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Ludenhausen

10.09.2020

Wie das Autohaus Ressle durch die Corona-Krise kommt

Isabella Rauch (links, mit ihrer Schwester Christina) führt das Autohaus Ressle in Ludenhausen seit rund drei Jahren. Sie blickt auf die über 60-jährige Geschichte des Unternehmens zurück.
Bild: Christian Rudnik

Plus Seit seiner Gründung ist das Autohaus Ressle in Ludenhausen stetig gewachsen. Der Corona-Lockdown hat vor allem den zweiten Geschäftszweig des Familienbetriebs getroffen.

Das Handwerk gilt als Kernstück der deutschen Wirtschaft. In der Region gibt es viele Betriebe, die Arbeitsplätze vor Ort schaffen und auf interessante Firmengeschichten zurückblicken können. In unserer Serie wollen wir einige Handwerksbetriebe vorstellen. Den Anfang macht das Autohaus Ressle aus Ludenhausen.

Wer im beschaulichen Pfarrdorf Ludenhausen unterwegs ist, kommt um das Autohaus Ressle gar nicht herum. Das markante, mehrfach ausgebaute Firmengebäude, in dem längst nicht nur Autos verkauft und repariert werden, befindet sich direkt an der Hauptstraße des Reichlinger Ortsteils. Isabella Rauch, 40, führt den Betrieb seit rund drei Jahren. Im LT-Gespräch erzählt sie von den Herausforderungen in der Corona-Krise und verrät, was die Olympischen Spiele 1972 in München mit dem zweiten Geschäftszweig des Unternehmens zu tun haben.

Das Autohaus Ressle ist seit seiner Gründung im Jahr 1954 stetig gewachsen. Auf der 220 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche stehen Gebrauchtwagen und EU-Import-Fahrzeuge zum Verkauf. Die Mechaniker schrauben in der Werkstatt an Autos der Marken Volkswagen, Audi oder Skoda oder bauen diese behindertengerecht um. Die Auswirkungen der Corona-Krise bekommt aber auch der Familienbetrieb zu spüren. „Zum Glück mussten wir nicht schließen“, sagt Isabella Rauch. Als die Krise ihren Lauf nahm, wurden KfZ-Werkstätten früh als systemrelevant erklärt.

Die Aufträge wurden während des Lockdowns weniger

Das Autohaus Ressle habe sofort ein umfassendes Hygienekonzept erarbeitet und umgesetzt. Die Aufträge wurden trotzdem weniger. Während des Lockdowns seien viele Kunden zwangsläufig seltener mit dem Auto unterwegs gewesen, sagt Isabella Rauch. Reparatur- und Servicearbeiten würden sich damit nach hinten verschieben. „Außerdem steht bei vielen Menschen zum wiederholten Mal weniger Geld auf dem Lohnzettel.“

Das Autohaus Ressle versuchte dennoch, die Krise sinnvoll zu nutzen. Laut Isabella Rauch sind neue Geräte angeschafft und ein Hol- und Bringservice etabliert worden. Die Kurzarbeit sei inzwischen am Ausklingen: „Am allerwichtigsten war für uns, dass wir niemandem kündigen mussten und unseren Mitarbeitern immer die Löhne zahlen konnten.“ Denn Ressle – das betont Isabella Rauch immer wieder – versteht sich als Familienbetrieb. „Da gilt es, auch in schwierigen Zeiten zusammenzustehen.“ Im Kerngeschäft sind bei Ressle derzeit 25 Angestellte beschäftigt, die im Schnitt seit rund 14 Jahren dem Betrieb angehören.

Mit den Olympischen Spielen entstand ein zweiter Geschäftszweig

Vor mehr als 65 Jahren wurde das Autohaus von Isabella Rauchs Großvater Georg Ressle gegründet. Nach dessen plötzlichem Tod übernahmen 1978 ihre Eltern das Geschäft. „Sie haben immer gut gewirtschaftet und sinnvoll investiert“, sagt die 40-Jährige, deren Schwester Christina im Geschäft für die Buchhaltung und den kaufmännischen Bereich zuständig ist. „Das wollen wir natürlich fortführen.“

Nachdem Isabella Rauch eine Lehre zur KfZ-Mechatronikerin und anschließend ein Wirtschaftsingenieurstudium absolviert hatte, stieg sie 2008 in den Betrieb ein. „Eigentlich habe ich schon, seit ich sprechen kann, gewusst, dass ich das Autohaus irgendwann übernehmen will“, sagt sie.

Corona-Krise traf vor allem den Fahrdienst

Doch das Ludenhausener Unternehmen ist längst nicht nur ein Autohaus. Nach den Olympischen Spielen in München 1972 erwarb Georg Ressle einige Shuttlebusse, die zur Beförderung der Athleten gedient hatten, und etablierte damit einen zweiten Geschäftszweig: Die Fahrzeuge wurden fortan dazu genutzt, Kinder aus dem Landkreis zur Landsberger Lebenshilfe zu bringen. „Mein Großvater hatte selbst einen behinderten Sohn – er hat also aus der Not eine Tugend gemacht“, sagt Isabella Rauch.

Heute sind rund 110 Minijobber beschäftigt, die vor allem Kleinkinder und Menschen mit Behinderung durch die Landkreise Landsberg und Starnberg befördern und betreuen. Der Lockdown – und die damit verbundene Schließung von Schulen und sonstigen Einrichtungen – traf den Fahrdienst hart. „Der Fahrbetrieb stand von jetzt auf gleich komplett still“, sagt Isabella Rauch. Viele der Kleinbusse hätten abgemeldet werden müssen. Inzwischen sei das Geschäft zwar wieder angelaufen, aber nicht voll ausgelastet. „Ich hoffe einfach, dass uns ein zweiter Lockdown erspart bleibt.“

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