1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Wenn der Altar zum Gemüseregal wird

Landkreis Landsberg

30.09.2017

Wenn der Altar zum Gemüseregal wird

Mesner Peter Kratzer von der Stadtpfarrkirche Zu den Heiligen Engeln bereitet den Erntedankaltar für Sonntag vor. 
Bild: Thorsten Jordan

In viele Kirchengemeinden im Landkreis feiern die Gläubigen an diesem Sonntag wieder das Erntedankfest. Dabei ist es eigentlich gar kein offizielles Kirchenfest.

Peter Kratzer hat an alles gedacht. Im mit Stroh gefüllten Handwagen platziert er unter anderem Zucchini, einen großen Kürbis, Lauchstangen und Rüben, in dem davor liegenden historischen Holzrad finden sich Gelbe Rüben, Kartoffel und Äpfel. Das alles steht vor dem Altar in der Stadtpfarrkirche Zu den Heiligen Engeln, eingerahmt von Getreideähren. Peter Kratzer ist der Mesner und gestern bereitete er die Kirche rein optisch auf das bevorstehende Erntedankfest vor.

Am ersten Sonntag im Oktober ist Erntedank. Das Landsberger Tagblatt fragte nach ob und warum Erntedank im Landkreis eine große Bedeutung hat und wie genau das Fest begangen wird. „Unseren Gläubigen ist der Erntedankgottesdienst sehr wichtig, da kommt es dann schon mal zu Beschwerden, wenn der im Pfarrbrief nicht extra erwähnt wird“, sagt Sonja Weis von der Pfarreiengemeinschaft Geltendorf. Dazu gehöre natürlich auch der mit Feldfrüchten geschmückte Altar. In Schwabhausen übernimmt die Dekoration zum Beispiel der Gartenbauverein.

Dass Erntedank am ersten Oktobersonntag gefeiert wird, war nicht immer so, wie in dem Buch „Landkreis Landsberg am Lech – Bräuche und Feste im Jahr und im Leben“ nachzulesen ist. Das Fest wie wir es heute kennen, gibt es eigentlich erst seit 1960, schreibt Karl Arzberger, der das Heimatmuseum in Prittriching leitet. Damals legten die katholischen Bischöfe in Deutschland fest, dass Erntedank immer am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird. Es gab zwar schon ab Ende des 19. Jahrhunderts bei den Katholiken und bereits seit dem 16. Jahrhundert bei den Protestanten Erntedankfeste, diese waren aber nicht an einen vorgegebenen Tag gebunden. Die Ernte wurde in unterschiedlichen Regionen zu verschiedenen Zeiten eingebracht, daran wurden die Feste angepasst.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Früher wurde das Schnitthahnfest gefeiert

Bevor in der Region Landsberg Erntedankfeste bekannt waren, wurde zum Abschluss der Getreidesaison das Schnitthahnfest gefeiert. Der Dorfverein Alt-Kaufering feierte dieses Fest in abgewandelter Form bis ins Jahr 2016. „Das haben wir zur Gaudi angefangen und über die Jahre ist es dann auch immer größer geworden. Der Stadel, in dem wir das Fest veranstaltet haben, wurde aber abgerissen und heuer war es dann zum ersten mal nicht mehr,“ sagt Alois Weber, Vorsitzender des Dorfvereins. Das Schnitthahnfest wurde einst auf den einzelnen Höfen gefeiert, berichtet Karl von Leoprechting in seinem Buch über Bauernbräuche und Volksglaube in Oberbayern um 1855. Die Bediensteten, die von der anstrengenden Erntezeit geschafft waren, wollten zum Ausgleich auch mal feiern. War der Schnitt gut, ging es bis spät in die Nacht hoch her. Es gab reichlich zu Essen und vor allem auch zu Trinken. „Es wird gesungen und getanzt. Von den heimgehenden Burschen wird dann fast viel Mutwillen verübt und des Schnitthahns muss mancher Bauer noch lange und nicht gerade mit Freude gedenken“, schreibt Leo-prechting.

Zwar ist Erntedank gar kein offizielles Kirchenfest, aber: „Die Segnung der Erntegaben am Ende des Garten- und Feldjahres ist vielen Leuten in Kinsau sehr wichtig“, sagt der Kinsauer Mesner Florian Hager. Vor allem bei den Kindern scheint das Fest beliebt zu sein. „Wenn man mit Kindern über Kirchenfeste redet, dann wird Erntedank oft erwähnt,“ sagt Pfarrer Helmut Friedl aus Kaufering. Richard Ferg von der Pfarreiengemeinschaft Utting/Schondorf berichtet: „Die Kinder erkennen vor allem die Arbeit der Bauern an, die uns mit Essen versorgen und wollen darüber ihren Dank ausdrücken.“ Erntedank sei heute vor allem ein Familienfest. Es gehe darum, Gott für die Nahrung und das Zusammenleben in Familie und Gemeinde zu danken, sagt der Gemeindereferent.

Und so wird der Nachwuchs auch gerne in die Gottesdienste miteinbezogen. Beim Erntedankgottesdienst in Mariä Himmelfahrt in Landsberg machen laut Stadtpfarrer Michael Zeitler die Kinder der Kindergärten Heilig Kreuz und St. Christopherus dieses Jahr wieder mit. Die Mädchen und Buben führen zum Beispiel einen Erntetanz auf und tragen Dankesrufe für die Erntegaben vor.

Kartoffelbauern melden heuer Rekordzahlen

Und wie steht es eigentlich um die Ernte in diesem Jahr? Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik ist die Erntesituation bei den einzelnen Fruchtarten sehr unterschiedlich. Während die Obsternte wetterbedingt weit unter dem langjährigen Durchschnitt liegt, wurde beim Getreide nach den vorläufigen Ergebnissen eine durchschnittliche Ernte eingefahren. Rekordzahlen vermelden die Kartoffelbauern. Denn nach ersten Schätzungen haben Bayerns Landwirte heuer rund 1,8 Millionen Tonnen Kartoffeln gerodet. Dies liegt um 2,7 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Jeder Einwohner des Freistaats könne folglich mit rund 139 Kilogramm heimischen Kartoffeln versorgt werden.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20jor021.tif
Weihnachten

Die Stadt sucht Christbäume

ad__starterpaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket