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Landsberg

05.02.2020

Wenn beim Stadtbus Sicherheit und Pünktlichkeit kollidieren

Horst Argesheimer ist Betriebsleiter bei der Waibel Bus GmbH in Landsberg. Er bezieht nach den Vorwürfen und nach einem Unfall am vergangenen Donnerstag nun Stellung.
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Horst Argesheimer ist Betriebsleiter bei der Waibel Bus GmbH in Landsberg. Er bezieht nach den Vorwürfen und nach einem Unfall am vergangenen Donnerstag nun Stellung.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Einige Fahrgäste fühlen sich in den Landsberger Stadtbussen unsicher. Sie berichten von Stürzen und Unfällen. Der Betriebsleiter der Firma Waibel Bus GmbH bezieht Stellung zu den Vorwürfen.

Wie sicher ist es, in Landsberg mit dem Stadtbus zu fahren? Vor einer Woche wurden drei Frauen in einem Bus verletzt, als ein Fahrer eine rote Ampel zu spät bemerkte und scharf abbremsen musste. Unterdessen berichteten weitere Fahrgäste von Zwischenfällen. Jetzt nimmt Horst Argesheimer, der Betriebsleiter der Firma Waibel Bus, die den Stadtbus im Auftrag des Landkreises betreibt, Stellung zu den erhobenen Vorwürfen.

Immer wieder geht es dabei um die Fahrweise der Busfahrer. Sie würden zu schnell und rücksichtslos fahren, es werde scharf gebremst, wodurch Fahrgäste durch den Bus geschleudert und verletzt werden, so lauten die wesentlichen Kritikpunkte. Angela Ehrenböck erzählt, dass ihr das schon zweimal passiert sei: Als sie am alten Friedhof aussteigen wollte, habe der Fahrer eine Vollbremsung gemacht, sie sei umgeknickt und habe sich einen knöchernen Bänderriss zugezogen. Ein weiteres Mal sei sie am Schongauer Dreieck aus dem Sitz geschleudert worden. Im ersten Fall übernahm die Behandlungskosten die Berufsgenossenschaft, weil die Sache als Unfall auf dem Weg zum Arbeitsplatz gewertet wurde. Wer im zweiten Fall aufkommt, sei noch offen.

Die Schuldfrage ist nicht immer so einfach zu klären

Wer trägt die Schuld an solchen Unfällen? Diese Frage lässt sich nicht immer einfach klären. Im September stürzte in der Breslauer Straße beim Aussteigen aus dem Stadtbus eine 85-jährige Frau. Sie verbrachte anschließend zwei Wochen im Krankenhaus. Die Frau selber sagt laut den Angaben ihrer Rechtsanwältin Sarina Brix, sie sei gestürzt, als sich die Tür des Busses bereits wieder schloss, als sie gerade aussteigen wollte. Das Busunternehmen behaupte jedoch, so etwas könne rein technisch gar nicht passieren, es stehe Aussage gegen Aussage. Das Strafverfahren gegen den Busfahrer sei eingestellt worden.

Wenn beim Stadtbus Sicherheit und Pünktlichkeit kollidieren

Ein Strafverfahren steht auch nach dem Unfall am Donnerstag mit drei Verletzten im Raum. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung. Waibel-Betriebsleiter Horst Argesheimer dazu: Selbst wenn gegen den 63-jährigen Fahrer keine Anklage erhoben wird, könnte eine Geldauflage über mehrere Hundert Euro auf den Mann zukommen. Und allein aufgrund solcher Konsequenzen, erklärt Argesheimer, werde kein Fahrer mit böser Absicht Fahrgäste gefährden: „Da will jeder seine Arbeit richtig machen“, betont er.

