bis dato auf Ablehnung, da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Im vorderen Teil der Schlucht konnte man sich zwar einen Rundweg vorstellen, nicht aber im steilen hinteren Bereich. Wenn man diesen Weg gegen Steinschlag, Astbruch oder umstürzende Bäume sichern müsste, wäre das ein zu großer Eingriff in die Natur. Trotz der Gefahren im hinteren Teil hat sich hier im Laufe der Jahre ein Trampelpfad zum Wasserfall entwickelt. Dagegen hatte die Regierung von Oberbayern angeblich nichts und verwies auf das „Betretungsrecht der freien Natur.“ Wie gefährlich das ist, zeigte der aktuelle Unfall. In Grünbauers Wegekonzept stand im übrigen auch eine Absicherung des Wasserfalls, damit die Wanderer nicht mehr so leicht zu nahe hinkommen. Die darf jetzt endlich verwirklicht werden. Die Arbeiten werden zeitnah beginnen, wie Bürgermeister Grünbauer versicherte. Auf die unendliche Geschichte um die Pähler Schlucht und ihre Gefahren war auch das Bayerische Fernsehen aufmerksam geworden.

Ein Team der „Abendschau“ begleitete und filmte Bürgermeister Grünbauer, als er wieder einmal die Absperrung zurechtrückte und die weggeworfenen Zutrittsverbotsschilder einsammelte.

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