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Landsberg

10.06.2019

Wie ein Landsberger dafür sorgt, dass Gaffer nichts mehr sehen

Sie soll Unfallstellen und vor allem Unfallopfer vor neugierigen Blicken schützen: die Gafferwand von Michael Kemény. Der Landsberger Abschleppunternehmer hatte sie schon mehrfach im Einsatz.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Der Abschleppunternehmer Michael Kemény aus Landsberg hat sich eine spezielle Wand zugelegt, um Unfallstellen vor neugierigen Blicken zu schützen.

Michael Kemény malt ein Horrorszenario: "Stellen Sie sich vor, Sie sehen auf Facebook, wie Ihr Partner nach einem Unfall gerade von der Feuerwehr aus dem Auto geschnitten wird." Das möchte sich niemand vorstellen und doch ist es gar nicht so unwahrscheinlich. Denn zuletzt gab es immer wieder Nachrichten über Gaffer, die an Unfallstellen vorbeifahren und Fotos beziehungsweise Videos von Opfern machen. Aber man kann dem einen Riegel vorschieben, nämlich mit einer "Gafferwand". Abschleppunternehmer Kemény aus Landsberg hat sich solch eine zugelegt und kämpft dafür, dass es andere Abschleppunternehmen ihm gleichtun.

"Gekauft hatte ich mir die Wand schon vor zwei Jahren", erzählt Kemény, hatte damals auch dafür bei der Polizei und den Feuerwehren geworben. "Doch dann habe ich sie wohl etwas stiefmütterlich behandelt." Vor Kurzem tauchte dann im Netz das Video mit dem Polizeibeamten auf, der Gaffer aufforderte, sich die Toten bei einem Verkehrsunfall doch von der Nähe anzusehen – das war Wasser auf Keménys Mühlen.

Momentan rückt er nur sporadisch damit aus

Doch die Fragen, wer den Einsatz der Wand bezahlen und vor allem, wer sie aufbauen würde, blieben. In Sachen Aufbau der Wand hat Michael Kemény eine recht nahe liegende Antwort: Das sollten die Mitarbeiter der Abschleppunternehmen machen. "Wir sind 24 Stunden im Einsatz." Denn weder von den Mitarbeitern der Straßenmeisterei noch der Feuerwehr könne dies geleistet werden.

So sieht die Gafferwand im Einsatz aus. Das Foto stammt von einem Unfall auf der A96.
Bild: Michael Kemény

Die Wand, die Kemény erworben hat, ist auch schnell aufgebaut: "Ich brauche etwa fünf Minuten", sagt er. Der nächste Vorteil: Man kann sie in einem normalen Pkw transportieren und auch alleine aufbauen. "Ich fahre sie hin, baue sie auf und dann kann ich eigentlich auch wieder wegfahren."

Die Wand steht innerhalb von wenigen Minuten

Vorstellen müsse man sich das System so: Die Folie wird ausgerollt, am Fuß mit Sandsäcken beschwert und dann mithilfe eines Gebläses aufgepumpt. Bei Polizei und Feuerwehr kam eine Demonstration sehr gut an und man einigte sich, dass man sie mehrmals kostenlos testen wolle und dann die Erfahrungen austausche. "Wir machen ein Riesending wegen des Datenschutzes und wenn jemand einen Unfall hat, ist alles aufgehoben? Es ist unsere Aufgabe, die Personen und ihre Angehörigen zu schützen", sagt Kemény. Und es gebe noch einen weiteren Vorteil: Auf der Gegenfahrbahn könnten mögliche Folgeunfälle vermieden werden. "Am vergangenen Montag kam die Wand zum Einsatz", erzählt Kemény von einem Lkw-Unfall auf der A96. "Als die Wand stand, ist der Verkehr auf der anderen Seite problemlos gelaufen." Dass er die Gafferwand mit seinem Firmenlogo bedruckt hat, sieht er nicht als Werbung.

Die Feuerwehr hatte die Wand auch schon ein paar Mal im Einsatz

Auch bei der Feuerwehr Landsberg steht man dem Thema sehr positiv gegenüber. Markus Obermayer, Zweiter Kommandant, hatte eine Gafferwand vor einigen Wochen bei einem Unfall auf der A96 im Einsatz. "Als sie aufgebaut war, gab es auf der Gegenfahrbahn keine Störungen mehr", erzählt er. Damals hatte man die Wand der Feuerwehr Kaufering ausgeliehen, allerdings benötigt man für diese zwei Mann, um sie zu sichern. "Gerade bei Unfällen tagsüber hat man da nicht das Personal dafür", sagt Obermayer. Er und seine Kollegen erleben bei Unfällen immer wieder "die Sensationsgier mancher Menschen" und findet die Wand deshalb "eine coole Sache". Dem kann Markus Rietig, Kommandant der Kauferinger Wehr, nur beipflichten. "Aber allein, wenn die Leute das Wrack nicht sehen, hilft es schon."

Das Besondere an der Wand von Michael Kemény ist nicht nur, dass sie schnell aufgebaut werden kann und nicht durch Personen gesichert werden muss, sie hält auch bei starkem Wind. "Außerdem kann man sie schnell verschieben, wenn es nötig ist", sagt der Landsberger Unternehmer. Etwa 3500 Euro kostet der aufblasbare Sichtschutz – Geld, das die Abschleppunternehmen selbst in die Hand nehmen müssten, denn mit Unterstützung vom Staat rechnet Kemény nicht. Er hofft auf die Kollegen in seinem Gewerbe, dass sie sich zu einer Anschaffung entschließen.

Lesen Sie auch den Kommentar: Liebe Gaffer, lasst ab sofort die Hände weg vom Handy und: Unfälle auf der Autobahn: Was die Polizei gegen Gaffer unternimmt.

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10.06.2019

Es ist wirklich traurig, dass so etwas notwendig ist. Nicht zuletzt, weil durch den auf-/Abbau der Wand Einsatzkräfte gebunden werden, die weit aus besser zu tun hätten und in letzter Konsequenz damit auch Steuergelder belasten.

Aber wenn eine Gesellschaft so abstumpft, dann muss man halt zu so einem Mittel greifen.

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