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Landsberg

29.10.2016

Wenn die Trauerfeier immer persönlicher wird

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Ludwig Streicher ist Trauerredner und freier Seelsorger.
Bild: Julian Leitenstorfer

Immer mehr Angehörige verzichten auf eine kirchliche Bestattung. Ein freier Seelsorger erzählt.

Der Verlust eines Menschen gehört zum Leben. Ob plötzlich und unerwartet oder schon längere Zeit absehbar, vielen Angehörigen fällt es nicht leicht, damit umzugehen. Dennoch müssen sie Abschied nehmen. Der Trauerfeier vor der Bestattung kommt daher eine große Bedeutung zu. Und in diesem Bereich vollzieht sich ein langsamer Wandel. Denn auch wenn im Landkreis noch an die 80 Prozent aller Trauerfeiern traditionell mit Pfarrer abgehalten werden, nehmen individuelle Abschiedsfeiern zu.

Das Kuratorium Deutsche Bestattungskultur mit Sitz in Düsseldorf stellt die Bedeutung einer Trauerfeier heraus. Sie würdige nicht nur das Leben des Verstorbenen, sondern sei auch eine wertvolle Gelegenheit, in Gemeinschaft zu trauern und sich gegenseitig Trost zu spenden. Heutzutage könne jeder die Gestaltung der Feier so wählen, dass sie zum Leben des Verstorbenen passt. Dass es bei katholischen und evangelischen Trauerfeiern viel um Gott geht, ein bestimmter Ritus eingehalten werden muss und sich viele Geistliche nur in der Predigt dem Verstorbenen widmen, stört immer mehr Menschen.

Und so ist auch in unserer Region zu beobachten, dass Trauerfeiern immer individueller werden. Eine Erfahrung, die auch Helmut Geisler gemacht hat. Er ist einer der beiden Geschäftsführer des Bestattungsunternehmens Hohenadl aus Landsberg. Im Landkreis schätzt er das Verhältnis zwischen traditioneller und moderner Trauerfeier auf 80 zu 20 Prozent, in der Stadt liege es bei 70 zu 30 Prozent.

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Vor allem die 75 bis 90-Jährigen wünschen sich laut Helmut Geisler noch eine traditionelle Feier. Doch schon in der Generation danach werde sich dies ändern. Viele Angehörige würden ihm sagen, Mutter oder Vater wollen das so, sie selbst aber nicht mehr.

Ludwig Streicher aus Dießen ist freier Seelsorger. Zusammen mit seiner Partnerin Gabriella Weber übernimmt er auf Wunsch die Organisation von Trauerfeiern – von der individuell verfassten Traueransprache bis zum musikalischen Rahmen, wie er auf seiner Internetseite schreibt. Angeboten werden sowohl traditionell christliche wie auch freigeistig spirituelle Traueransprachen: persönlich, ganz nach den Wünschen und Vorstellungen des Verstorbenen und der Angehörigen. Wie er sagt, sind die Trauerfeiern zwischen Lech und Ammersee noch immer traditionell geprägt. In den Städten im Speckgürtel von München verändere sich aber die Art, wie von Menschen Abschied genommen wird, rasanter.

Die Entwicklung findet Ludwig Streicher schön und spannend. Ihn freut es, dass der Mensch in den Mittelpunkt rückt. Alle Elemente, von der Begrüßung über die Musik- und Wortbeiträge bis hin zum Gebet und der Einsegnung am Grab dienen dazu, das Bild des Verstorbenen noch einmal nachzuzeichnen, informiert das Kuratorium Deutsche Bestattungskultur über die Entwicklung in Deutschland.

Trotz allem ist es Ludwig Streicher wichtig, dass die Feier würdevoll bleibt. Schließlich wisse er um die emotional belastende Situation für Angehörige und Hinterbliebene. Und so legt er auch großen Wert auf ein ausführliches und vertrauensvolles Beratungsgespräch. Dabei käme so allerhand zu Tage. Streicher erinnert sich an eine Beerdigung einer Frau, der gerne Rotwein trank. Bei ihrer Trauerfeier wurde mit einem Glas Rotwein angestoßen, während im Hintergrund die von ihr zu Lebzeiten auf Band gesprochene Trauerrede lief.

Auch wenn Trauerfeiern modernere Formen annehmen, für Viele muss der Trauerredner immer noch ein Mann sein. Diese Erfahrung haben auch Gabriella Weber und Ludwig Streicher gemacht. Und auch eine Mischung der Trauerform werde gewünscht. Bei einer Beerdigung in Penzing habe er daher der traditionellen Part übernommen, seine Partnerin den freien.

Für ganz persönliche Abschiedsfeiern bieten Weber und Streicher auch einen besonderen Raum in Fischen am Ammersee an. Demnächst will der freie Seelsorger auch die bei Denklingen errichtete Friedenskapelle für Abschiedsfeiern nutzen (eigener Berichtfolgt). Denn zu vielen Trauerfeiern blieben die Kirchen den Trauernden in der Regel verschlossen. Das findet er würdelos und fordert ein Umdenken. „Wir müssen über Konfessionen und Religion hinausgehen“, sagt Ludwig Streicher.

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