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Landkreis Landsberg

24.05.2019

Wie nach Pfingsten 1999 der Hochwasserschutz verbessert wurde

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Nach dem Pfingsthochwasser 1999 wurden im Landkreis Landsberg mehrere Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert, zum Beispiel in Utting.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Vor 20 Jahren überschwemmte das Pfingsthochwasser einige Landkreisgemeinden. In den Jahren danach wurde kräftig investiert, damit solche Katastrophen nicht mehr passieren. Reichen die Schutzprojekte aus?

Aus Schaden wird man klug: Das trifft auch auf das Pfingsthochwasser zu, das fast auf den Tag genau vor 20 Jahren weite Gebiete des Alpenvorlands und Teile des Landkreises Landsberg überflutete. Nach den Überschwemmungen wurde kräftig in den Hochwasserschutz investiert. Im Bereich des Weilheimer Wasserwirtschaftsamts (WWA) wurden dafür bislang 325 Millionen Euro ausgegeben. Das hat die Behörde zum 20. Jahrestag des Pfingsthochwassers mitgeteilt. Auch im Landkreis Landsberg tat sich einiges. Rund 13 Millionen Euro investierten Staat und Kommunen im Landkreis, so die Information des WWA. Das LT blickt auf die einzelnen Projekte.

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Lesen Sie dazu auch: Pfingsthochwasser 1999: Als in Dießen Fische durch die Gaststube schwammen

Die größte Einzelinvestition wurde am Windachspeicher getätigt. Das Windachtal gilt als stark hochwassergefährdet. Die Windach kann aufgrund des bergigen Einzugsgebiets und der wenig wasserdurchlässigen Böden sehr schnell anschwellen. Deshalb wurde bereits 1963 oberhalb von Oberfinning eine Talsperre errichtet.

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Die Rückhaltekapazität dieses Speichers war bei den Hochwasserlagen an Pfingsten 1999 und im Jahr 2000 fast bis zur Oberkante ausgereizt. Wäre am Abend des 22. Mai 1999 das Wasser im Speicher noch um weitere zehn Zentimetern angestiegen, wäre die Hochwasserentlastungsklappe überströmt worden. Das hätte einen berechenbaren, aber ungesteuerten Abfluss und somit Schäden für die Unterlieger bewirkt, so das WWA.

Beinahe wäre der Windachspeicher übergelaufen

In der Folge des Pfingsthochwassers wurde das Deckwerk des Damms ertüchtigt, ebenso das Sicker- und Kontrollsystem und der Abstrompegel. Insgesamt wurden in den Windachspeicher in den vergangenen 20 Jahren rund 4,5 Millionen Euro investiert.

In den Ammerseegemeinden standen vor allem die dem Ammersee beziehungsweise dem Ampermoos zufließenden Bäche im Fokus. Gegen ein Ammersee-Hochwasser wie an Pfingsten 1999 lassen sich kaum Schutzmaßnahmen ergreifen. In St. Georgen wurde am Seehof eine Drosselklappe errichtet und der Durchlass in der St.-Georg-Straße vergrößert. In Utting gibt es seit 2017 eine Talverbauung oberhalb der Sporthalle. Diese habe seit ihrer Fertigstellung schon mehrfach Hochwasser zurückgehalten, zuletzt bei dem Dauerregen Anfang der Woche, berichtet Bürgermeister Josef Lutzenberger. Beim Pfingsthochwasser war der Mühlbach vor allem im Bereich des Parkplatzes unterhalb der Schule über die Ufer getreten und habe auch bebaute Flächen erreicht. Und im Zuge der Klimaveränderung sei davon auszugehen, dass solche Ereignisse häufiger eintreten, so Lutzenberger.

Auch Eching hat sich gegen Hochwasser gerüstet

Ähnlich wie am Mühlbach in Utting ist auch die Situation am Längemoosgraben, der im Westen von Eching in die Windach mündet. Auch dort hatte es im Mai 1999 und im August 2000 Überschwemmungen gegeben. Ein Damm, der in einer Schlucht zwischen Eching und Greifenberg geplant ist, soll künftig solche Überflutungen verhindern. Ein Grundstücksbesitzer legte sich quer, weil er seine Fläche dafür nicht zur Verfügung stellen will. Nun steht eine Enteignung im Raum. Verwirklicht werden konnte vor rund zehn Jahren in Eching jedoch eine Flutmulde und eine Verlegung und Tieferlegung der Windach zwischen Einkaufszentrum und Stegener Straße, um mehr Volumen für Hochwasser zu schaffen.

--- Trennung Wo im Landkreis sonst noch gebaut wurde Trennung---

Weitere Schwerpunkte bei Hochwasserschutzmaßnahmen waren Ellighofen und Erpfting. In Ellighofen wurde der Moosbach naturnah ausgebaut, außerdem wurden zwei Rückhaltebecken errichtet. In Erpfting wurde zwischen 2008 und 2010 der Luibach tiefergelegt und aufgeweitet, außerdem erhielt er einen Entlastungskanal.

Der Verlorene Bach ist auch ein neuralgischer Punkt

Das bislang letzte Projekt ist die laufende Tieferlegung des Verlorenen Bachs in Prittriching. Dadurch soll zusätzlicher Raum für Hochwasser geschaffen werden, erläutert Bürgermeister Peter Ditsch. Der Verlorene Bach galt schon seit seinem Ausbau Ende der 1960er-Jahre als hochwassersicher. Zuvor erinnert sich Ditsch, habe es in Prittriching immer geheißen: „Solange der Verlorene Bach nicht einmal das Dorf hinuntergelaufen ist, ist der Winter nicht vorbei.“ Aufgrund des Ausbaus habe es aber auch an Pfingsten 1999 kein Problem gegeben. Inzwischen gehe das WWA nicht mehr von einer notwendigen Abflussmenge von zwölf, sondern von 18 bis 19 Kubikmetern aus und schaffe nun zusätzliches Rückhalte- und Abflussvolumen, erklärt Ditsch.

Rückhalteräume wurden auch in Ummendorf (Lüßwiesengraben), Geltendorf (Metzengrasgraben) und Egling (Dünzelbach) geschaffen. Beim Hochwasserschutz geht es im Landkreis aber nicht nur um über die Ufer tretende Bäche, sondern auch um die Eindämmung wild abfließenden Wassers. Entsprechende Schutzmaßnahmen wurden 2002 in Pitzling mit einem Abfanggraben und in Pflugdorf-Stadl durch eine Flutmulde ergriffen.

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