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Landsberg

01.05.2016

Wenn sich der Sohn einen Südtiroler wünscht

„Ich mein ja nur“ scheint Günter Grünwald zu sagen, dabei bringt der von Fernsehen und Bühne bekannte Ingolstädter gerne gar zu Menschliches genau auf den Punkt.
Bild: Thorsten Jordan

Comedy Günter Grünwald hält seinen Mitbürgern mit seinem Programm „Deppenmagnet“ den Spiegel vors Gesicht

„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“ Zwei Hochkaräter der bayerischen Kabarett- und Comedylandschaft innerhalb von drei Tagen im Landsberger Sportzentrum. Würde das gut gehen? Das ist es, problemlos – die große Veranstaltungshalle war zwei Mal rappelvoll. Nach Michael Mittermeier nun also Günter Grünwald und auch zu ihm strömten die Leute, wie an den Autokennzeichen auf dem Parkplatz unschwer zu erkennen war, teilweise von weit her.

Grünwalds Programm „Deppenmagnet“, mit dem er seit fast einem Jahr durchs Land tourt und das er auch in Landsberg präsentierte, ist pure Comedy. Ein Anzug, der ihm steht und passt: Hier kann er dumm rumalbern und gescheit daherreden. Grünwald hat in dem aktuellen Bühnenprogramm Wiedererkennungswert in Bezug auf seine Freitagscomedy im Bayerischen Fernsehen. Hier wie dort pflegt der Comedian einen angenehmen Erzählstil, der stets in einer krachenden Pointe endet.

Da wären als Beispiel die Backshops. „Was, Sie fressen die Semmeln aus’m Backshop, für die die Fertigbackmischung aus China kommt?“ Fragt sich jetzt etwa wer, ob da auch Hund drin ist, das essen doch die Chinesen? „Na“, sagt der Grünwald, „die fressen net bloß Hund’, die fressen a Katz’n.“ Und für die Proteine sind in jedem Doppelzentner Backmischung aus China „sieb’n Ratz’n“ drin. Bamm! Und schon geht es weiter. Senioren, Künstler, Handys und, bei Kabarettisten und Comedians auf der Beliebtheitsliste ganz oben Baumärkte, sind Impulsgeber für Grünwalds Ausführungen. Dort geht er hin, wenn er mal ein Bild braucht. Da kriegt er wenigstens was Gescheites, „net so ein blödes Zeug, wie es der Salvatore Dalí gemalt hat, blöde Uhren, die über blöde Zweige hängen.“ In Baumärkten findet er auch immer wieder tolle Gerätschaften, vielseitig einsetzbar und wenn es nur die Fischgräte ist, die damit aus dem Hals gefeuert wird. Kollateralschäden? „Ich hab ihm das Leben – nun ja, ich hab’s wenigstens versucht.“

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Und wie ist da in der Frischeabteilung des Supermarkts, wo alte Leute alles antatschen, ja sogar ihren Zinken hinstecken und das angelangte dann doch net kaufen? „Unmöglich, einfach unmöglich!“ Außer bei der Avocado, die muss der Grünwald schon drücken, sonst kann er ja keine gescheite Avocadocreme machen. Und Mango, und, und ...

Da ist er, der widersinnige Irrsinn, wie ihn sich die Leute tagtäglich zurechtlegen. Die Welt ist voller Deppen, und der Grünwald zieht sie an wie ein Magnet. „I mog Menschen, und manchmal kannd’ i’s derschlagen.“ Gerade deshalb schaut Grünwald ihnen nicht nur aufs Maul, sondern sagt auch Dinge, die nicht wenige nur denken. „Der Neger hat doch noch nie was gearbeitet“, ist so ein Beispiel. Überhaupt, wie er das verpönte Wort „Neger“ immer wieder ausbreitet – da hat sich der eine oder andere im Saal möglicherweise erkannt. Und mal nachgedacht? Und wenn sich der Neffe einen „Südtiroler“ wünscht und sich später herausstellt, dass ein City-Roller gemeint war, was machen die Grünwalds dann mit dem übrigen Südtiroler? Den Zuschauern anbieten, sollen die ihn doch durchfüttern.

Aber wer ist nun eigentlich der Depp? Der Grünwald oder wir Fußvolk? Jeder auf seine Weise.

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