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Windach

24.02.2019

Wie der Windacher Schlossmarkt zum Erfolgsmodell wurde

Seit zehn Jahren gibt es den Schlossmarkt in Windach. Sabine Schauz (links) und Geschäftsführerin Britta Renner sind von Anfang an dabei.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Vor zehn Jahren begann das Bürgerprojekt Dorfladen. Heute ist es aus dem Ort nicht mehr wegzudenken. Ein Blick hinter die Kulissen.

„Ab jetzt entscheiden die Windacher“. Mit diesen Worten von Vorsitzendem Rudolf Fromknecht eröffnete am 26. Februar 2009 in Windach der Schlossmarkt seine Pforten. Zehn Jahre später haben die Windacher längst entschieden: ihr kleiner Dorfladen gehört für sie zum Ort wie die Kirche ins Dorf. Es ist ein gepflegter kleiner Laden im Herzen von Windach, wenn auch für Ortsunkundige ein klein wenig versteckt.

Britta Renner, wie Rudolf Fromknecht, Mitglied im Genossenschaftsvorstand und Frau der ersten Stunde, erinnert sich: „Ich war damals eigentlich für die Inneneinrichtung zuständig.“ Jeder hatte so seine Aufgabenbereiche, um die er sich kümmerte. Noch kurz vor der Eröffnung schob sie Rollwagen mit Ware für die Regale durch die Gänge, Vorstand und Aufsichtsrat waren dabei, packten alle nach Kräften mit an. Das ist das Markenzeichen und die Lebensversicherung des Schlossmarktes: der Zusammenhalt und die Überzeugung, sich für die richtige Sache zu engagieren – und das vielfach ehrenamtlich. „Wir im Vorstand und dem Aufsichtsrat arbeiten alle unentgeltlich.“ Sie selbst werde als Marktleiterin für 15 Stunden bezahlt, ihre Wochenarbeitszeit geht aber oft weit über die Stundenzahl einer Vollbeschäftigung hinaus.

Bürger wollten Laden retten

Getragen wird der Schlossmarkt von einer Genossenschaft von 350 Bürgern aus Windach und Umgebung. Ausgangspunkt war 2007 die Entscheidung des damaligen Betreibers eines Lebensmittelmarktes, in den Ruhestand zu gehen. Die Windacher wollten aber ihren Laden mitten im Ort retten. Eine Initiative erarbeitete ein Konzept und gründete im Frühjahr 2008 eine Genossenschaft. Innerhalb kurzer Zeit zeichneten Bürger aus Windach und Umgebung insgesamt 564 Anteile à 150 Euro. So kamen knapp 85000 Euro zusammen.

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So lief es im ersten Jahr: Schlossmarkt besteht seit einem Jahr

Und dann ging es los. Innerhalb von sechs Wochen wurde mit vielen Freiwilligen-Stunden der Laden komplett renoviert, eine neue Einrichtung beschafft, Kassensysteme und EDV installiert und die Erstausstattung eingeräumt. Lieferanten mussten gesucht werden, Personal eingestellt. Das alles war für die meisten völlig neu und ungewohnt. Britta Renner erinnert sich lachend: „Bis dato ging ich immer nur einkaufen.“ Aber sie sagt auch: „Die Motivation war groß.“

Große Auswahl an Bio-Artikeln

Der Schlossmarkt basiert auf dem Konzept der „Dorfläden“, weil von Bürgern getragen, ist aber weit mehr. Auf einer Verkaufsfläche von rund 340 Quadratmetern bietet der Laden mit mehr als 4000 Artikeln ein Vollsortiment an Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs. Einen Schwerpunkt bildet das Frischesortiment mit Obst und Gemüse, Molkereiprodukten, einer großen Käseauswahl, Wurst und fangfrischem Fisch. Den zweiten Schwerpunkt stellt die große Auswahl an Bio-Artikeln sowie eine Fülle an regionalen Produkten dar. Britta Renner: „Wir haben uns schnell positiv entwickelt.“ Das halte bis heute an. Inzwischen gehören zum Schlossmarkt auch noch ein Fotoservice, eine Reinigungsannahme, einen Paketshop sowie eine Lotto-Annahmestelle. Außerdem sind ein Backshop und ein kleines Café in den Laden integriert.

Der Schlossmarkt ist nicht nur Einkaufsmöglichkeit, man trifft sich – Alt wie Jung. Handwerker verbringen dort die Arbeitspausen, Senioren schätzen den Ratsch mit Freunden. Sind die Mitbürger nicht mehr so gut bei Fuß, liefert der Schlossmarkt frei Haus. Insgesamt 1538 Schüler in sechs Schulen und vier Kindertagesstätten bekommen einmal in der Woche frisches Bio-Obst, finanziert aus einem EU-Schulprogramm. Täglich nutzen heute so laut Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Altschäffl 300 bis 400 Windacher die Gelegenheit einzukaufen, wo sie zuhause sind und das Auto stehen zu lassen. Nach ersten Jahren mit Verlusten erwirtschaftet der kleine Schlossmarkt heute ein kleines Plus. Darauf ist Britta Renner stolz: „Wir liegen inzwischen über den Planungen.“

An die Grenzen gestoßen?

Ob nun aber der Markt nach zehn Jahren an seine Grenzen gestoßen ist, auch darüber macht man sich Gedanken. Insgesamt arbeiten zwar zwölf Mitarbeiterinnen (darunter ein Mann) im Service. Aber auch Genossenschaftsmitglieder helfen ehrenamtlich mit. Sie betreuen einzelne Sortimentbereiche als „Regalpaten“. Ohne dieses Engagement würde der Schlossmarkt nicht oder nur viel schlechter funktionieren. Dennoch könnte das Projekt wieder mehr Helfer brauchen. Der Enthusiasmus vom Anfang habe nämlich spürbar nachgelassen. „Wir sind alle älter geworden und der Nachwuchs fehlt.“ Die Arbeit laste inzwischen auf wenigen Schultern.

Auch die Gemeinde Windach schätzt dieses Genossenschaftsprojekt offenbar sehr. Auf der Tagesordnung der morgigen Sitzung steht unter Punkt 10: „Schlossmarkt Windach, erwerb von Geschäftsanteilen anlässlich des 10-jährigen Jubiläums.“ Die Sitzung beginnt um 19.30 Uhr im Rathaus.

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