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Landsberg

18.04.2018

Wie sich Kunst vermarkten lässt

Kunst hat viele Gesichter. Auch Graffiti zählt - wenn es legal und anspruchsvoll ist - als moderne Kunst.
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Kunst hat viele Gesichter. Auch Graffiti zählt - wenn es legal und anspruchsvoll ist - als moderne Kunst.
Bild: Thorsten Jordan (Symbolbild)

Viele Künstler leben von der Hand in den Mund. Wie sie sich besser verkaufen können, darum ging es beim Landsberger Unternehmerfrühstück.

Die Kulturschaffenden und die Wirtschaftlichkeit. Ein Widerspruch? Nein, sagt ganz deutlich Werbeexperte Emil Hofmann. Wie das Arbeiten im künstlerischen Bereich werbestrategisch verbessert werden kann, darüber wurde beim Unternehmerfrühstück im Landsberger Landratsamt debattiert. Ein Angebot für Künstler, so Landrat Thomas Eichinger, bei dem jeder selbst entscheiden kann, ob er es annimmt.

Eine Forderung, die noch weit darüber hinaus geht und für viel Applaus sorgte, kam aus dem Publikum von Gregor Netzer (Kunstautomat): „Kunst gehört zur Grundversorgung der Menschen und ist deshalb eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Sie muss deshalb gefördert werden.“

Ein Künstler versteht sich als Forscher und Philosoph

Viele Künstler, Grafiker und Kulturinteressierte wurden beim Frühstück von Emil Hofmann mit Weisheiten aus dem Marketing versorgt, die alle dafür sorgen sollen, dass die Künstler mehr Aufmerksamkeit erregen und ihre Produkte besser an den Kunden bringen. Erfolgreiches Marketing, so Hofmann, gehe nur, wenn man sich intensiv mit dem Kunden beschäftigt. Denn „wahr ist nicht, was A sagt, sondern was B versteht“. Er bot den Kunstschaffenden an, ihnen einen kleinen Ratgeber mitzugeben, der sich damit befasst, wie man am besten mit Redakteuren umgeht, um besser in die Zeitung zu kommen.

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Auch das Thema Kultur- und Kreativwirtschaft unter dem Künstler eingeordnet werden, sorgte für Diskussionen. „Das ist nicht die passende Einordnung für uns“, sagte beispielsweise Gerhard Heitzer. „Wir sind eher unter Philosophie und Forschung einzuordnen, denn Kunst dient der Erkenntnis.“ Jürgen Enninger von der Kultur- und Kreativwerkstatt aus München sah die Einordnung in diesem Bereich auch als Chance an.

Zur Kunst- und Kreativwirtschaft zählt auch die Medienbranche

Denn um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu steigern, hat die Bundesregierung die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft gestartet. Koordiniert wird die Initiative vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Allein in München arbeiten fast 70.000 Menschen in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Dazu zählen unter anderem Musiker, Architekten, Designer, Journalisten und Bildende Künstler. Sie machen einen Anteil von 3,8 Prozent der Münchner Gesamtwirtschaft aus. Bundesweit verzeichnet man einen jährlichen Umsatz von rund 150 Milliarden Euro. Damit sei die Kultur- und Kreativwirtschaft als Wirtschaftsfaktor vergleichbar mit den großen Industrie-Sektoren Automobil, Chemie oder Energie.

Ein Landsberger Kunstschaffender hat Probleme mit Werbung und Kunst

Zwei aktive Künstlerinnen durfte man gleich auf der Bühne erleben und sie schilderten in Wort und Musik ihre Arbeitsmethoden. Nicola Förg erzählte, dass Bücherschreiben kein Hobby, sondern ein Beruf sei. Ein halbes Jahr brauche sie für ein neues Buch und bezeichnete das als sehr sportlich. „Das Leben ist meine Inspirationsquelle, deshalb gehen mir die Ideen nie aus.“ Ihr Beitrag war lebensnah und unterhaltsam, genauso wie die musikalische Begleitung des Vormittags durch die Geigerin Monika Drasch.

Ernst wurde es dann wieder, als sich der Landsberger Kulturschaffende Wolfgang Hauck zu Wort meldete. Er hatte Probleme mit der Sprache, die vielfach in Sachen Werbung verwendet wird. „Wie man mit der Welt umgeht, ist eine Geisteshaltung. Müssen sich Künstler zu Markte tragen und verkaufen?“, fragte er. Wer künstlerisch arbeite, dürfe sich nicht nur nach einer Marketing-Strategie orientieren. „Sonst hätte es viele bedeutende Werke gar nicht gegeben“, so Hauck. „Künstler brauchen diesen Freiraum und staatliche Fördermittel, die diese Freiheit erlauben.“ Auch für diesen Beitrag gab es viel Applaus und er regte zu vielen Gesprächen an, die danach im Foyer des Landratsamtes stattfanden.

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