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Unwetter

13.06.2019

Wie die Landsberger gegen die Hagelsturm-Schäden ankämpfen

Dachdeckermeister Christian Fuchs beseitigt Schäden an einem Dach. Vieles ist bei dem Hagelsturm am Pfingstmontag zu Bruch gegangen. Für Handwerker gibt es viel zu tun.
Bild: Thorsten Jordan

Der Hagel hat seine Spuren hinterlassen. Glaser, Zimmerer, Dachdecker und Kfz-Experten im Landkreis Landsberg machen Überstunden, um die Folgen zu beseitigen.

Zerbeulte Autos, durchschlagene Fenster und abgedeckte Dächer: Der Hagelsturm vom Pfingstmontag hat große Schäden hinterlassen , und die müssen jetzt behoben werden. Handwerksbetriebe im Landkreis Landsberg stellt das auf die Probe.

„Bei uns ist die Hölle los“, sagt Ludwig Schweiger senior vom gleichnamigen Ford-Autohaus in Utting. Er schätzt, dass in die Werkstatt 50 Autos mit Hagelschaden gekommen sind. In einem ersten Schritt würden jetzt Scheiben und Leuchten repariert, um die Autos wieder fahrtüchtig zu machen. Erst in einem zweiten Schritt würde die Karosserie überarbeitet. „Ab Mittwoch haben wir zwei Dellenspezialisten bei uns.“ Ludwig Schweiger kann sich noch an das Hagelunwetter von 1984 erinnern: „Das war der letzte große Schaden, aber es war nicht ganz so intensiv.“ In der Masse hätte er es so noch nicht erlebt.

Ein Autohaus hat selbst viele beschädigte Autos

Nicht nur Autos von Kunden wurden vom Hagel zerdengelt, auch rund 40 Fahrzeuge des Autohauses sind beschädigt. „Außerdem die Westfront, die Pylone und Bereiche der Tankstelle.“ Schweiger schätzt, dass es an die vier Monate dauern wird, bis alle Schäden an den Fahrzeugen abgearbeitet sind. „Wir haben am Dienstag bis 22.30 Uhr gearbeitet, und es wird die Woche so weitergehen.“

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Auch beim Autohaus Huttner in Landsberg werden Überstunden gemacht. „Wir haben zwei Mechaniker aus dem Urlaub geholt“, erzählt Michael Huttner. Rund 40 Kunden, deren Fahrzeuge Hagelschäden haben, seien bisher ins Autohaus gekommen. Und es werden noch mehr werden. Denn wer nur Beulen von den Hagelkörnern hat, wartet nach Huttners Erfahrung auf die Entscheidung der Versicherung, bevor er in die Werkstatt fährt.

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11 Bilder
Hagelsturm hinterlässt Spur der Verwüstung - auch in der Region
Bild: Karl-Josef Hildenbrand

„Die Schäden sind teilweise immens, schätzungsweise bis zu 20.000 Euro.“ Michael Huttner hat so etwas noch nicht erlebt. Bei manchem Auto könne man die komplette Karosserie austauschen. Und die Dellen seien teilweise so tief, dass auch der Dellendrücker sie nicht mehr beheben könne. Darum rät Huttner Autobesitzern, bei denen die Versicherung höchstwahrscheinlich einen Totalschaden feststellen wird, beim Einbau einer Scheibe vorsichtig zu sein. Denn das wird seiner Information nach möglicherweise nicht mehr übernommen, wenn ein Totalschaden festgestellt und entsprechend vergütet wird.

Dachdeckermeister Christian Fuchs aus Hofstetten ist seit Montagabend damit beschäftigt, Hagel- und Sturmschäden zumindest soweit abzusichern, dass kein weiterer Schaden eintritt. Hagenheim, Utting, Finning, Hofstetten und Schondorf – aus diesen Orten riefen ihn Leute um Hilfe an. Nach welcher Reihenfolge arbeitet er die Aufträge ab? „Zuerst kommen die gravierendsten Fälle, dann die Stammkunden.“ Ganz schlimm getroffen habe es beispielsweise mit Biberschwanz gedeckte Dächer. Diese Dachplattenform sei dünner als der Falzziegel.

Ein Dachdeckermeister hat an einem einzigen Tag 20 Dächer abgesichert

Fuchs erzählt, dass er hauptsächlich Dachfenster abdichte und einzelne Ziegel nachstecke. Wenn bei Dächern großflächiger Ziegel fehlten, kämen zur Absicherung eher Zimmereien infrage, die entsprechende Planen auf Lager hätten. Von 17.30 bis 22.30 Uhr sei er am Montagabend unterwegs gewesen und habe sicherlich zehn Dächer abgesichert und am Dienstag noch einmal 20. Am Mittwochnachmittag widmete sich Christian Fuchs erst einmal dem eigenen Haus, denn auch dort wurden Dachfenster zerschlagen.

Um Dächer und Dachfenster zu sichern, dazu waren auch viele Zimmerer unterwegs. „Der Großteil der Notsicherungen ist am Dienstag schon erledigt worden, sagt Innungsmeister Reinhold Schuster aus Geltendorf. Er rät dazu, nicht selbst aufs Dach zu steigen, sondern auf den Handwerker zu warten: „Die Unfallgefahr ist sehr groß.“ Nicht nur, dass der Laie an den moosigen Ziegeln abrutschen könne. Wenn die Dachziegel weg seien und nur noch ein Unterdach vorhanden sei, bestehe auch die Gefahr, dass man durchbricht. „Besser einen Wasserschaden, als sich zu verletzen.“

Man versuche, Kunden mit Hagelschaden vorzuziehen, die normalen Baustellen könne man vielleicht ein bis zwei Tage schieben, meint Schuster. Die grundsätzliche Problematik: „Die Auftragsbücher sind voll und jetzt kommt noch das dazu.“

Auch Glasermeisterin Sophie Dellinger aus Seefeld war am Dienstag bis um 21.30 Uhr in Sachen Hagelschaden im Fünfseenland, darunter in Schondorf, im Dauereinsatz. Zuerst muss sie die Maße nehmen, bevor sie beispielsweise Dachfenster reparieren kann. „Bis das bestellte Isolierglas kommt, dauert es ungefähr eineinhalb bis zwei Wochen.“

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