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Konzert

02.07.2020

Wie ein Musiker Verbindungen schafft

Organist Paolo Oreni (vorne) und Orgelbauer Siegfried Schmid vor dem Konzert in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Beim Landsberger Orgelsommer liefert Paolo Oreni eine Hommage an große Künstler

So schleichend es zu Beginn des Jahres gekommen war, so abrupt hatte Corona Mitte März das kulturelle Leben auch in Landsberg zum Erliegen gebracht. Der Faden schien gerissen. Und wird nun doch behutsam wieder aufgenommen von den Künstlern. Einer von ihnen ist der Organist und virtuose Meister seines Instruments Paolo Oreni. Aus Mailand war er der Einladung Johannes Skudliks gefolgt, um in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt die zweite Matinee des Landsberger Orgelsommers 2020 zu gestalten.

Und was er den exakt 100 – mittlerweile zugelassenen – Zuhörern in begeisternd temperamentvollem und gleichzeitig spirituellem Spiel bot, war nichts weniger als eine intellektuell wie sinnlich gleichermaßen erfahrbare Demonstration seiner Freude am kreativen Tun und Verbundenheit mit der Musik und Musikern gleichen Geistes. Lang war deshalb die Liste derer, denen er anlässlich der Wiederaufnahme seiner Konzerttätigkeit nach über dreimonatiger Zwangspause seine Referenz erwies. Das Programm las sich wie eine Ahnengalerie: Johann Sebastian Bachs Bearbeitung eines Violinkonzerts von Antonio Vivaldi, und dies wiederum in Jean Guillous Transkription für Orgel, war darauf verzeichnet, wie auch Franz Liszts Sinfonische Dichtung „Prometheus“, für Orgel transkribiert von Orenis 2019 verstorbenem Lehrer und Mentor Jean Guillou. Den Abschluss bildete ein Name, den man nicht zuallererst mit der Orgel in Verbindung bringen würde: der in seinem Jubiläumsjahr unbedingt zu würdigende Ludwig van Beethoven. Ihm widmete Paolo Oreni eine viersätzige Improvisation über Themen aus dessen Sinfonien. Das Schicksalsmotiv aus Beethovens Fünfter pochte sich mal dramatisch, mal leise drängend in Erinnerung, und auch die beinahe zur heimlichen Corona-Hymne avancierte „Ode an die Freude“ aus dem vierten Satz seiner 9. Sinfonie klang immer wieder an.

Trotz des Zugriffs auf Kompositionen bis weit zurück in die Barockzeit, das 18. sowie das 19. Jahrhundert, präsentierte Paolo Oreni dennoch mit jedem gespielten Ton rein zeitgenössische Musik. Er beschränkte sich nicht aufs Literaturspiel, sondern würdigte „seinen“ Bach über weite Passagen frei improvisierend mit dem feinen Silberklang der Violinen, erfüllte „Liszt“ mit raffinierter Chromatik und komplexen Klangbildern und würdigte zuletzt den „Titan“ mit abwechselnd tiefer Empfindsamkeit und wild losbrechender Dramatik.

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Applaus gab es dann nicht nur für den Künstler, sondern von diesem auch für die Anfang der 2000er-Jahre umfassend umgebaute Orgel der Stadtpfarrkirche, die Paolo Orenis im Schlussteil heftig sich ins Fortissimo steigernde und in einer fast rauschhaften Klangexplosion sich entladende Extase über alle Tasten, Pedale und Manuale hinweg mühelos mitgegangen war.

„Zum Schluss habe ich gedacht, die Pfeifen fliegen uns um die Ohren“, diesen Eindruck Renate Nauerz’, einer regelmäßigen Besucherin der Orgelmatineen, teilten fast alle der begeisterten Zuhörer. (ink)

Am Samstag, 4. Juli, um 11.15 Uhr ist Giulia Biagetti beim Landsberger Orgelsommer zu Gast. Sie hat vor fünf Jahren schon einmal in der Stadtpfarrkirche konzertiert. Bei ihrem diesjährigen Gastspiel hat sie Komponisten aus der Spätromantik wie Percy E. Fletcher und moderneren Komponisten, deren Namen vermutlich nur Insidern etwas sagen. Die Toccata über „Amazing Grace“ von James C. Pardini beschließt das Konzert.

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