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Rathaus

20.02.2018

Wenn Begeisterung fühlbar wird

Herzog-Ernst-Saal: Trio Jean Paul, Eckart Heiligers (Klavier), Ulf Schneider (Violine) und Martin Löhr (Cello).
Bild: Thorsten Jordan

Das Trio Jean Paul überzeugt mit einer stillschweigenden Übereinkunft und romantischen Tönen

Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind Eckart Heiligers (Klavier), Ulf Schneider (Violine) und Martin Löhr (Violoncello) als Trio Jean Paul unterwegs. Diese lange Zusammenarbeit macht sich bei Auftritten in blindem, übereinstimmendem Verständnis bei der Ausgestaltung und Interpretation der zur Aufführung kommenden Werke bemerkbar und überzeugt die Zuhörer in den Konzertsälen der Welt.

In Landsberg, wo das Trio in der Reihe Rathauskonzerte musizierte, war das nicht anders – Begeisterung war schnell geweckt und fühlbar. Beeindruckend war vor allem die Leichtigkeit, mit der die drei Musiker agierten. Da wirkte das e-Moll Trio von Joseph Haydn zu Beginn wie ein Warm-up für die Instrumente und ein Opener für die Ohren der Zuhörer. Dabei hat der Vertreter der Wiener Klassik, obwohl unter Zeitdruck stehend, in dieses Trio viel hineingepackt. Er experimentierte, gab dem Klavier eine besondere Stellung, beließ es nicht beim e-Moll, sondern ging für die Sätze zwei und drei in E-Dur über. Das Trio Jean Paul musizierte sehr dynamisch und akzentuierte teilweise sehr dramatisch, mit Kunstpausen und genüsslich ausgekosteten Riterdandi.

Die folgende Komposition von Arnold Schönberg darf noch gut in der Romantik angesiedelt werden. „Verklärte Nacht“ nach einem Gedicht von Richard Dehmel ist ein Frühwerk des späteren Zwölftöners, entstanden noch während einer Zeit, als er in Komposition unterrichtet wurde. Das ursprünglich für Streichsextett beziehungsweise Streichorchester entstandene Stück hat Schönbergs Schüler Eduard Steuermann für Klaviertrio umgeschrieben. Das Trio Jean Paul präsentierte diese Komposition begeisternd, der Gedichtinhalt – eine Frau beichtet ihrem Liebhaber einen Nebenbuhler mit Folgen – konnte anhand der Musik mühelos nachvollzogen werden. Wunderbar romantisierend nach dunkel-düsterem, sehr langsamem Beginn, war das Ende mit sanft-hohen, ja lieblichen Akkorden gestaltet.

Das Streichsextett in G-Dur von Johannes Brahms, ebenfalls für Klaviertrio adaptiert von Theodor Kirchner, darf getrost als anspruchsvolles Hauptwerk des Abends bezeichnet werden. Bei diesem Stück fiel besonders auf, welch ein wunderbares Ensemble sich da präsentierte. Egal wer gerade in der Melodieführung war, es gab nie ein Vordrängen, stets war alles einem harmonischen Gesamtklang untergeordnet. Das zeigte sich vor allem im zweiten Satz, einem Scherzo, in dem Melodiefragmente einzelner Takte wie bei einem Ballspiel zwischen den Instrumenten hin- und herwandern, wo sie auf- und auch wieder absteigen. Begeisterung allenthalben im zu Dreiviertel besetzten Festsaal des Rathauses.

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