25 Haltestellen in 28 Minuten

Zum richtigen Arbeiten gehöre aber auch, pünktlich zu sein. Der Fahrplan ist eng getaktet. Auf der Linie 2 müssen 25 Haltestellen in 28 Minuten abgefahren werden, mit vier Minuten Puffer wechselt der Bus dann in die Linie 1 mit 18 Haltestellen, die in 22 Minuten bedient werden sollen, bevor nach weiteren sechs Minuten wieder auf die Linie 2 gewechselt wird. Die Zeit werde nicht nur knapp, wenn es beim Einsteigen und Bezahlen länger dauere, sondern auch, wenn sich morgens, mittags und abends der Verkehr staue und neue Tempo-30-Abschnitte wie in der Münchener Straße die Fahrtzeiten verlängern. Durch schnelleres Fahren versuchten die Fahrer, wieder Zeit aufzuholen, erklärt Argesheimer. Deswegen seien auch schon Verwarnungsgelder fällig geworden. Die Höchstgeschwindigkeit sei in allen Fällen nur um fünf oder sechs Stundenkilometer überschritten worden. Die enge Fahrplantaktung habe er bereits gegenüber dem Landratsamt angesprochen. Konkrete Ergebnisse gibt es dazu noch nicht, aber, so formuliert es Argesheimer: „Wir sind in der Lösungsfindung.“

Nach einem Unfall mit drei Verletzten steht die Firma Waibel Bus in der Kritik. Sie betreibt im Auftrag des Landkreises den Stadtbus in Landsberg.
Bild: Julian Leitenstorfer

Ein anderes Problem: Wann fährt der Bus los? „Es gibt eine klare Anweisung von mir, abzuwarten, bis alle Fahrgäste sitzen oder sich einen sicheren Halt verschafft haben“, so Horst Argesheimer. Andererseits müsse der Fahrplan eingehalten werden. Deshalb könne es auch sein, dass die Busse nicht immer an den Haltestellen abgesenkt werden, um das Einsteigen zu erleichtern. Der Waibel-Betriebsleiter appelliert auch an die Fahrgäste, sich richtig zu verhalten: Sie sollten sich so schnell wie möglich hinsetzen und nicht von vorne bis hinten durchgehen. Die normalen Sitze seien sicherer als die Klappsitze: Genau auf einem solchen sei am Donnerstag die Frau gesessen, die aus dem Sitz geschleudert wurde und sich einen Knochenbruch zuzog. Jedoch: Genau diese Klappsitze seien bei Senioren beliebt, weil sie daneben ihren Rollator gut abstellen können.

Der Seniorenbeirat will sich um das Thema kümmern

Der Kritik am Stadtbus und an dessen Fahrern begegnet Argesheimer aber auch mit einer positiven Nachricht aus dem MVV-Gebiet. Dort sei kürzlich ein Fahrer der Firma Waibel als „Busfahrer des Jahres“ ausgezeichnet worden, weil er stets sicher fahre und besonders freundlich und hilfsbereit sei. Kommt es im Stadtbusverkehr zu Mängeln, drohen dem ausführenden Busunternehmen auch Strafzahlungen. 42 mögliche Tatbestände listet der Vertrag zwischen Landkreis und Waibel auf: Die Firma musste auch bereits einmal zahlen, berichtet Argesheimer: 600 Euro für sechs außen nicht saubere Busse.

Die Situation in den Stadtbussen mit jährlich rund 400.000 Fahrgästen will sich in den nächsten Wochen auch der Seniorenbeirat verstärkt anschauen, kündigt Beiratsmitglied Michaela Geiger an: Es gehe darum, bei Testfahrten herauszufinden, was an den Vorwürfen dran ist. Etwa, dass die Busse schon abfahren, bevor die Leute sitzen, sagt sie. Und man wolle das Busunternehmen und die Fahrgäste miteinander ins Gespräch bringen. Auch Geiger sieht einen Zielkonflikt zwischen Sicherheit und Pünktlichkeit.

Lesen Sie auch unseren Kommentar zur Situation beim Stadtbus: Landsberger Stadtbus: Da wäre viel zu tun

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