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Landsberg

13.09.2018

Wie eine Künstlergruppe gegen die Gewohnheit arbeitet

Im Juni stellte der Regionalverband im Bürgerbüro in Landsberg aus.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Seit 30 Jahren gibt es den Regionalverband Bildender Künstler in Landsberg. Die Gruppe ist jetzt für den Ellinor Holland Kunstpreis nominiert. Was die Künstler antreibt.

Eine Preisnominierung, das mag erstaunen, löst nicht immer nur Jubel aus. Manchmal scheint es sogar, als würden sich die Geehrten deswegen eher in Selbstzweifel stürzen, als sich darüber zu freuen. Und genau so soll es sein. Preise, sofern nicht für ein Lebenswerk vergeben, wollen anspornen - Schaffensprozesse beflügeln, nicht besiegeln.

Der Ellinor Holland Kunstpreis, er wird am Samstag, 15. September, ab 19 Uhr im Landsberger Stadttheater verliehen, steht heuer unter dem Motto „Ungewöhnlich in jedem Format“. Und die Mitglieder des Regionalverbands Bildender Künstler Oberbayern-West (RBK) haben dazu eine Ausstellung erstellt.

Es lohnt ein Blick zurück, auf die Anfänge des RBK vor genau 30 Jahren und die Veranstaltungen zum runden Geburtstag in jüngster Vergangenheit, in der sich so mancher Kreis zu schließen scheint. Wie es der Zufall will: In einem der ersten Schriftdokumente des RBK äußert Albert Lohr zur Kunst, sie müsse „eine Ohrfeige gegen die Gewohnheit“ sein.

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Was entscheidend für die Aufnahme neuer Mitglieder ist

Dieser Seitenhieb gegen die traditionsreiche Künstlergilde, von der man sich abzugrenzen suchte, erschöpfte sich nicht in der Provokation. Es wurden Segel gesetzt. Nach innerem Kompass sollte es in Richtung künstlerische Erneuerung gehen, weg vom gut Gemachten, hin zum inhaltlich und emotional Gefüllten. Auseinandersetzung statt Fortsetzung, Erweiterung statt Einengung suchten die zehn, gar nicht mehr ganz so „jungen Wilden“ unter ihrem Vorsitzenden Bertram Graf. Auch die heute 57 RBK-Mitglieder halten weiter diesen Kurs. „Nur in der Reibung entsteht Neues“, beschreibt Silvia Großkopf diese Erfahrung als grundlegend auch für die Aufnahme neuer Mitglieder. Unterschiede sollen angenommen, für die künstlerische Arbeit fruchtbar gemacht werden.

Das Konzept scheint aufzugehen: Während die Qualität durch festgelegte Auswahlkriterien gesichert wird, gibt es für die „künstlerische Freiheit“ keine Einschränkungen. Damit schafft der RKB ein Klima offener Begegnung und intensiven Austauschs und setzt bei seinen Mitgliedern in der Tat „ungewöhnliche“ schöpferische Energie frei. Herausforderungen, die jeder der Künstler im eigenen Atelier sucht, stellen sie sich auch gemeinsam.

Mehr Objekte als Gemälde

Und sie erweisen sich als Gruppe erstaunlich agil, denn, liefert Silvia Großkopf die Erklärung: „Sie müssen sich nicht an die Arbeit machen, sondern nur ihrer Arbeit eine andere Richtung geben.“ Dennoch ist es „ungewöhnlich“, dass sich auch an der „Nominierungsausstellung“ im Foyer des Stadttheaters wieder mehr als die Hälfte der RBK-Mitglieder mit eigens hierfür gefertigten Arbeiten beteiligt. Ungewöhnlich ist auch, was die Besucher auf der Empore an gestalterischer Vielfalt erwartet. Objekte laufen der Malerei diesmal zahlenmäßig beinahe den Rang ab - darunter eine raumgreifende Skulptur aus Stahlrohr und -seilen, die Metallkünstler Thomas Lenhart während der Kunstnacht fertigstellen wird.

Gespannt sein darf man auch auf eine „Materialarbeit“, die RBK-Künstler auf Initiative von Silvia Großkopf in mehreren Zusammenkünften und wechselnder Besetzung ohne weitere Vorgaben während der zurückliegenden vier Wochen in einer der Kunstboxen der Zederpassage gestaltet haben. Die Ausstellung öffnet zur Kunstnacht und wird, abhängig von Veranstaltungen im Stadttheater, dort noch einige Zeit zu sehen sein.

Kunstnacht Die nominierten Künstler werden in Porträts im Landsberger Tagblatt vorgestellt. Karten für die Ellinor-Holland-Kunstpreisgala gibt es im Stadttheater Landsberg im Theaterbüro und im Reisebüro Vivell. (Ticketservice des LT: 08191/917412).

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