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Landkreis Landsberg

10.05.2019

Wie die Bundeswehr Handwerker ködern will

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Die Bundeswehr will unter anderem in den Standort Penzing noch einmal mehrere Millionen Euro investieren. Allerdings haben viele Handwerker wie Metallbauer Rudolf Aigster aus Pflugdorf viele Aufträge und beteiligen sich kaum noch an Ausschreibungen von Bund, Ländern und Kommunen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Elektriker, Metallbauer & Co. haben volle Auftragsbücher. Das stellt Staat und Gemeinden vor Probleme. Wenn sie Aufträge ausschreiben, bekommen sie kaum Angebote. Jetzt gibt es eine Offensive.

Dicke Aufträge für die Bauwirtschaft winken bei der Bundeswehr in den nächsten Jahren im Dreieck zwischen Bodensee, Ries und Werdenfels. Diese Botschaft wollen die Staatlichen Bauämter – auch das für den Landkreis Landsberg zuständige Amt in Weilheim – demnächst Baufirmen und Ingenieurbüros vermitteln. Grund dafür ist, dass Handwerksbetriebe in Zeiten guter Konjunktur wenig Angebote bei Ausschreibungen von Staat und Kommunen abgeben. „Es gibt Ausschreibungen, bei denen niemand ein Angebot abgibt. Und wenn es nur einer oder zwei sind, dann ist das kein Wettbewerb, das merkt man über die Preise“, beschreibt Peter Aumann, der Hochbauchef beim Staatlichen Bauamt in Weilheim, die Lage. Deshalb geht der Staat mit einer Infoveranstaltung in die Offensive.

Die Staatlichen Bauämter wollen nun speziell für den Auftraggeber Bundeswehr werben. Im südwestbayerischen Raum gehe es um Baumaßnahmen mit einem Volumen von rund 200 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren, so Aumann. Ob die Werbekampagne fruchtet, ist jedoch ungewiss. Denn die Handwerker sind gut mit Aufträgen versorgt, sagt der Landsberger Kreishandwerksmeister Michael Riedle. Gerade deshalb will Aumann den Handwerkern vermitteln, dass es bei der Bundeswehr auch in einigen Jahren noch viel zu tun gebe – wenn vielleicht die Konjunktur nicht mehr so brummt wie jetzt. Und mit der Infoveranstaltung wolle man den Firmen eine etwaige Scheu vom Auftraggeber Bundeswehr nehmen, indem über die Besonderheiten der Ausschreibungs- und Vergabeverfahren informiert wird.

In die Bundeswehrstandorte in der Region sollen mehrere Millionen Euro investiert werden

Auch für die Handwerker in Landsberg gibt es nah erreichbare Baustellen. Am bisherigen Flugplatz in Penzing geht es um ein Auftragsvolumen von rund sieben Millionen Euro, in der Welfenkaserne um rund 2,8 Millionen Euro und in Altenstadt um mehr als 13 Millionen, nennt Aumann als Beispiele. Dass es die öffentliche Hand schwer hat, Firmen zu finden, wird auch im Landkreis deutlich: So ging der erste Versuch, eine Baufirma für die neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke über den Lech in Landsberg zu finden, ziemlich schief: Kein einziges Unternehmen interessierte sich für den Millionenauftrag. Oder es wird teurer als gedacht: Bei der Realschule in Schondorf liegen die Kosten derzeit rund zwölf Prozent über den Vorab-Berechnungen.

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„Noch geht es immer gerade so“, sagt der Sprecher des Landratsamts, Wolfgang Müller, über die Situation, in der sich der Landkreis als Bauherr befindet, „aber es wird schwieriger und teuer.“ Werbemaßnahmen bei Handwerkern habe der Landkreis bislang nicht unternommen. Aber die Info-Veranstaltungen für die Bundeswehr seien „eine gute Idee“, die man vielleicht aufgreifen könne. „Es stimmt, dass öffentliche Aufträge sehr wenig angenommen werden“, bestätigt Kreishandwerksmeister Michael Riedle.

Die Verfahren sind oft aufwändig

Die Firmen seien ausgelastet. „Da werden dann in erster Linie die Stammkunden bedient“ und das seien private Auftraggeber. Für diese arbeiten die Handwerker in der Regel lieber. „Es ist einfach das Handling“, sagt Riedle. Das fange bei Staat und Kommunen schon mit dem förmlichen Ausschreibungs- und Vergabeverfahren an. „Beim kleinsten Verfahrensfehler wird man ausgeschlossen“, sagt Riedle. Dann habe man oft mit Architekten und Projektsteuerern zu tun: Viele seiner Kollegen gewännen dabei den Eindruck, „dass deren Aufgabe ist, einen Mangel zu finden und etwas abzuziehen“. Handwerker seien aber Pragmatiker und „lösen ein Problem lieber, ohne dass ein Zettel geschrieben wird“. Bei privaten Auftraggebern sei alles „ein klein wenig unkomplizierter“. Privaten Kunden sei wichtig, dass der Handwerker aus der Nähe sei, auch wenn er vielleicht etwas mehr koste.

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