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Landsberg

21.11.2017

Wie ein Altstadthaus zum Schmuckstück wird

Ein Haus im Wandel: Innen wird alles neu und außen ist eingerüstet. Das rote Haus am Vorderanger.
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Ein Haus im Wandel: Innen wird alles neu und außen ist eingerüstet. Das rote Haus am Vorderanger.
Bild: Julian Leitenstorfer

Das rote Haus im Landsberger Vorderanger ist momentan noch Baustelle. Der Architekt René Mitscherlich nimmt das LT mit auf eine Erkundungstour.

Wohnen in der Altstadt. So heißt eine unserer Serien im LT. Doch nicht nur wohnen, sondern auch das Bauen in der Innenstadt kann reizvoll sein. Der Architekt René Mitscherlich erlebt das gerade im Landsberger Vorderanger. Dort saniert er das Haus mit der Nummer 238 in unmittelbarer Nähe des Sandauer Tors und des Färberhofs. „Das war eine echte Ruine, wir mussten alles rausreißen und vor allem die Statik neu berechnen“, so Mitscherlich. 500 Seiten umfassen allein die Statikberechnungen für dieses Haus. „Wir mussten Angst haben, dass sonst alles einstürzt.“ Im roten Haus war in früheren Zeiten ein Fuhrunternehmen namens „Münchner Bot’“. So soll das Haus auch künftig wieder heißen.

„Ein dreigeschossiger Traufseitenbau mit Ohrwaschelgaube im Kern spätmittelalterlich“ heißt es im Buch „Die Kunstdenkmäler von Bayern“, das vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege herausgegeben wird. Und wie wichtig das Bauen in der Altstadt für das Stadtbild ist und wie viele Auflagen von den Denkmalschützern es gibt, darüber weiß René Mitscherlich auch viel zu berichten. „Ich habe zwei alte Treppen im Haus, die müssen wir erhalten. Der Aufzug musste dann in den neueren Teil des Hauses.“ Mitscherlich hat all diese Auflagen erfüllt und durfte bauen.

Oft beschäftigen die alten Häuser die Juristen

Zeigt sich ein Eigentümer einer Altstadt-Immobilie uneinsichtig, biete die 2006 erlassene „Altstadtsatzung“ ein „reichhaltiges Instrumentarium“ an Zwangsmitteln, sagt Ordnungsamtschef Ernst Müller. „Jeder unserer Eingriffe geht in der Regel aber nicht klaglos ab“ – sprich Hauseigentümer wehrten sich gegen Bußgeldbescheide und Rückbauverpflichtungen. „Da müssen sie dem Richter gut erläutern, warum etwas ein erheblicher Eingriff und deshalb unzulässig ist“, sagte Müller in einer Bauauschusssitzung.

Mitscherlichs Haus war früher und wird sicherlich wieder ein Schmuckstück werden. Der Dachstuhl des Hauses ist von 1567. Das Gebäude wurde im 18. Jahrhundert umgebaut und hat seitdem viele Umbauten erlebt, die, so Fachmann Mitscherlich, ein Mix aus vielen Stilrichtungen waren. 1927 wurde eine Huf- und Wagenbau-Schmiede eingebaut, das Gebäude dann 1990 entkernt.

Ende des Jahres wollen die Besitzer einziehen 

In den vergangenen Jahren war es ein Wohn- und Geschäftshaus und das soll es auch wieder werden. „Wir haben mit einem Kran schon jede Menge Material weggebracht. Ende 2018 ist das Haus hoffentlich wieder so hergestellt, dass wir einziehen können.“ „Wir“, damit meint er seine Frau und sich, die im Dachgeschoss leben und arbeiten werden. „Mit einer schönen Dachterrasse.“ Darunter wird eine zweite Wohnung entstehen und im unteren Teil des Gebäudes ein Bistro. Mitscherlich ist mitten in den Arbeiten, das ganze Haus ist eingerüstet und man sieht und hört ihm die Freude am Objekt an.

Momentan ist alles noch ziemlich im Anfangsstadium – Planen decken einen Großteil der Baustelle ab und überall sieht man alte Holzdielen und ein sehr brüchiges Gemäuer in der Decke. Es herrscht gerade Winterruhe.

Mitscherlich ist übrigens als Architekt spezialisiert auf Altbausanierungen. So sanierte er auch das Pfarranwesen aus dem Jahr 1449 in der Gemeinde Grunertshofen (Landkreis Fürstenfeldbruck). Mitscherlich ist gelernter Schreiner und der Sohn des Arztes, Psychoanalytikers und Schriftstellers Alexander Mitscherlich.

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