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Schondorf

17.01.2020

Wie Bühnenbildner Erwin Kloker eine eigene Welt erschafft

Erwin Kloker kümmert sich bei „Pension Schöller“, der aktuellen Inszenierung der „landsberger bühne“, ums Bühnenbild. Der 60-Jährige spielt aber auch selbst manchmal Theater. Links: Helfer Sebastian Beyer.
Foto: Thorsten Jordan

Plus Erwin Kloker arbeitet aktuell als Bühnenbildner für die „landsberger bühne“ beim Stück „Pension Schöller“. Doch der Schondorfer dekoriert nicht nur beim Theater oder bei Festen, er tritt auch selbst manchmal auf.

Es gibt drei Spielorte – das Café, die Pension und die Villa. Und diese drei Orte im neuen Stück „Pension Schöller“ der „landsberger bühne“ gestaltet Erwin Kloker aus Schondorf. „Es geht darum, Raum und Zeit zu definieren – ohne Wände.“ Kloker spricht bedächtig, wenn er seine Arbeit präzise erläutert. Statt Latzhose trägt der 60-Jährige eine alte Anzughose und eine schwarze Jacke bei der Arbeit. Langes graues Haar unter einer Ledermütze und ein wilder Bart vervollständigen das Erscheinungsbild. Erwin Kloker zählt zu den Originalen am Ammersee-Westufer. Wie er zum Theater kam und wie er seine Arbeit sieht, verrät er in diesem Interview.

Sein Bruder war das künstlerische Vorbild

Aufgewachsen ist Erwin Kloker mit zwei Brüdern auf einem Hof zwischen Hechenwang und Neugreifenberg. Ottokar ist zwölf Jahre älter, er führte die elterliche Landwirtschaft weiter. Andreas ist zehn Jahre älter und folgt der Familientradition der Mutter, die aus dem Malergeschäft Forster in Schondorf stammt. Großvater und Großonkel seien auch Dekorations- und Restaurationsmaler gewesen, erzählt Erwin Kloker. Andreas habe eine Lehre gemacht und dann die Malerschule besucht. „Und ich habe ihm immer zugeschaut, wenn er an der Staffelei gearbeitet hat“, erzählt Kloker, dass ihm der große Bruder ein künstlerisches Vorbild war.

Erwin Kloker besuchte in Landsberg das Dominikus-Zimmermann-Gymnasium. 1979 hatte er als Abiturient sein erstes Filmengagement: Er sei von Joe Mantler gefragt worden, ob er die Hauptrolle übernehmen wolle. Mantler habe für das Drehbuch „Day“ eine Förderung unter dem Titel „Junger Deutscher Film“ bekommen, 40.000 D-Mark, und es hieß – ganz ohne Regieerfahrung: „Jetzt drehen wir.“ Es ging um einen Tag im Café Aenderl in Landsberg. „Da haben wir sowieso die ganze Schulzeit verbracht.“ Der Film sei auch auf Filmfestivals gezeigt worden und habe dort auch den Publikumspreis bekommen, erinnert sich Kloker. Danach absolvierte er eine Schreinerlehre bei Christian Treffler in Eresing.

Erwin Kloker machte nach dem Abitur eine Schreinerlehre

Nach zwei Jahren als Geselle folgte eine Zeit, in der Erwin Kloker Häuser von Bekannten umbaute und renovierte. Er spielte aber auch noch in Filmen und Theaterinszenierungen mit. „Wir waren acht bis zehn Schauspieler und drei bis vier Zuschauer“, kommentiert er trocken den manchmal mangelnden Erfolg dieses Engagements. Kloker gehörte schon seit den 80er-Jahren zu einer Künstlergruppe um seinen Bruder Andreas, die Feste ausstattete. Noch immer dekoriert wird beispielsweise der Kinderfasching im Gasthof Saxenhammer in Hechenwang: Am Nachmittag feiern die Kinder in fantasievoller Umgebung, abends die Erwachsenen den Kehraus.

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Das Lustspiel von Carl Lauf und Wilhelm Jacoby im Landsberger Stadttheater inszeniert von Konstantin Moreth.
27 Bilder
Die landsberger bühne zeigt: Pension Schöller
Foto: Thorsten Jordan

Und das wurde mehr und mehr zum Beruf: 1996 stattete Kloker gemeinsam mit Eva Lüps aus Utting elf Faschingsbälle im Hofbräukeller in München. Die verschiedenen Bälle behandelten Themen von der französischen bis zur bayerischen Revolution, also von 1789 bis 1919. „Wir haben das barocktheatermäßig mit bemalten Stoffbahnen gestaltet, die wie geraffter Samt wirken sollten.“ Die Dekoration sei jahrelang hängen geblieben, erinnert er sich. 1997 kam die erste Arbeit mit der Pasinger Fabrik zustande. 2001 wurde in Schondorf ein aufgelassener Bauernhof in der St.-Anna-Straße angemietet. Dort befindet sich jetzt Klokers Werkstatt „und 200 bis 300 Quadratmeter Lager“. Das Konzept sei, eine Bühne zu entwerfen und sie selbst zu bauen – ein passendes Angebot vor allem für freie Theater, denn die hätten keine Werkstätten. Das Material nehme er wieder zurück und recycle es. Und er arbeite immer in einem Team von bis zu drei Leuten.

Manchmal steht er selbst auf der Bühne

Erwin Kloker war aber immer auch auf der Bühne zu erleben: 2009 in der Lesung „Die Reise nach Petuschki“ in Dießen war ein Theaterereignis, das den Bühnenort – das in Vergessenheit geratene ehemalige Ammerseehotel – wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit brachte. Es wurde renoviert und firmiert heute als „Blaues Haus“.

Mit der „landsberger bühne“ arbeitet Kloker erstmals zusammen, mit von der Partie ist auch Eva Lüps, die für die Ausstattung zuständig ist. Doch wie kommt es überhaupt zum Bühnenbild? „Es gibt eine Erstbesprechung und es wird beispielsweise abgefragt, ob es Türen braucht und natürlich auch, wie viel Geld zur Verfügung steht.“

Relikte aus den 30er-Jahren kommen zum Einsatz

Bei der „landsberger bühne“ sei klar gewesen, dass es keine Wände geben soll. Regisseur Konstantin Moreth habe auch klar gemacht, dass er keine Stühle haben wolle. Kloker gefällt das. Um den Raum abzugrenzen, und die Zeitepoche wiederzugeben, blieben also nur die Türen und die Lampen, erklärt er.

Erwin Kloker kümmert sich bei „Pension Schöller“, der aktuellen Inszenierung der „landsberger bühne“, ums Bühnenbild. Der 60-Jährige spielt aber auch selbst manchmal Theater.
Foto: Thorsten Jordan

Beim Spielort Café sei das Fenster zur Straße hin ausschlaggebend und Kloker hatte ein Kaffeehausfenster auf Lager. Das Stück spiele Anfang der 1960er-Jahre, den Raum siedelt Kloker jedoch als Relikt aus den 30er-Jahren an, die Türen in einem „komischen Umbraton“, ein Grau-Moosgrün-Mix, der für Kloker diese Zeit repräsentiert. Am dritten Spielort (Villa) zeigen Mahagoni den reicheren Charakter dieses Raums an und drei Büsten den Wunsch des Villenbesitzers, Bildung zu demonstrieren.

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