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Pürgen

25.01.2019

Wie Philipp Kadach aus Pürgen Leben rettet

Philipp Kadach aus Pürgen ist unter anderem Atemschutzgeräteträger bei der Feuerwehr seines Heimatortes. Mit seiner Stammzellenspende hat er einem anderen Menschen die Chance auf ein neues Leben geschenkt.
Bild: Milena Kadach

Der 20-jährige Philipp Kadach hat mit seiner Stammzellenspende einem anderen Menschen die Chance auf ein neues Leben geschenkt. Er engagiert sich in vielen Bereichen.

Philipp Kadach ist einer, der gerne hilft und sich engagiert. Egal, ob als Atemschutzgeräteträger bei der Feuerwehr in Pürgen, als Fußballer beim SV Lengenfeld oder Vorstandsmitglied des Madl- und Burschenvereins. Doch was der 20-Jährige im August auf sich genommen hat, stellt das noch mal in den Schatten. Denn mit seiner Stammzellspende konnte er einem krebskranken Mann in den USA die Chance auf ein neues Leben schenken.

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Bereits im Dezember 2015 ließ sich Philipp Kadach als Auszubildender zum Kaufmann für Dialogmarketing an der Berufsschule IV in Augsburg bei der DKMS gemeinnützige GmbH (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) typisieren. 720 Schüler ließen sich damals mit einem Wangenabstrich in die Kartei aufnehmen. Vier davon konnten bereits durch ihre Stammzellspende Betroffenen die Chance auf ein neues Leben schenken.

Einer davon ist Philipp Kadach. Und er ist nicht der einzige aus dem Landkreis Landsberg. Aktuell sind 8272 Personen zwischen Ammersee und Lech bei der DKMS gemeinnützige GmbH typisiert. 74 von ihnen konnten bereits betroffenen Patienten helfen. Die Spender und Typisierten aus weiteren 27 weiteren deutschen Knochenmarkspende-Dateien kommen noch dazu.

Wie Philipp Kadach aus Pürgen Leben rettet

So lief die Stammzellentnahme ab

Philipp Kadach wurde im Februar vergangenen Jahres angeschrieben. Es folgte eine Feintypisierung und ein umfangreicher Gesundheitscheck. Danach stellte das Ärzteteam die Frage: „Sie sind der passende Stammzellspender für einen Patienten, sind Sie bereit dazu?“ Der 20-Jährige, der noch bei seiner Familie in Pürgen wohnt, war bereit. Mitte August fuhr er mit seinem Vater Michael ins Klinikum nach Ulm. Vorher hatte er sich fünf Tage lang kleine Spritzen mit einem Wachstumsfaktor gespritzt, der sowieso zur Blutbildung benötigt wird. Durch diese zusätzliche Stimulierung vermehrten sich die Stammzellen in den Beckenknochen, wurden ins Blut ausgeschwemmt und konnten am sechsten Tag aus dem Blut gefiltert werden. Dazu lag Kadach fünf Stunden im Entnahmesessel im Klinikum.

Und wie ist es ihm in den Tagen vor und nach der Entnahme ergangen? „Die angekündigten Grippesymptome habe ich schon gemerkt, ich war ein bisschen schlapp“, erinnert sich der 20-Jährige. Aufgrund der Stimulierung habe er auch ein leichtes Ziehen im Becken- und Brustbereich gespürt. Mehr nicht. Das alles sei erträglich gewesen. „Ich durfte in der Zeit keinen Sport treiben“, sagt der aktive Fußballer, der für den B-Klassisten SV Lengenfeld im Mittelfeld spielt. Nach der Entnahme in Ulm sei er aber gleich wieder mit seinem Vater nach Hause gefahren.

Sein Arbeitgeber reagierte sofort

Sein Arbeitgeber, die Hilti Deutschland AG in Kaufering, für den Philipp Kadach als Software Support arbeitet, hatte ihn für die Spendenaktion freigestellt und hat den von der DKMS erstatteten Arbeitsausfall gleich wieder gespendet. Alle Kosten rund um den Aufenthalt in Ulm einschließlich Fahrt und Hotel für den 20-Jährigen und seinen Vater wurden von der DKMS gGmbH übernommen.

Durch seine Stammzellenspende hat Philipp Kadach einem anderen Menschen die Chance auf ein neues Leben ermöglicht. Um wen es sich dabei handelt, weiß er nicht. Nur, dass es sich um einen Erwachsenen aus den USA handelt. Mehr Informationen gibt die DKMS gemeinnützige GmbH nicht heraus. Erst zwei Jahre nach der Spende darf der 20-Jährige erfahren, wem er geholfen hat. Brigitte Lehenberger, die die Typisierungsaktion an der Welserberufsschule in Augsburg damals initiiert hat, sagt, dass es dennoch möglich ist, dass sich Spender und Patient über Briefe aussauschen können. Allerdings anonymisiert. Das heißt: Name und Adresse würden jeweils geschwärzt. Philipp Kadach hatte bislang keinen Kontakt in die USA. Er würde zwar gerne mehr über die Person erfahren, aber nicht mit aller Macht. „Vielleicht haben wir ja in zwei Jahren Kontakt.“

Registrieren kann man sich ganz einfach

Die DKMS gemeinnützige GmbH arbeitet seit 1991 daran, für Patienten weltweit den passenden Spender zu finden. Bislang haben sich bereits über acht Millionen Stammzellspender dem Kampf gegen den Blutkrebs angeschlossen. Doch findet immer noch jeder zehnte Blutkrebspatient allein in Deutschland keinen passenden Spender. Denn für eine Stammzellenspende müssen die Gewebemerkmale des Spenders mit denen des Patienten zu 100 Prozent übereinstimmen. Stammzellspender werden, ist einfach: Interessierte können online ein Registrierungs-Set anfordern. Sie erhalten dann per Post ein Set mit Wattestäbchen für einen Wangenabstrich. Die Wattestäbchen werden dann mit den Unterlagen zurückgeschickt.

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