Landsberg

23.11.2016

Wie ein roter Faden

Nachdenkliches zum Thema Trennung: Spaghettihochzeit mit dem Berliner Atze Musiktheater: von links Moritz Ross, Guylaine Hemmer und Eduard Burza.
Bild: Thorsten Jordan

Berliner Atze Musiktheater präsentierte die „Spaghettihochzeit“.

 „Es geht nicht nur um Kinder, es geht auch um Euch Erwachsene.“ Streitende Eltern, Trennung, Scheidung und immer dazwischen der zuweilen hilflose, allein gelassene Nachwuchs: Für Kindertheater ist so eine Thematik nicht ganz leicht umzusetzen. Dem Ensemble vom Atze Musiktheater aus Berlin, das jetzt im Landsberger Stadttheater gastierte, ist dies jedoch mit viel Feinfühligkeit und einer gehörigen Portion Lebendigkeit gelungen. „Spaghettihochzeit“ von Thomas Sutter ist ein Stück, das genau diese Problemstellungen thematisiert.

Wie ein roter Faden verbinden Spaghetti in trockenem und gekochtem Zustand, als Nahrungsmittel oder schmückendes Beiwerk die Handlungen. Zwei Kinder mit Elterntrennungs-Erfahrungen, zwei Paare in unterschiedlichen Beziehungsstadien, zeigen auf, wie Leben gehen kann oder warum es nicht klappt. Damit der Stoff aber nicht gar zu schwer und trist wird, sondern leicht und beweglich wie eine Nudel, eben ein Spaghetto rüberkommt, bringt ständige Musik, mal live und mal aus der Konserve, froh machendes Leben auf die Bühne.

Weiteres Mittel gegen die Schwere ist diese Atemlosigkeit, in der das Stück inszeniert ist. Die Schauspieler sind ständig in Aktion. Sie singen, musizieren, führen artistische Höchstleistungen vor, spielen Theater im Theater. Da wird ein zerstrittenes Paar kurzerhand in einen Boxring gestellt und angezählt beziehungsweise einer der beiden ausgeknockt. Sehr weise und zu denken gebend der Richterspruch, den das noch zusammen lebende Ehepaar vor dem „Gericht der Kinder“ hört: Laut Urteil wird ein halbes Jahre lang Mann und Frau verlangt, jeweils eine eigene Wohnung zu haben, die Kinder bleiben derweil im angestammten Familienwohnsitz. Jeweils tageweise haben nun die Eltern abwechselnd bei den Kindern zu leben und die Verantwortung zu übernehmen. Heftiger Protest der Erwachsenen, dass das doch nicht möglich sei mit Arbeit und Verpflichtungen – ach was, schwierig? Kindern von geschiedenen Eltern wird genau das abverlangt: Mal hier, mal dort, und trotzdem Schule und Sportverein, das gibt dann doch zu denken. Bringt die Krise eine neue Chance für eines der beiden Paare? Das Theaterstück bleibt ergebnisoffen.

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Das Gastspiel des Atze Musiktheaters war unterstützt vom Theaterförderverein TiLL und der Familie Alexander Holzmann (Holzmann Medien Bad Wörishofen). TiLL ist daran gelegen, das junge Publikum verstärkt an Theater heranzuführen.

In der Pause waren Vereinsmitglieder anwesend, boten Kinderpunsch und Gebäck an und machten so auch auf den Förderverein aufmerksam.

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