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Landsberg

15.04.2019

Wenn die Kunst in die Landsberger Verwaltung kommt

Keine Dominanz von Blau, den das Lech-Engerl von Heiner Beier (Fotodruck auf Forex) zeigt Wasser einmal ganz anders. Zu sehen derzeit in der Landsberger Stadtverwaltung.
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Keine Dominanz von Blau, den das Lech-Engerl von Heiner Beier (Fotodruck auf Forex) zeigt Wasser einmal ganz anders. Zu sehen derzeit in der Landsberger Stadtverwaltung.
Bild: Thorsten Jordan

Die Landsberger Künstlergilde zeigt die Farben des „Wassers“.  Und der Oberbürgermeister hätte gerne eine Leihgabe.

Zwei Bilder müssen weichen, nicht nur im Berliner Kanzleramt, sondern demnächst auch im Arbeitszimmer des Landsberger Oberbürgermeisters. Doch während Angela Merkel ihre umstrittenen Nolde-Gemälde aus Gründen der Political Correctness abhängt, tut Mathias Neuner dies aus reiner Freude an der Kunst und seiner Lust auf wieder einmal etwas „Neues und Spannendes an den Wänden“. Damit meldete der OB als Gastgeber und Hausherr der Stadtverwaltung zur Vernissage der Themenausstellung „Wasser“ bei den Gilde-Künstlern gleich einmal „Eigenbedarf“ an – und stieß mit seiner Leihanfrage sicher nicht nur bei deren Vorsitzenden Petra Ruffing auf offene Ohren.

Wenn Kunst beflügelt

Solches Kunstinteresse beflügelt. Nicht zuletzt deshalb scheint die aktuelle Ausstellung wie unter den Leitsatz gestellt: panta rhei, alles ist im Werden oder, übertragen auf die Lechstadt Landsberg, alles ist im Fluss. In ihrer Einführungsrede wies Museumsleiterin Sonia Fischer auf diese Formel des griechischen Philosophen Heraklit hin, die „gewiss nicht zufällig“ gleich mehrere der Exponate im Titel führen; so etwa Dagmar Menkes Fotografien: aus Licht modellierte, im Moment der Aufnahme in ihrer Bewegung eingefrorene, zerklüftete Wellenberge und -täler an einer Stromschnelle, deren Strudel den Betrachter mit sich reißen.

Wo ist denn hier Wasser?

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„Panta rhei“ titelt auch Meike von Arndts aus Acryl, Verpackungsmüll und Metall geformte, teilweise farblich gefasste Wandskulptur, die -abgesehen vielleicht noch von Walter Frieseneggers Materialcollage „Wellenbad“ und Barbara Wagner-Gschwills in Kastenrahmen gesetzte „Aus dem Meer I und II“ - einzige plastische Arbeit der Ausstellung. Hier setzen öffentlicher Raum und örtliche Gegebenheiten der künstlerischen Vielfalt deutliche Grenzen: Nicht alles kann gezeigt werden; zudem stehen die Exponate oft in Konkurrenz zu wenig hübschne „Eyecatchern“ wie Tür- und Hinweisschildern, Feuer- und Bewegungsmeldern und anderem mehr. Dagegen kommt selbst eine Naturgewalt nur schwer an. „Wo ist Wasser?“ mag man sich da – obwohl umgeben von gemaltem Blau in allen Schattierungen – mit Gislinde Schröters in staubige Lumpen gehüllter Frauengestalt gelegentlich fragen. In ihrer Assemblage schreitet die Künstlerin mit gerade einmal vier Fundstücken – schwarz glänzender Samenkern (Kopf), Brillenbügel I (Arm), Brillenbügel II (Bein) und zum Gewand drapierter, fleckiger Leinenfetzen – einen weit gespannten Horizont menschlicher Schicksale ab: Die ganze Tragik afrikanischer Dürrekatastrophen, millionenfaches Flüchtlingselend treten dem Betrachter in Schröters einfacher und zugleich ungemein würdevoller Gestalt entgegen.

Geflutet in Blau

Wasser lässt auch Christine Herr-Tropps Mädchenbildnis „Fillette en bleu“ auf den ersten Blick vermissen. Doch schon der Titel gibt einen Hinweis auf den, malerischen, Bezug zum Thema, das Gemälde ist „geflutet“ von einer Farbe: Wasserblau. Ein beinahe orgiastisches Eintauchen in das Element Wasser findet sich dagegen in den Werken „Hohe See“ von Christine Lippert-Lutz, „Entfesselte Naturkraft“ von Eberhard Knobloch und Katinka Schneweis’ großformatigem „Aqua pura“. In der Gruppe dieser Arbeiten verweist nicht nur Traudl Pfeiffers „Im Wechsel der Gezeiten“ auf den amorphen Charakter des Elements Wasser, das wie Sonia Fischer erläuterte, nicht nur „gestalt-, sondern auch farblos“ ist und erst durch die Umgebung sein jeweiliges Kolorit erhält – Wasser, fast ein Chamäleon unter den Elementen. So mag Blau zwar die beherrschende, nicht aber die alleinige Farbe zum Thema sein. Wer „Wasser“ der Künstlergilde genauer unter die Lupe nimmt, dem eröffnet die Themenausstellung die gesamte Palette - erstaunlich, dass sich unter der Exponaten kein „Schnee“Bild findet. Denn so wenig Wasser nur blau ist, ebenso wenig ist Schnee rein weiß, und ist gerade deshalb beider Darstellung eine besondere künstlerische Herausforderung.

Termine „Wasser“, die aktuelle Themenausstellung der Künstlergilde Landsberg-Lech-Ammersee im Bürgerbüro der Stadtverwaltung ist geöffnet bis Samstag, 4. Mai. Montag, Dienstag, Freitag, 8 bis 16 Uhr; Mittwoch, 8 bis 12 Uhr; Donnerstag, 8 bis 18 Uhr sowie jeden ersten Samstag eines Monats von 9 bis 12 Uhr.

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