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Landkreis Landsberg

27.02.2018

Wie lange ist der Diesel noch Liebling der Pendler?

Wie lange darf sich der Diesel noch frei in den Städten bewegen? Diese Frage steht nach dem gestrigen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts weiter im Raum.
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Wie lange darf sich der Diesel noch frei in den Städten bewegen? Diese Frage steht nach dem gestrigen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts weiter im Raum.
Bild: Julian Leitenstorfer

Das LT hat Reaktionen zum drohenden Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in Großstädten gesammelt. Um die Luft in Landsberg ist es nicht besonders gut bestellt.

Es ist ein Urteil, das im Landkreis Landsberg mit einem hohen Anteil an München-Pendlern kaum jemanden kalt lässt: Grundsätzlich können Kommunen Diesel-Fahrzeuge aus besonders belasteten Stadtteilen aussperren, hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Dienstag entschieden.

Gerade unter München-Pendlern ist der Anteil an Diesel-Fahrern hoch. Harald Reitmeir fährt jeden Arbeitstag von Landsberg an seinen Arbeitsplatz im Münchner Süden – mit einem zehn Jahre alten Mercedes-Diesel – und viele seiner Mitarbeiter legten ebenfalls den Weg zur Arbeit mit einem Diesel-Fahrzeug zurück. Die meisten wohnten wegen der hohen Immobilienpreise inzwischen weit draußen. „Dafür habe ich vollstes Verständnis, die müssen auf den Geldbeutel schauen und sechs Liter Diesel auf 100 Kilometer kommen halt billiger als zehn Liter Super“, sagt Reitmeir. Die öffentlichen Verkehrsmittel seien für Menschen, die nicht gerade in der Nähe des Hauptbahnhofs arbeiten, oft keine Alternative: Mit dem Auto sei er einfach 45 Minuten unterwegs, mit der Bahn wären es seiner Schätzung nach eineinhalb Stunden.

Elektro? Eher Nein!

Dieselbetrieben steuert auch Wolfgang Lösche aus Dießen seinen Arbeitsplatz bei der Handwerkskammer in der Max-Joseph-Straße in München an: Sein acht Jahre alter Citroën habe inzwischen 350.000 Kilometer auf dem Tacho, daher stehe bald eine Neuanschaffung an: „Ich überlege mir jetzt, ob ich auf einen Benziner umsteige“, sagt Lösche, auch wenn er bislang immer froh gewesen sei, „wenn ich an der Tankstelle etwas günstiger tanken konnte.“ Bei jährlich 35.000 Kilometern Fahrleistung werde sich der teurere Super-Preis schon bemerkbar machen. Ein Elektrofahrzeug ist für Lösche momentan noch keine Alternative: „Das ist mir noch zu teuer“, sagt er, auch von den möglichen Reichweiten sei er noch nicht ganz überzeugt, da er oft auch längere Dienstreisen unternehme.

Ein Vielfahrer ist auch (noch) Wolfgang Leichtenstern aus Schondorf. Er ist im Außendienst für einen Medizinproduktehersteller tätig und steuert Kliniken in ganz Deutschland an. „Ich bin jahrelang 50.000 bis 60.000 Kilometer im Jahr gefahren“, berichtet er. Das tut er mit einem BMW-Diesel der Euro-6-Norm. Mögliche Dieselfahrverbote sieht er vergleichsweise entspannt: Das liege zum einen daran, dass er in ein paar Monaten in den Ruhestand. Allerdings will er seinen Dienst-Diesel mit in den Ruhestand nehmen. Dessen Hersteller sei ja bislang ganz gut durch die Diesel-Affäre gekommen, sagt Leichtenstern, und privat fahre er eigentlich fast nie in die Münchner Innenstadt.

In Landsberg wurde der Schadstoffausstoß berechnet, nicht gemessen

Allerdings: Hohe Stickoxid-Konzentrationen müssen sich nicht nur auf die großen Metropolen beschränken. Auch in Landsberg hat sich der städtische Umweltingenieur Rolf Mergler-Völkel schon mit diesem Thema befasst: Zuletzt wurde vor einem Jahr berechnet (nicht gemessen), wie hoch die Stickoxid-Belastung im Bereich Hauptplatz/Herkomerstraße ist. Zumindest nach dieser Rechnung ist diese mit 38 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht weit vom Grenzwert (40 Mikrogramm/Kubikmeter entfernt.

Berechnet wird ein solcher Wert anhand des vorhandenen Verkehrs, den sich daraus ergebenden Emissionen und nach der räumlichen Situation, die darüber entscheidet, wie schnell sich die Schadstoffe ausbreiten. Könnte also auch in Landsberg eine Dieseldebatte entflammen? Mergler-Völkel formuliert es so: „Wer einen Anlass für Verkehrsrestriktionen auf dem Hauptplatz sucht, könnte auf diese Möglichkeit kommen.“

Gelassen sieht man die wahrscheinlichen Diesel-Fahrverbote in Großstädten bei der Automobilbranche. „Das Urteil ändert aus unserer Sicht erst einmal nichts“, sagt Michael Huttner. Der Geschäftsführer des gleichnamigen VW- und Audi-Händlers in Landsberg hat jedoch festgestellt, dass die Diesel-Thematik in den vergangenen Monaten die Verbraucher sehr beschäftigt hat. „Die Kunden sind schon verunsichert. Viele haben Angst, dass sie in Zukunft nicht mehr in die großen Städte fahren dürfen.“ Und es gebe sogar Kunden die sich trotz einer jährlichen Laufleistung von rund 40.000 Kilometern gegen den wirtschaftlicheren Kauf eines Dieselfahrzeugs entscheiden und angesichts der momentanen Debatten einen Benziner bestellen.

Rechtlich ist Vieles noch unklar

Vorerst gelassen zu bleiben empfiehlt Diesel-Fahrern auch Dr. Reinhard Kolke, Leiter Test und Technik beim ADAC-Technikzentrum in Landsberg. Für eventuelle Fahrverbote müssten erst – etwa in Form von Luftreinhalteplänen – die rechtlichen Grundlagen geschaffen werden. Über Katalysator-Nachrüstungen (Kosten 1500 bis 3000 Euro) brauche man sich ebenfalls noch keine Gedanken machen. Auch dafür müssten erst die gesetzlichen Rahmenbedingungen vorliegen. Wer über einen Neuwagenkauf nachdenkt und als Langstreckenfahrer weiter gerne einen Selbstzünder haben möchte, der sollte darauf achten, dass ein solches Auto mindestens die Norm Euro 6d-temp einhält.

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