Newsticker

Koalitionsausschuss einigt sich auf milliardenschweres Konjunkturpaket
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Widmanns Wirtshaus in Egling kämpft ums Überleben

Egling

08.01.2020

Widmanns Wirtshaus in Egling kämpft ums Überleben

Der Pächter von Widmanns Wirtshaus hat gekündigt. Das stellt die Eigentümer vor große Probleme. Sie organisieren auch Kabarett- und Kleinkunstveranstaltungen in der Lokalität und mussten schnell Ausweichspielstätten finden.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Bei Widmanns Wirtshaus in Egling hat erneut der Pächter gekündigt. Was das für die Kabarett- und Kleinkunstveranstaltungen bedeutet.

Heinrich Widmann hat sich mit seinem Kabarettl in den vergangenen rund 18 Jahren einen Namen gemacht. Das neue Jahr hat für den Organisator der Kabarett- und Kleinkunstveranstaltungen allerdings mit Schwierigkeiten begonnen. Nach dem dritten Wechsel in vier Jahren steht die Traditionsgaststätte nun wieder ohne Pächter da und muss ihre Veranstaltungen an andere Orte auslagern. Ob die Lokalität in Egling eine Zukunft hat, ist unklar.

Der vorerst letzte Pächter von Widmanns Wirtshaus in Egling kam erst im Juni vergangenen Jahres und hat gerade einmal ein halbes Jahr den Gasthof geführt. Nun hat er von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht. Auf Nachfrage unserer Zeitung, ob denn der Betreiber das Handtuch zu früh geschmissen habe, meinte Widmann: „Eine Existenzgründungphase dauert schon zwei Jahre, und die Vorpächter haben dem Ruf des Gasthofs eher geschadet. Die Arbeitszeit und Personalsorgen haben bestimmt auch eine Rolle gespielt“.

An der Höhe der Pacht hat es nicht gelegen

Voller Hoffnung sei man im Sommer 2019 gewesen, und es könne kaum an der Pacht liegen, ist der Veranstalter überzeugt. „Die war nicht hoch“. Die Probleme des Gasthofs begannen im November 2015, als Franz Widmann, der Bruder von Heinrich Widmann, völlig überraschend im Alter von 49 Jahren starb. Mit dem Tod des Wirts musste das Gasthaus von einem Tag auf den anderen schließen. Erst ein Jahr später fanden die Erben, Heinrich Widmann und seine Schwester Christine Klaßmüller, einen neuen Pächter.

Widmanns Wirtshaus in Egling kämpft ums Überleben

„Für uns brach damals mit dem Tod des Bruders eine Welt zusammen“, erzählt Heinrich Widmann. Lange Zeit war die Zukunft des Hauses deswegen ungewiss. Auch ein Verkauf der Immobilie an die Gemeinde stand im Raum, um das Wirtshaus zu erhalten. Kurzfristig war auch die Unterbringung und Betreuung von Asylbewerbern in dem Gebäudekomplex, der auf rund 12.000 Quadratmetern Grund steht, im Gespräch. Doch beim Kaufpreis wurden sich in 2016 Erbengemeinschaft und Kommune nicht einig.

Erben des Wirtshauses brauchen dringend Hilfe

„In meiner eigenen Wirtschaft, in der ich vor 63 Jahren zur Welt kam, kann ich keine Veranstaltung mehr machen. Ich habe keine Gaststättenkonzession“, erklärt Heinrich Widmann. Man brauche „dringend“ Unterstützung und Hilfe, um eine zukunftsfähige Lösung zu finden, sagen die Erben. Der Gasthof liegt am Südrand von Egling, außerhalb des Bebauungsplans. Die Bahnlinie ist die Grenze zum Außenbereich. Brandschutz und Statik, alles sei im Lot, betonen sie.

Franz Widmann hatte den Betrieb, den sein Großvater im Jahre 1925 eröffnet hatte, in der dritten Generation geführt. Über die Landkreisgrenzen bekannt geworden war Widmanns Wirtshaus nicht nur wegen seiner gut bürgerlichen Küche, sondern auch wegen der zahlreichen Veranstaltungen, angefangen von Tanz über Kabarett bis hin zu Musik und Gesang. Im Saal beim „Heini“ war immer gute Stimmung. „Damals musste ich wegen schwerer Krankheit meinen Beruf an den Nagel hängen, war plötzlich Rentner“, erzählt Heinrich Widmann. „Da habe ich als Organisator von Kleinkunstveranstaltungen eine Beschäftigung gefunden, die mir sehr viel Freude bereitet hat“.

Mit den Mehlprimeln fing alles an

Mit den Mehlprimeln fing es 2002 an. „Das erste Mal war eine Freiluftveranstaltung, schönstes Wetter, und den zahlreichen Besuchern hat’s gefallen und mir auch“, erinnert sich Widmann, Geisterfahrer Silvano Tuiach aus Augsburg folgte ein halbes Jahr später. „Irgendwann mal waren es 16 Termine im Jahr. Das war schon enorm“, sagt er rückblickend. „Aber egal was war, ich habe nie eine Veranstaltung abgesagt“.

Trotz der schwierigen Situation wollte Heinrich Widmann den bereits gebuchten Künstlern nicht absagen. „Wir sind froh, dass wir mit unserer ersten Veranstaltung im Jahr 2020 in Schmiechen untergekommen sind“, so der Organisator. Einen satirischen Rückblick lieferte da Holger Paetz. Auch für den Veranstaltungstermin am Samstag, 8. Februar, mit Tom & Flo und Sound der 60er-Jahre wurden schon Karten verkauft. Dieser Abend findet in der Schmiechachhalle statt. Insgesamt sind dort für dieses Jahr fünf Termine vereinbart.

Ob die Veranstaltungsreihe auch künftig weitergeht? „Das weiß ich noch nicht. Das hängt auch davon ab, ob die Besucher der Kleinkunstabende in Schmiechen das Angebot annehmen“, so Widmann.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren