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Landsberg

10.08.2019

Wenn das Essen zum Problem wird

Klaus Schonath berät seit Kurzem in Landsberg Menschen, die unter Essstörungen leiden.
Bild: Julian Leitenstorfer

Jetzt gibt es Rat und Hilfe bei einer neuen Stelle in Landsberg. Wie der Sozialpädagoge Klaus Schonath Menschen mit Essstörungen helfen will.

 „Die Menschen mit Essstörungen sind überall“, sagt Klaus Schonath. Magersucht sei sogar die tödlichste Krankheit unter den psychischen Erkrankungen. Der Sozialpädagoge leitet die Beratungsstelle des Therapienetzes Essstörung in Landsberg, die vor Kurzem eröffnet wurde. Der Standpunkt ist eine von zwölf Beratungsstellen des bayernweiten Therapienetzes.

Mit der Neueröffnung soll nun auch Betroffene aus der Region ein schnellerer Zugang zu einer auf Essstörungen spezialisierten Einrichtung ermöglicht werden. „Die Nachfrage ist groß“, sagt Klaus Schonath. Er habe bereits einen gefüllten Terminkalender.

Die verschiedenen Formen einer Essstörung

Essstörungen seien Krankheiten, die meistens nicht alleine, sondern zusammen mit anderen psychischen Krankheiten auftreten. Die drei häufigsten Formen der Essstörung seien die Magersucht (Anorexie), die Ess-Brech-Sucht (Bulimie) und die Binge-Eating-Störung, bei der die Betroffenen unter Essattacken leiden.

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Eine Reaktion auf psychische Belastungen

Essstörungen haben unterschiedliche Ursachen: Neben einer möglichen genetischen Vorbelastung, könne vor allem auch der Einfluss der familiären und sozialen Umgebung Auslöser der Krankheiten sein. Schonath verweist darauf, dass die Werbung unrealistische Körperideale vermittelt. Dies wirke sich besonders auf Jugendliche in der Pubertät negativ aus. Auch der Leistungs- und Ehrgeizgedanke unserer Gesellschaft könne sich auf die Essgewohnheiten eines Menschen übertragen. Das Essen würde schließlich zu einem Instrument, um Kontrolle auszuüben. Grundsätzlich seien Essstörungen also „körperliche Reaktionen auf psychische Belastungen“.

Viele Frauen nehmen eine Beratung in Anspruch

Im Laufe der letzten Jahre sei die Anzahl der Menschen, die wegen einer Essstörung Hilfe suchten, gestiegen. Es gebe insgesamt eine Zunahme der Essstörungen, jedoch sei auch die Sensibilität gegenüber den Krankheiten, und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Betroffener Hilfe holt, gestiegen. Etwa 90 Prozent der Menschen, die wegen einer Essstörung behandelt werden, sind laut Schonath Frauen.

Einen großen Teil der Ratsuchenden würden Jugendliche in der Pubertät ausmachen, beziehungsweise deren Eltern, die als Angehörige mitbetroffen sind. In diesem Alter würden die Essstörungen oftmals zum ersten Mal auftreten. Auch viele 20-Jährige und 30- bis 40-Jährige seien auf der Suche nach Hilfe für ihre Essstörungen.

Die Chancen auf Heilung sind groß

„Ich bin oftmals der erste Mensch, dem die Betroffenen von ihren Problemen erzählen“, erklärt Klaus Schonath. Für ihn sei es wichtig, in den Ratsuchenden nicht nur einen Behandlungsfall, sondern auch den Menschen dahinter zu sehen.

Nach einer langen Tätigkeit in der Suchthilfe hat sich der 51-Jährige entschieden, im Bereich der Essstörungen zu arbeiten. Dort seien die Chancen, einen Menschen zu heilen, sehr gut. „Da kann man was bewegen“, erzählt er. Seit 2013 ist er hauptberuflich im Therapienetz Essstörung beschäftigt.

Wenn ein Betroffener zu ihm komme, werde in einem Grundkontingent von bis zu fünf Sitzungen über den weiteren Behandlungsweg entschieden. Dabei sei Klaus Schonath mehr als nur ein Vermittler: Finanziert über die Krankenkassen, begleite er die Bedürftigen bis zu drei Jahre lang als Fall-Manager und Ansprechpartner.

Das Therapienetz verweist Betroffener auch zu anderen Einrichtungen. Dazu steht ein großes Netzwerk ambulanter, psychotherapeutischer Betreuungsmöglichkeiten, therapeutischer Wohngruppen und psychosomatischer Fachkliniken zur Verfügung. Darunter sei auch die durch die Medien bekannte Schön Klinik Roseneck und auch Psychosomatische Klinik Windach. Über die Beratungsstelle sei es möglich, die sehr langen Wartezeiten auf einen Klinikplatz von sechs bis acht Monaten auf drei Wochen zu verkürzen.

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