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Asch

21.01.2019

Wenn sich das Pony in die Kurve legt

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Pony „Sepp“ und Alexander Kneißl aus Leeder legen sich beim Pferdeschlittenrennen des Fuchstaler Reit- und Fahrvereins in die Kurve. Beim Skijöring ging es derweil wesentlich rasanter zu.
Bild: Julian Leitenstorfer

Rund 500 Besucher sehen das Pferdeschlittenrennen des Reit- und Fahrvereins Fuchstal. Worauf es ankommt und warum es beim Skijöring wesentlich rasanter zugeht.

An die 500 Besucher wollten die Pferdeschlittenrennen beim Fuchstaler Reit- und Fahrverein erleben. Sie sahen Pferde unterschiedlicher Rassen und Fahrer aus der Region. Publikumsliebling war der vierjährige Franz Ressle aus Schongau, der mit seinem Vater auf dem Schlitten sein Shetlandpony ganz allein zum Sieg steuerte. Für Furore sorgte auch Günther Waldhör mit seinem schnellen Traber. Spannende Wettkämpfe lieferten sich die Teilnehmer beim Skijöring.

Erst Mitte der vergangenen Woche hatte man das Rennen angesetzt und dann angefangen, herum zu telefonieren, sagt Vereinsvorsitzender Simon Hefele. Eine Punktlandung sei es jedoch gewesen, dass die Bahn überhaupt befahrbar gewesen sei. Noch zwei Tage zuvor habe es ein 20 Meter langes Stück gegeben, auf dem die Erde unter dem Schnee zu sehen war und das Wasser stand. Man habe Schnee aus der Umgebung geholt und hingeschaufelt, so Hefele. Zwei sehr kalte Nächte mit Temperaturen unter minus zehn Grad hätten dann dafür gesorgt, dass sich das ganze stabilisiert habe.

Die Organisatoren haben das Reiten im Blut

Der 32-jährige Hufschmied Simon Hefele, der aus Leeder stammt und nun in Denklingen wohnt, steht als einer der wenigen für den zweiten Teil im Vereinsnamen und ist seit zehn Jahren begeisterter Gespannfahrer. Unterstützt wurde er bei den Vorbereitungen vom 19-jährigen Alexander Kneißl aus Leeder, der Auszubildender zum Elektroniker ist. Ihm wurde dieses Hobby sozusagen in die Wiege gelegt, denn sein Vater Heinz und die älteren Brüder frönen ebenfalls dieser Leidenschaft. Sein erstes Rennen erlebte er so ähnlich wie Franz Ressle, als er alleine die Zügel halten konnte, erinnert er sich. Seinen Schlitten habe ihm sein Vater aus einigen Brettern zusammengezimmert. Das sehe zwar weniger elegant aus, habe aber den Vorteil, so Kneißl, dass es sehr leicht sei. Was er dann beim Rennen zu spüren bekam, als sein Pony „Seppi“ zu galoppieren begann und das Gefährt umstürzte - übrigens der einzige Zwischenfall überhaupt. Alexander Kneißl blieb auch unverletzt.

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Die Bilder vom Pferdeschlittenrennen in Asch
Bild: Julian Leitenstorfer

Die „Marke Eigenbau“ war im Rennen auch bei anderen Fahrern vertreten. Der Verein habe sich vor vielen Jahren Schlitten beim Schmiedemeister Oskar Kusterer aus Waalhaupten zusammenbauen lassen, der bei der Veranstaltung als Ansager und Richter tätig war. Man könne sie natürlich auch kaufen, sagt Hefele, dann kämen sie zumeist aus Polen, wo es noch große Kutschenfabriken gebe, die ganz Europa belieferten. Der wesentliche Unterschied zum Gespannfahren sei, dass der Schlitten eben keine Bremse habe, lediglich bei ganz großen gebe es eine Art von Krallen. Trainiert hätten sie beide vor dem Rennen wegen des Schneemangels und fehlender Zeit nur wenig. Für Alexander Kneißl reichte es trotzdem zu zwei „Medaillenrängen“, Simon Hefele platzierte sich mit seinem Einspänner im Mittelfeld.

Der Schlitten hat keine Bremse

Wichtig sei vor allem, dass man die Pferde an das Schlittenziehen gewöhne, sagt der 32-jährige Hefele. Beim Fahren im freien Gelände sei es zudem ratsam, eine zweite Person mit dabei zu haben, die im Notfall abspringe und die Pferde halte. Beim Rennen selbst wäre ein Mitfahrer hingegen nur unnötiger Ballast. Aus der Kurve könne man kaum fliegen, denn die süddeutschen Kaltblutpferde und Haflinger traben dazu nicht schnell genug.

Wesentlich rasanter ging es im Anschluss an das Schlittenrennen beim Skijöring zu, bei dem Galoppieren erlaubt war. Worauf es ankommt, bringt es Alexander Kneißl auf den Punkt. Man müsse sicher auf den Skiern stehen, keine Angst haben und mit einem schnellen Pferd unterwegs sein. Auffallend war, dass einige Teilnehmer die Skier durch das Snowboard ersetzt hatten.

In den 20er-Jahren gab es ein Preisgeld von 20 Billionen Mark

Dass Pferdeschlittenrennen im Fuchstal eine sehr lange Tradition haben, beweisen zwei Plakate, die im Reiterstüberl hängen. Zu der Veranstaltung am 13. Januar 1923 hatte ein „Renn-Komitee“ eingeladen und die Teilnehmer waren von der ehemaligen Brauerei Frieß aus mit Musikbegleitung zum Rennplatz zwischen Asch und Leeder gezogen. Damals gab es sogar Geldpreise zu gewinnen, die mit bis zu 20 Billionen Mark inflationsbedingt sogar astronomisch hoch ausfielen.

Wiederbelebt wurden die Rennen im Jahr 1976 kurz nach der Gründung des Reit- und Fahrvereins. Zur elften Veranstaltung im Jahr 1992 kamen 1300 Gäste. Danach schlief die Veranstaltungsreihe nach einem Unfall und wegen des immer wieder nicht passenden Wetters ein. Bis Simon Hefele sie vor zwei Jahren erstmals erneut aufgriff. Sein Konzept, das Rennen sehr kurzfristig je nach Schneelage anzusetzen, scheint somit zielführend zu sein.

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