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Windach

20.06.2020

Wie der Windacher Metzger Mehrweg erhalten will

Der Windacher Metzger Martin Neugebauer will mit einem Pfandboxen-System den Plastikmüll reduzieren.
Bild: Dagmar Kübler

Plus In der Corona-Zeit sind wiederverwendbare Taschen und Behälter bei Bäcker und Metzger nicht gern gesehen. Martin Neugebauer aus Windach setzt deshalb auf ein Pfandsystem.

Plastik sparen ist im Trend, und so hat es sich bei umweltfreundlichen Konsumenten eingebürgert, mit der eigenen Tupperdose zum Metzger zu gehen. Eine Idee, die mit den coronabedingten Hygieneauflagen ein – vorläufiges – Ende gefunden hat. Doch genau in der Zeit, in der Mehrweggefäße aus den Läden verschwanden, feierten sie in der Metzgerei Schreyegg in Windach ihren Einzug. Juniorchef Martin Neugebauer, Metzger in fünfter Generation, hat ein Boxen-Pfandsystem eingeführt und verwendet die Boxen auch selbst in der Produktion, um Plastikmüll zu vermeiden. In diese großen Gefäße füllt er beispielsweise bereits eingelegte Steaks und vakuumiert die Boxen. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Ware so länger haltbar ist.

Argumente, die von Anfang an auch die Kunden der Metzgerei überzeugten. Nach einer sechsmonatigen Vorbereitungszeit bot Neugebauer die mit dem Schreyegg-Logo bedruckten Boxen, die für Kunden in vier Größen erhältlich sind, im Laden an. „Schon nach drei Tagen war alles abverkauft, und wir mussten nachbestellen“, freut sich der 22-Jährige über den Erfolg seiner Idee. Inzwischen sind über 180 Boxen im Umlauf, weitere Nachbestellungen laufen.

Die benutzten Boxen werden in der Metzgerei gespült

Und so funktioniert das System: Der Kunde kauft eine Box in der Größe seiner Wahl. Beim Einkauf von Fleisch- und Wurstwaren kann er sich statt der üblichen Plastikfolie zur Trennung auch für eine kompostierbare aus Kieferfasern entscheiden – oder komplett darauf verzichten. Beim nächsten Einkauf bringt der Kunde die Box wieder mit und legt sie in eine Plastikwanne im Verkaufsraum. Seinen Einkauf erhält er in einer frischen Box gleicher Größe aus der Metzgerei. Die benutzten Boxen werden über Mittag oder nach Ladenschluss in der Metzgerei gespült. Dazu werden sie, entsprechend der Vorschriften, nicht über die Theke gereicht. Wer seine Box nicht mehr benötigt, erhält den Kaufpreis rückerstattet.

Wie der Windacher Metzger Mehrweg erhalten will

Auch das Kaufdatum lässt sich einstellen

„Die Boxen sind massiv und hochwertig gefertigt und außerdem geeignet für Gefrierschrank, Mikrowelle und Geschirrspüler“, erklärt Neugebauer. Das Vakuumieren der Box wird von den Kunden sehr gern in Anspruch genommen, da es die Haltbarkeit der Ware um eine Woche verlängert. Um das Vakuum aufzulösen, muss einfach der Gummistöpsel am Deckel gelöst werden. Eine Besonderheit ist die Rücknahme durch den Hersteller, sollten bei Boxen, zum Beispiel durch einen Aufprall auf dem Boden, einmal Risse entstehen. Dann kauft der Hersteller die Box zum kleinen Preis auf, um das Material für neue Boxen zu recyceln. Damit immer im Gedächtnis bleibt, wann die Wurst gekauft wurde, lässt sich am Deckel sogar das Datum einstellen.

Über mangelndes Kaufinteresse kann sich Neugebauer mit oder ohne Boxen nicht beklagen, auch nicht während Corona-Zeiten. Der Metzger kauft beispielsweise sein Weidelamm vom Bauern in Dürrhansl und Zutaten wie Petersilie, Majoran und Chili in der hiesigen Bio-Gärtnerei Hand & Erde. Die Nachfrage speziell nach regionaler Ware sei seit Corona sogar noch einmal gestiegen, freut sich Neugebauer – und auch nach der handwerklichen Arbeit eines Metzgers: Sechs Grillseminare, in denen er auch das Zerteilen von Fleisch zeigt, sind bereits komplett ausgebucht. Coronabedingt müssen sie jedoch in den Herbst verschoben werden. Im vergangenen Jahr zeigte Martin Neugebauer den Frauenbund-Frauen auch, wie man ein geschlachtetes Schwein zerlegt.

Neben den Pfandsystemboxen gibt es eine weitere Neuerung in der Metzgerei Schreyegg: ein Verkaufsautomat stillt den Hunger auf Fleisch auch nach Ladenschluss oder am Wochenende.

Ein Müllproblem verursachen auch Coffee-To-Go-Einwegbecher. Aber auch hierfür gibt es Alternativen, zum Beispiel in Landsberg: Die Stadt Landsberg will mehr Kaffee-Mehrwegbecher

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