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Egling

05.01.2019

Wie der Bacherkramer in Egling modern und ein bisschen irisch wurde

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4 Bilder
Der alte Kramerladen Bacher und Kramer in der Badstraße wurde restauriert.
Bild: Thorsten Jordan

Gabriele O´Donnabháin und ihr Mann Dònal haben mehrere Jahre das Elternhaus in Egling renoviert. Welche Herausforderungen sie dabei meistern mussten.

Vor fast drei Jahren hat die Familie O´Donnabháin das Stadtleben in München-Haidhausen aufgegeben. Sie ist nach Egling in den Heimatort von Mutter Gabriele, eine geborene Geier, gezogen und hat dort das denkmalgeschützte Haus ihrer Familie aufwendig wieder hergerichtet. „Viel Geduld und ein langer Atem waren notwendig“, sagt Mutter Gabriele, die mit ihrem irischen Mann Dònal und den drei Kindern Oscar (sechs Jahre), Hanna (3) und dem im Oktober geborenen Magnus das renovierte Bauernhaus in der Badstraße 1 bewohnt.

Erwähnt wird das Anwesen Kramer bereits 1715, auch Bacherkramer genannt, und früher in Egling unter der Hausnummer 41 geführt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Anwesen laut den Aufzeichnungen im alten Heimatbuch Eglings im Besitz von Simon und Maria Bacher. 1946 heiratet der aus Schöffelding stammende Georg Widmann in das Anwesen ein. Seine Ehefrau Hildegard ist eine geborene Bacher. Neben der Landwirtschaft werden im Anwesen ein Kramerladen und ein Eisenwarenhandel betrieben.

Bis Ende der 70er-Jahre gab es noch eine Landwirtschaft

In den 50er-Jahren wird das Haus renoviert und erhält in etwa die heutige Außenansicht. Bis Ende der 70er-Jahre wird auf dem Anwesen Landwirtschaft betrieben. Später steht das Haus rund zehn Jahre leer und wird dann von der Mutter, Elisabeth Geier-Beck, geborene Widmann, an Tochter Gabriele übergeben.

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Sie beginnt 2014 mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Mutter mit der Renovierung und Modernisierung des Anwesens. Nach alten Plänen begleitet der Restaurierungs- und Kirchenmaler Hans Pfister die Arbeiten am denkmalgeschützten Gebäude. „Er war und ist uns eine große Hilfe“, sagt Gabriele O´Donnabháin im Gespräch mit dem Landsberger Tagblatt.

Im alten Gewölbekeller werden die Vorräte gelagert

Die Außenansicht des in der Barockzeit gebauten Hauses wird von einer Portaltüre mit reich geschweiftem Türstock dominiert und macht das Gebäude zu einem wahren Schmuckstück. Die Türe gilt laut Hans Pfister als eine der schönsten Portaltüren im Landkreis. Durch den Tausch von Grundstücksanteilen konnten die Grenzen zu den Nachbarn begradigt werden und zur Haupt- und Badstraße finden kleine Vorgärten Platz.

Am Gebäude wurde der gebeilte Dachstuhl mit gesägten Deckenbalken- und Sparrenköpfen erhalten, ebenso die alte Eichentreppe hoch in den ersten Stock, die fachmännisch gedoppelt wurde. Der alte Gewölbekeller mit seiner steilen Steintreppe dient als Lagerraum für Vorräte. Aus dem Kuhstall ist eine Garage für die Autos geworden. Als echte Herausforderungen haben sich neben denkmalrechtlichen Aspekten die leichte Hanglage mit der Entwässerung hin zur Hauptstraße, die Trockenlegung der feuchten Außenwände und die verschiedenen Raumhöhen im Innenbereich erwiesen.

Kennengelernt haben sich die beiden am Arbeitsplatz

Zu Ostern 2016 hat die junge Familie die Enge und Hektik der Stadt gegen nun großzügige Wohnverhältnisse und einer aus ihrer Sicht gute Infrastruktur mit viel Natur sowie Kindergarten und Schule in Wohnnähe getauscht. Zudem sei mit der örtlichen Metzgerei und dem Bäcker auch die Versorgung für den täglichen Bedarf gesichert. Und auch der aus Irland stammende Dònal O´Donnabháin hat sich im nördlichen Landkreis gut eingelebt.

Der in der Halbleiterindustrie tätige Elektroingenieur ist aus beruflichen Gründen aus dem südirischen Cork nach München gekommen und hat dort am Arbeitsplatz seine Ehefrau kennengelernt oder war es umgekehrt? Denn Gabriele O´Donnabháin, gelernte Bankkauffrau und damals in der Finanzabteilung des Unternehmens beschäftigt, erzählt lachend: „Im Arbeitsumfeld lernt man die Männer unverfälscht kennen, so wie sie wirklich sind.“ Und wenn man die junge Familie erlebt, in ihrem neuen Domizil „Beim Kramer“ so der Hausname, scheint es zu passen.

Die Familie ist Stolz auf das Umbauprojekt

Stolz ist die Familie auf das Geleistete. „Wir haben das mit viel Eigenleistung und mit fachmännischer Unterstützung der örtlichen Handwerker sowie der beteiligten Behörden bewältigt“, sagt Elisabeth Geier-Beck, „auch wenn wir bei der Raumeinteilung viele Kompromisse eingehen mussten.“ Es sei eine echte Familienleistung gewesen, dass die junge Familie in die alte Substanz des Elternhauses mit moderner Technik eine neue Heimat gefunden habe, betont Gabriele O´Donnabháin.

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