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Technik

26.06.2020

Wenn der Lkw die Wärme bringt

Präsentation des neuen Wärmetransporters mit (von links): Tobias Schmid (Lena-Geschäftsführer), Henryk Bednarek (Leiter Entwicklung) und Dr. Georg Schneider (swilar Geschäftsführer).
Bild: Thorsten Jordan

Die Lena Service GmbH und die swilar eetec GmbH stellen einen neu entwickelten Wärmecontainer vor. Was daran besonders ist und wie es mit dem Wärmetransport weitergeht

Technische Innovation in Landsberg: Die Lena Service GmbH und ihre Partnerin, die swilar eetec GmbH, haben ihren neuen Wärmetransportcontainer präsentiert. „Wir helfen, Wärme einen Wert zu geben“, sagte Lena-Service-Geschäftführer Tobias Schmid.

Was Wärmetransport ist, können Landkreisbürger schon seit April 2019 beobachten: Von einer Biogasanlage in Weil fahren Sattelanhänger mit Containern Wärme zum Lechtalbad nach Kaufering. Mit der Wärme werden Hallenbad und Sauna beheizt. Organisiert wird das von der Lena Service GmbH, die Container sind angekauft. Jetzt stellt die Tochter der Landsberger Energieagentur (Lena) ihr eigenes Produkt, den „LENA 2.6-Wärmecontainer“ her. Für die technische Entwicklung ist Henryk Bednarek verantwortlich.

Noch ohne Beschriftung steht der Wärmetank in der Halle des Industrial Maker Spaces, die für die Präsentation genutzt wird – und unterscheidet sich in der Optik nicht viel von einem Fahrzeug zur Milchabholung. Auf das Innere kommt es freilich an und im großen weißen Tank steckt ein sogenannter Rohrbündelwärmetauscher mit einer spezifischen Wärmeführung, wie Tobias Schmid und Henryk Bednarek über technische und physikalische Details informieren. Laut Bednarek handelt es sich um eine Weiterentwicklung gängiger Systeme.

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Für den Laien dürfte genügen, dass der Wärmeträger ein Salz ist. Heißes Wasser durchströmt den Container und gibt Wärme an das Trägermedium ab und nach sechs bis acht Stunden wird er zum Abnehmer – oder wie es in der Branchensprache heißt: zur Wärmesenke – gefahren. Dort wird angeschlossen und kaltes Anlagenwasser am Wärmetauscher erwärmt. Der Container werde in Bayern gefertigt, isoliert und in Augsburg mit dem Salz befüllt, erläutert Henryk Bednarek dem LT.

„Wärme neu denken“, unter diese Überschrift stellte Tobias Schmid seine Präsentation, zu der auch einige Lokalpolitiker und CSU-Bundestagsabgeordneter Michael Kießling – er ist Mitglied im Umweltausschuss – am Donnerstag gekommen sind. Pro Beladung kann der Lena-Container 2,5 Megawattstunden Abwärme aufnehmen, 1,5 Anlieferungen pro Tag sind im Augenblick möglich. Zum Vergleich: Eine Wärmelieferung entspricht 250 Litern Heizöl. Der Ölverbrauch eines Wohnhauses liegt im Schnitt bei 15 Litern pro Quadratmeter. Wie effizient das System arbeiten kann, hängt immer auch von den technischen Voraussetzungen beim Abnehmer ab. Wie berichtet, gibt es beim Lechtalbad noch Verbesserungsbedarf: Die Dimension des dort bei Spitzenlasten eingesetzten Gaskessels und die Wärmetransporttechnik sind nicht optimal aufeinander abgestimmt. Einfacher ist es laut Schmid bei neuen Projekten, wie beim Bau eines Hallenbades in der Schweiz, das per Lena-Containern mit Wärme versorgt wird.

Sinn mache eine Lieferung bis zu einem Umkreis von 15 Kilometern. Die Kosten für den Container liegen laut Dr. Georg Schneider von swilar eetec bei 150000 Euro ohne Mehrwertsteuer. Die Lena Service GmbH hat sich die swilar eetec GmbH als Partner im Bereich Entwicklung und Herstellung des Containers und Vertrieb ins Boot geholt. Swilar eetec ist eine neu gegründete Tochter der swilar GmbH, die Unternehmen berät.

