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Finning

16.07.2020

Wie kann man das erhalten, was Finning ausmacht?

Wandel und Kontinuität im Ortsbild von Unterfinning: Links im Hintergrund stand früher der "Kramer"-Hof, heute ist dort eine kleine Doppelhaussiedlung, renoviert wurde der Pfeifer-Hof (Mitte) und davor gibt es noch den schönen des Nachbarhofs "Jackerbauer"
Bild: Gerald Modlinger

Plus In Finning wird über Zukunftsperspektiven für die Altortbereiche diskutiert. Dabei geht es nicht nur um die Ziele der Gemeinde, sondern auch um die Frage, mit welchen Mitteln sie erreicht werden können.

Wie soll sich Finning in seinen Altortbereichen entwickeln und mit welchen Maßnahmen kann dies gesteuert werden? Darum ist es am Dienstag im Gemeinderat gegangen. Zwei Vertreter des Ortsplanungsbüros Opla stellten dazu ihre Überlegungen und ihre bisher in Finning gewonnenen Eindrücke vor.

Wo ist das Zuhause und was wird als Heimat wahrgenommen? Ilka Siebeneicher machte dies an Plätzen, Häusern und ihrer Anordnung oder auch Bäumen fest, die ein Ortsbild formen, in Finning komme noch die Windach hinzu. Insgesamt vermittelten die beiden Ortskerne noch ein „gutes räumliches Gefühl“, wenngleich auch ein „Veränderungsdruck“ festzustellen sei, etwa im Bereich der Doppelhaus-Bebauung am ehemaligen „Kramer“-Hof und an Stellen, an denen Neubauten ins Grundstück zurückversetzt werden, sodass die ursprünglichen straßennahen Raumkanten verschwinden und anstelle alter Häuser Garagen und deren Zufahrten treten. Charakteristisch für die traditionelle Bauweise in Finning seien große zweigeschossige Gebäude mit relativ steilem Dach.

Raumkanten und Wegeverbindungen

Im Rahmen eines städtebaulichen Entwicklungskonzepts könnten beispielsweise solche Raumkanten definiert und Wegeverbindungen besonders mit Bezug zur Windach geschaffen werden, nannte Siebeneicher als weiteres Ziel, ebenso die Wiederbelebung des Gasthauses in Entraching. Das würde auch die Städtebauförderung unterstützen. Allerdings, warf Bürgermeister Siegfried Weißenbach ein, befinde sich dieses in Privatbesitz und da sehe er zumindest derzeit keine Möglichkeit dafür.

Zentrales Element für ein städtebauliches Entwicklungskonzept ist laut Stadtplaner Werner Dehm eine Sanierungssatzung. Diese gebe es in drei Varianten. Die einfachste Variante sei ein Sanierungsgebiet ohne weitere Festlegungen zu bestimmen. Damit könnten für Maßnahmen, „die Werte für die Öffentlichkeit schaffen“, Zuschüsse aus dem Städtebauförderungsprogramm beantragt werden. Für private Vorhaben wäre dies möglich, wenn die Gemeinde auch ein kommunales Förderprogramm auflegen würde, erläuterte Dehm. Allerdings dürfte das in Finning wohl eher nicht kommen. Die gemeindliche Kasse sei klamm, erwähnte Fritz Ostner.

Die Dosis kann der Gemeinderat bestimmen

Weitere Anreize für private Bauvorhaben im Sinne der gemeindlichen Sanierungsziele wären zudem erhöhte steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten (innerhalb von zwölf Jahren). Außerdem würde eine Sanierungssatzung der Gemeinde im Sanierungsgebiet ein Vorkaufsrecht verschaffen, so Dehm weiter.

In der Obergasse in Unterfinning ist die historische Raumstruktur des Ortes noch gut erkennbar.
Bild: Gerald Modlinger

Stufe zwei einer Sanierungssatzung würde auch eine generelle Veränderungssperre in einem Sanierungsgebiet beinhalten. Davon könnte die Gemeinde immer dann Gebrauch machen, wenn ein Bauvorhaben ihre Sanierungsziele nicht einhält. Neben dem Landratsamt als Baugenehmigungsbehörde würde auch die Gemeinde als Genehmigungsbehörde tätig werden können. „Das finde ich einen sehr großen Einschnitt ins Eigentum“, warnte Beate Moser. Wie tief dieser Einschnitt sei, liege jedoch auch an den Vorgaben der Gemeinde, erwiderte Planer Dehm: „Der entscheidende Punkt ist, was geben Sie sich als Sanierungsziele vor“, sagte er an die Gemeinderäte gewandt. Dr. Franz Xaver Boos formulierte das dann so: „Ich sehe ein Instrument, das toxisch ist, aber die Giftdosis können wir bestimmen.“ Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeige einerseits Glücksfälle wie am Pfeifer-Hof in Unterfinning und an der Oberfinninger Mühle, aber auch einen Neubau von sieben Wohnungen neben dem Oberfinninger Maibaum. Seine Schlussfolgerung: „Wer schön sein will, muss was machen, und das tut immer ein bisschen weh.“

Auch etliche große Bäume (wie hier an der Kapelle St. Sebastian) prägen das Finninger Ortsbild.
Bild: Gerald Modlinger

Über eine dritte Stufe, die noch weitergehende hoheitliche Eingriffe vorsieht (etwa die Eintragung von Sanierungsvermerken für die Grundstücke im Sanierungsgebiet ins Grundbuch und weitergehende Genehmigungspflichten) wurde nicht weiter diskutiert, davon riet im Falle Finning auch der Planer ab.

Eresing und Windach folgen

Wo könnte sich aber nun ein Sanierungsgebiet erstrecken? Von den Planern vorgeschlagen wurden die Altortbereiche, wobei Grundstücke mit neuerer Bebauung ausgeklammert sind. In einem engeren Bereich könnte dabei auch das Instrument einer Veränderungssperre zum Einsatz kommen, wenn geplante Bauvorhaben den Sanierungszielen der Gemeinde widersprechen. Auch der unbebaute Windachtalraum sollte ins Sanierungsgebiet einbezogen werden, schlug Planerin Siebeneicher vor. Dies würde die Möglichkeit schaffen, ein Vorkaufsrecht auszuüben, um Flächen zu erwerben, die für eine bessere Wegeerschließung notwendig sind. Anders als in der Nachbargemeinde Windach sei der Fluss in Finning aufgrund der Besitzverhältnisse eher schlecht erlebbar. Beschlüsse wurden nicht gefasst.

Auch in der Pfarrgasse in Oberfinning folgen die Häuser noch dem historischen Schema.
Bild: Gerald Modlinger

Auch in Eresing und Windach wird es demnächst um die Ortsentwicklung gehen. In Eresing wird erst einmal nichtöffentlich beraten, in Windach am Freitag, 24. Juli, ab 16 Uhr im Pfarrsaal öffentlich.

Städtebauliche Konzepte werden aktuell in allen drei Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft diskutiert, mehr dazu lesen Sie hier: Wie sich drei Gemeinden näher kommen wollen

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