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Dießen/Schondorf

25.04.2018

Welche Leiche hätten Sie denn gerne?

Die „Ammersee Actors“ haben mit ihrer zweiten Inszenierung Premiere gefeiert. „Le Pavillon“ wurde in Schondorf aufgeführt.
Bild: Ammersee Actors

Die „Ammersee Actors“ feiern mit „Le Pavillon“ eine gelungene Premiere. Es wird ziemlich schnell ziemlich skurril.

Es ist vollbracht – und wie! Nachdem bereits seit Beginn des Jahres jeden Dienstag ab 18 Uhr ein munteres Treiben im Nebenzimmer des Dießener Restaurants „Trattoria Al Lago“ stattfand, in dem eifrig geprobt wurde, fuhr die Laien-Gruppe „Ammersee Actors“ die Ernte all der Kreativ-Schufterei der vergangenen Monate ein. Die die Krimi-Burleske „Le Pavillon“ von Autor Alec Coppel feierte Premiere im Gasthof Drexl in Schondorf.

Chris Filser – beruflich in der IT-Branche mit eigenem Geschäft tätig und weit über Dießens Grenzen hinaus als „Computer-Chris“ ein Begriff – ist zum zweiten Mal seiner großen Leidenschaft als Regisseur und Hauptdarsteller eines Theaterstücks nachgekommen. Nach dem rasanten Erfolg der Inszenierung der Hanns-Christian Müller/Gerhard Polt-Vorlage „Tschurangrati“ im vergangenen Jahr (fünf ausverkaufte Vorstellungen) hat der 50-jährige sich jetzt eine weitere skurrile Komödie zur Bearbeitung vorgenommen.

Es geht mit einem Pistolenschuss los

Die „Ammersee Actors“, die Filser vor gut einem Jahr ins Leben rief und die aus talentierten Laienschauspielern besteht, drehen auf. Wie schon bei „Tschurangrati“ sind als Hauptdarsteller Stephanie Scherer, Michael Sibert und Claudia Stender an Bord. Doch auch kauzige Akteure mit Mini-Rollen, wie Ernesto Hofmann oder Gerhard Kasper, haben es in sich. Sie verleihen dieser Burleske die entscheidende Handvoll Leben und deftige Prallheit.

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Alles beginnt mit den markigen Mundharmonika-Klängen des Filmsoundtrack-Klassikers „Spiel mir das Lied vom Tod“ aus der Feder von Ennio Morricone. „Computer-Chris“ alias Eduard Richard ist im Profil zu sehen, mit Pistole in der Hand, und erschießt den befreundeten Anwalt (Werner Dollansky). Freilich nur mit Platzpatronen. Es ist der Probedurchlauf für das neueste Drehbuch des französischen Dramaturgen, der gerade sein erstes Kriminalstück verfasst hat und nicht recht glücklich mit dessen Handlungsverlauf ist.

Es wird schnell skurril

Doch Eduard Richard hat nicht nur eine Schreibblockade, sondern unter kriminalistischem Aspekt ein viel größeres, handfestes Problem. Denn er ist pleite, was niemand wissen darf – schon gar nicht seine maliziöse Frau (Stephanie Scherer). Um den finanziellen Ruin abzuwenden, will der Mann mit dem französisch geprägten Deutsch sein Landhaus am Ammersee verkaufen. Die ahnungslose Gattin lässt ihm zum Geburtstag ebendort parallel einen Pavillon errichten. Und dann gibt es da noch diesen Erpresser, den Eduard in eine Falle lockt und erschießt. Dessen Leiche betoniert er in das Fundament des Pavillons ein. Doch kurz darauf wird der tote Erpresser in seiner Schwabinger Wohnung aufgefunden. Was zur Folge hat, dass Kripo-Kommissar Kessel (Michael Sibert) bei Eduard auftaucht, denn der Autor stand ganz oben auf der Liste des toten Erpressers.

Klingt verwirrend? Ist es definitiv! Und das zweistündige Geschehen wird sogar noch aberwitziger. Doch das Publikum hat einen Heidenspaß daran, sofern es nicht unbedingt einen komplett logisch-stringenten Handlungsverlauf erwartet.

Ein kürzlich verstorbener Mitspieler ist dennoch irgendwie dabei

Das Publikum bei der ausverkauften Premiere jedenfalls hat immense Freude an der Situationskomik und dem immer skurrileren Treiben auf der Bühne. Gerade in der zweiten Hälfte nach der Pause wird gelacht und verzückt gejohlt, was viel am brillanten Spiel von Filser liegt, der einem mehr und mehr wie die Dießener Version von Frankreichs Meister-Komiker Louis De Funès vorkommt, mit all dessen zappelig-nervösem Charme. Nun gut, gelegentlich läuft die Handlung arg aus dem Ruder und verliert sich zuweilen im Labyrinth der Absurdität.

Der heimliche Held ist übrigens der Statist, der physisch nicht anwesend, aber dennoch stetig präsent ist: der kürzlich verstorbene Clemens Schmid, der bei den ersten Proben noch an Bord war, thronte als überdimensionales Porträt über dem Geschehen. Er hätte den Vater von Eduard Richard in einer Mini-Rolle mimen sollen. Posthum integriert Filser das Dießener Unikat ins Geschehen.

Und nach gelungener Vorstellung ehrt die Crew den toten Freund mit den rührenden Worten, dass „Clemens jetzt bestimmt auf seiner Wolke sitzt und lächelnd auf uns herunter schaut“. Stehende Ovationen – zum einen für ein definitiv gelungenes Stück Theater. Aber garantiert auch für Clemens Schmid.

Hier geht‘s zu den weiteren Spielterminen.

 
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