Für die Infrastruktur von Beladung und Wärmeabgabe an den jeweiligen Objekten sind noch einmal 40000 bis 80000 Euro zu investieren. Bei einer Abschreibung von 20 Jahren und 2,3 Prozent Zinssatz beläuft sich die Kalkulation für den Wärmepreis auf 5,56 Cent pro Kilowattstunde, wie Schneider aufzeigt. Der größte Kostenanteil ergibt sich aus den Umfuhren, sprich den Ausgaben für die Logistik. Schmid fügt hier aber an, dass diese Gelder in der Region bleiben, da für die Versorgung des Lechtalbads ein örtliches Speditionsunternehmen beauftragt ist. Drei Container sind laut Schmid 2019 verkauft worden, sechs heuer – coronabedingt, es hätten auch mehr sein können. Er stellt sich eine Produktion von über 20 Containern pro Jahr vor, Dr. Georg Schneider kann sich auch noch eine Null mehr dahinter vorstellen, je nachdem, wie sich der Wärmemarkt entwickelt. Man sei nicht auf Deutschland beschränkt.

Probleme sehen Schmid und Schneider bei dem noch zögerlichen Interesse am Thema Wärme. „Auch der Landsberger Kreistag hat sich schwergetan“, so Tobias Schmid. „Was wir für ein Potenzial an Wärme haben, ist nicht in den Köpfen“, stimmt Bundespolitiker Michael Kießling zu. Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg wünscht sich mehr Unterstützung vom Bund. Grünen-Kreisrat Peter Satzger betont, dass der Wärmetransport auch eine Chance für Landwirte sein könnte. Laut Schmid gibt es in Deutschland rund 9500 Biogasanlagen, nur rund 60 Prozent der Betreiber nutzten 2017 einen Teil der Wärme extern. Was bringt der Wärmetransport für die Umwelt? Über ein Jahr gerechnet könnten laut Schmid pro Container 300 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

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26.06.2020

Also sollten die Zahlen stimmen? Pro Lieferung 2,5 Mwh entspricht 250 Liter Heizöl. Beim derzeitigen Heizölpreis von 0,46 Euro pro Liter, bei einer Abnahmemenge vom 3000 Litern, sind das 115 Euro. Wenn nur 1,5 Fahrten am Tag möglich sind das 172,5 Euro. Das Erzeugen kostet sicherlich auch etwas. Bei 1,5 Fahrten sind das 45 km LKW-Fahrt macht rund 10 Euro Diesel. Der Fahrer ist dann 3-4 Std beschäftigt macht ca. 100-120 Euro Lohnkosten. Der LKW hat auch noch Betriebskosten von ca. 20-30 Euro pro Stunde. Ich glaube ich muss nicht weiterrechnen. Nicht einbezogen die Abschreibungen und die Umweltbelastung durch die LKW´s. In meinen Augen sieht das nicht nach sinnvoll aus. Es ist in meinen Augen eine große ABM-Maßnahme für Lena und die neu gegründete Firma.

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28.06.2020

Sehr geehrter Carsten S., bitte rechnen Sie weiter! - mit diesen Fakten: Eine Umfuhr ist in den laufenden Projekten in einer bis einerhalb Stunden zu erledigen und bedeutet das Hin und Her von zwei Containern. Der aktuelle Ölpreis steht stark unter Coronaeinfluss, der richtig anzusetzende Preis liegt zwischen 60 und 70 Ct/ltr. Zur CO2 Bepreisung kann man stehen, wie man möchte, doch fossile Energie wird ab 2021 teurer, das ist politisch beschlossen. Die korrekte Kalkulation für die Wirtschaftlichkeit des Wärmetransportes ist komplex und weder in einem Zeitungsartikel noch in einem Kommentar angemessen darzustellen. Nur dazu: Mit dem Wärmetransport können heute schon an geeigneten Standorten Abgabepreise von 7 bis 9 ct/kWh Wärme angeboten werden und das ist durchaus konkurrenzfähig zu anderen Systemen. Die CO2 Einsparung gibt es dann gratis on Top und ist mit dem Faktor 20 höher als durch den Kraftstoffverbrauch des LKW.
Tobias Schmid, www.lenaservice.de

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