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Dießen/Australien

10.01.2020

Wie ein Dießener die Buschbrände in Australien erlebt

Ein verletzter Koala mit eingesalbter Nase ruht sich im «Kangaroo Island Wildlife Park» aus. Er konnte aus einem der verheerenden Buschfeuer in Australien gerettet werden.
Bild: David Mariuz/AAP/dpa

Plus Marcel Renault reist derzeit durch den Osten von Australien. Der Dießner war im verrauchten Sydney und hat verbrannte Wälder und Landschaften gesehen. Er berichtet aus dem Land der Buschbrände.

„Ich bin absolut sicher hier.“ Marcel Renault befindet sich seit Anfang Dezember in Australien, derzeit nahe Brisbane. Überall stößt der 54-jährige Dießener auf die Spuren der verheerenden Buschfeuer. Dem Landsberger Tagblatt hat er erzählt, in welcher Lage er sich vor Ort befindet.

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Der Dießener Marcel Renault ist derzeit in Australien.
Bild: Marcel Renault

In Australien wüten seit dem vergangenen Herbst vor allem im Südosten des Landes in einem bisher noch nie vorgekommenen Ausmaß Feuer, die Landschaft, Tierwelt und Siedlungen verwüsten. Mindestens 26 Menschen sind ums Leben gekommen. Nach Angaben der Meteorologie-Behörde war der vergangene Sommer 2018/2019 der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen und auch der regenärmste auf dem Kontinent. Marcel Renault kam am 4. Dezember in Sydney an. „Beim Anflug – die Route geht von Perth nach Sydney über halb Australien – hat man schon den ganzen Rauch gesehen.“ Sydney sei an manchen Tagen in dichten Rauch gehüllt gewesen, „je nachdem, wie der Wind stand“. Die Menschen hätten Mundschutz oder sogar Gasmasken getragen, das sei schon unheimlich gewesen.

Jeder kennt einen Betroffenen

Marcel Renault lebte vor 30 Jahren ein Jahr in Australien und hat viele Freunde dort, wie er erzählt. Die erste Zeit sei er in Sydney gewesen, dann auf der Insel Tasmanien im Süden. „Auch in Tasmanien brennt es.“ Getroffen habe es auch Kangaroo-Island nahe Adelaide: Die Buschfeuer erreichten selbst Inseln, da der Funkenflug so stark sei. „Es ist megaheftig.“ Jeder Australier sei zumindest indirekt betroffen, da Freunde und Verwandte oft weit entfernt lebten: „Jeder kennt jemanden, dem das Haus niedergebrannt ist.“ Und es könne jeden treffen.

Wie ein Dießener die Buschbrände in Australien erlebt

Er sei nahe Sydney auf einer Hochzeit gewesen. Von den vielleicht 150 oder 160 eingeladenen Gästen hätten sicherlich an die 20 nicht kommen können, da sie aus Melbourne oder Canberra nicht herausgekommen seien. Diese Freunde hätten auch nicht gewusst, ob ihre Häuser gerettet werden können. Marcel Renault hat aber das Gefühl, dass die Australier grundsätzlich „tougher“ sind als Europäer, also härter im Nehmen.

Alles ist verbrannt, rechts und links der Straße

Er hat sich vor Ort einen Bus gekauft und ist damit von Sydney nach Byron Bay, einen Ort 150 Kilometer unterhalb von Brisbane, gefahren. „Rechts und links des Highways waren die Wälder verbrannt“, berichtet er über die mehr als 700 Kilometer lange Strecke. Aber die Buschfeuer seien schon erloschen gewesen, als er die Strecke fuhr. Außerdem seien die Brände im Osten nicht bis in die Strandregion gekommen, wie derzeit im Süden.

Seit Beginn der großen Buschfeuer im Oktober verbrannten in Australien mehr als zehn Millionen Hektar Land.
Bild: Rick Rycroft/AP/dpa

Auch wenn Buschfeuer auf diesem heißen Kontinent saisonal vorkämen, seien es diesmal die heftigsten Brände, die außerdem schon sehr lange anhielten. Der Musiker und Erzieher aus Dießen will aber den Eindruck, der wohl in Europa vorherrsche, entgegenwirken, dass ganz Australien brenne, was nicht so sei. „Es brennt nicht überall permanent.“ Auf seiner Facebook-Seite sind so auch idyllische Strandbilder von Byron Bay zu sehen. Es gebe jedoch Touristen, die ihre Urlaube absagten, was wirtschaftlich problematisch sei.

Das Wasser ist knapp

Es herrsche Wasserknappheit und wie bei uns die Verkehrsmeldungen würden „Water-Restricted“-Meldungen in Stufen von eins bis zehn durchgegeben. Sie enthielten Empfehlungen, wie man sich verhalten solle, das heißt beispielsweise maximal einmal pro Tag duschen und natürlich nur kurz. Abgestellt werde das Wasser aber nicht. Außerdem hätten viele der Bewohner des Hinterlands ihre eigene Zisterne.

"Heftig" findet Marcel Renault, dass der deutsche Sender RTL die 14. Dschungelcamp-Staffel in Australien – rund 50 Kilometer von Byron Bay entfernt – dreht, während Menschen um ihre Häuser bangten und Tausende Tiere dem Feuer zum Opfer fielen. „Die ganze Natur ist betroffen.“

Känguru hüpft am frühen Morgen durch das von Rauchschwaden vernebelte Buschland in Australien.
Bild: Lukas Coch/AAP/dpa

Der Klimawandel und die australische Klimapolitik sind zumindest im Freundeskreis von Renault Thema, wie er erzählt. Der Kohlebergbau sei in Australien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. An der Nordküste solle ein riesiger Kohlehafen gebaut werden. „Das ist ein politisch heikles Thema“, so Renault. Byron Bay sei aber auch eher ein Ort mit alternativer Kultur, während der Süden konservativer sei. Aber überall im Land gebe es Kritik an Premier Scott Morrison, der Urlaub in Hawaii gemacht habe, während es in seiner Heimat brannte.

Es ist über 40 Grad heiß

Marcel Renault ist zwar nicht direkt mit dem Feuer konfrontiert, die Hitze bekommt er aber zu spüren. 41 Grad heiß sei es bei der Hochzeit gewesen, und in einem Vorort von Sydney sei sogar ein Spitzenwert von 48 Grad erreicht worden. In Byron Bay habe es 40 Grad, aber dafür sei das Meer mit 18 oder 19 Grad angenehm kühl. (mit dpa)

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