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Landsberg

10.11.2018

Wenn Kommissar Glück einem Polizisten hilft

Nach 13 Jahren als Leiter der Polizeiinspektion Landsberg geht Polizeioberrat Alfred Geyer demnächst in den Ruhestand.
Bild: Thorsten Jordan

Alfred Geyer hatte in seiner Polizeilaufbahn eine besonders knifflige Situation zu überstehen. Demnächst geht er in den Ruhestand und blickt auf seine Beamtenkarriere zurück.

Es war ein kalter Wintertag irgendwann Anfang der 80er-Jahre. Alfred Geyer jagt einen Sexualstraftäter. Als der junge Polizist den Mann stellt, hat dieser die ganze Zeit die Hände in den Jackentaschen. Später stellt sich heraus: Der Täter hatte eine geladene Pistole in der Tasche und die ganze Zeit einen Finger am Abzug, drückte aber nicht ab. „Solche glücklichen Umstände braucht man manchmal. Ansonsten würde ich heute wohl nicht hier sitzen“, sagt Alfred Geyer. Heute ist er 62 Jahre alt und blickt auf 46 Jahre Dienst bei der Polizei zurück. Demnächst wird der amtierende Leiter der Polizeiinspektion Landsberg in den Ruhestand verabschiedet.

„Wer an der Arbeit Freude hat, der hat viele schöne Tage im Leben.“ Dieser und andere Sprüche sind an der Wand mit dem Dienstplan in Alfred Geyers Büro zu lesen. An der anderen Wand hängen kunstvolle Aquarellzeichnungen, die unter anderem bekannte Landsberger Motive zeigen. Sie stammen aus Geyers Hand. „Die Malerei hat in letzter Zeit aber etwas gelitten“, sagt der ehemalige Kampfsportler schmunzelnd. Bald werde er sich der künstlerischen Ader wieder mehr widmen können. Denn als Polizeichef müsse er rund um die Uhr erreichbar sein. „Ich war auch oft an den Wochenenden hier und nachts.“ Besondere Lagen erfordern die Anwesenheit des Chefs – auch außerhalb üblicher Dienstzeiten.

Direkt nach der Ausbildung verließ er seine Heimat

Schon früh war für den gebürtigen Oberfranken klar, zur Polizei zu gehen. „Das hat mich schon immer interessiert, weil es ein abwechslungsreicher Beruf ist. Und das hat sich bestätigt. Man weiß nie, was der Tag bringt“, sagt Alfred Geyer. Nach dem Schulabschluss machte er seine normale Polizeiausbildung in Nürnberg. Die Versetzung war aber nahezu vorprogrammiert. „In Franken gab es damals zu wenige Dienstposten. Und weil ich nicht nach München wollte, habe ich mich gleich nach Wolfratshausen beworben.“ Mit gerade einmal 19 Jahren war es ein ziemlicher Einschnitt für den jungen Polizisten. Durch Zufall lernte er vor Ort eine nette Familie kennen, die ihn unter die Fittiche nahm. Bis heute hält er Kontakt.

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Nach Landsberg wollte er anfangs nicht unbedingt

„Ich bin froh, dass ich mich damals reingehängt habe. Eine gute Prüfung wirkt sich im Beamtentum aus und zieht sich durch die ganze Laufbahn“, ist Geyer überzeugt. Er wechselte nach Fürstenfeldbruck zur Kriminalpolizei. Sein Aufgabengebiet: Eigentumsdelikte und Betrug, später Spurensicherung und Fahndung. „Belastend war damals der Bereitschaftsdienst, wenn so Fälle kommen, wie zum Beispiel plötzlicher Kindstod. Das sind Bilder, die einen ein Leben lang verfolgen“, sagt er nachdenklich. Er ist Vater von zwei erwachsenen Söhnen aus erster Ehe. Später wechselte Geyer in den Bereich Wirtschaftsdelikte. Er stieg schnell zum Kommissariatsleiter auf. „Das war sehr spannend, vor allem die enge Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft. Ich war auch oft im Ausland.“

Nach der Prüfung für den gehobenen Dienst rückte Alfred Geyer in den Stab der damaligen Polizeidirektion Fürstenfeldbruck auf. Zur Direktion gehörte damals auch der Landkreis Landsberg, mit dem Geyer dienstlich immer mal wieder zu tun hatte. Anfangs war er gar nicht so glücklich, als er nach seiner Bewährungszeit als zwischenzeitlicher Leiter der Polizeiinspektion Gröbenzell im Frühjahr 2005 die Dienststelle in Landsberg übernehmen sollte.

Landsberg ist sein neues Zuhause geworden

Aber es wurde doch Liebe auf den zweiten Blick. „Die Menschen hier im Landkreis sind offen, ehrlich und bodenständig. Man spricht auf Augenhöhe. Und wenn was anliegt, dann spricht man miteinander. Die Polizei wird hier ernstgenommen“, sagt Geyer, der im Interview aber auch von seinen Mitarbeitern auf der Landsberger Dienststelle schwärmt.

Ein Umzug aus dem Landkreis Dachau nach Landsberg war 2009 die Konsequenz. „Wir fühlen uns hier pudelwohl“, sagt der Polizeioberrat, der auch nach der Versetzung in den Ruhestand mit seiner Frau in Landsberg bleiben will, weil er hier eine neue Heimat gefunden hat. Und vor allem die Nähe zu den Bergen ist für Alfred Geyer ausschlaggebend. „Als ich nach Landsberg gekommen bin, habe ich die Berge für mich entdeckt. Da kann ich schnell abschalten.“

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