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Landsberg

23.01.2020

Wie viele Tempoanzeigen braucht Landsberg?

Speed Displays könnten in Landsberg künftig öfter im Stadtbild auftauchen - mit einem Lächeln für korrekte Autofahrer und heruntergezogenen Mundwinkeln für Schnellfahrer.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Die SPD beantragt im Stadtrat ein sogenanntes „Speed Display“ für die Bushaltestelle an der Erpftinger Straße. Der Chef des Landsberger Ordnungsamts hat deswegen aber nun einige Befürchtungen.

Werden bald an vielen Landsberger Straßen Geschwindigkeitsanzeigen angebracht? Diese Erwartung hat Oberbürgermeister Mathias Neuner ( CSU) in der jüngsten Stadtratssitzung geäußert. Anlass war ein Antrag der SPD, eine solche Anzeige an der Ortseinfahrt der Erpftinger Straße dauerhaft aufzustellen, um die Schulwegsicherheit zu verbessern. Autofahrer, die sich an die Höchstgeschwindigkeit halten, sehen dabei ein lachendes Gesicht, wer zu schnell fährt, ein Gesicht mit nach unten gezogenen Mundwinkeln. Zuletzt hatte die Verwaltung vergleichbare Anträge mit Hinweis auf die Beschlusslage im Stadtrat wiederholt abgelehnt. Woher nun der Sinneswandel?

Es geht um die Erpftinger Grundschüler

Da, wo an der Erpftinger Straße die Tempoanzeiger aufgestellt werden sollen, hält der Schulbus, der die Kinder aus dem Bereich des Wiesenrings in die Grundschule nach Erpfting bringt. Morgens werden die dortigen Haltestellen zwar von einem Schulweghelfer betreut, mittags gehen die Kinder aber meist selbstständig heim, heißt in dem von Margarita Däubler (SPD) formulierten Antrag. Nachdem im Herbst dort vorübergehend ein "Speed Display" angebracht worden war, wünsche man nun eine dauerhafte Geschwindigkeitsanzeige. Denn nach Aussage der Schulweghelfer habe diese dazu geführt, dass langsamer gefahren werde. In diesem Bereich gilt Tempo 50.

An der Bushaltestelle auf Höhe der Firma Dittel in der Erpftinger Straße in Landsberg sollen jetzt dauerhaft Geschwindigkeitsanzeigen errichtet werden.
Bild: Thorsten Jordan

Der SPD-Antrag war für den Chef des Ordnungsamts, Ernst Müller, Anlass, etwas tiefer in das Thema einzusteigen. Er verwies auf einen bereits 2014 von der Landsberger Mitte gestellten Antrag, an den Ein- und Ausfallstraßen solche Anzeigen aufzustellen. In der Summe wären dies 24 Stück, dazu kämen noch rund 30 sogenannte „gefährdete Einrichtungen“ wie Kindergärten, Schulen und Seniorenheime, für die in beide Richtungen rund 60 solcher Anlagen notwendig wären. Außerdem sei in der Kommunalen Gesamtstrategie „Unser Landsberg 2035“ festgelegt worden, in den Ortsteilen jeweils zwei solcher Displays aufzustellen. Daneben habe der Stadtrat entschieden, weitere Anlagen zu kaufen, die immer für vier Wochen an einem Standort aufgestellt werden sollen, sodass die Stadt insgesamt über vier solcher mobiler Anlagen verfügen werde. Alle anderen Anträge von Bürgern, in ihren Straßen solche Tempoanzeigen aufzustellen (bislang waren es zwölf), seien aufgrund dessen von der Stadtverwaltung abgelehnt worden.

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0,6 Prozent der Autofahrer waren zu schnell

Er bezweifle, ob eine so große Zahl von Displays am Ende noch die erhoffte Wirkung bringen. Nämlich, dass sich Autofahrer besser an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, so Müller weiter. Er bot jedoch an, die zwei weiteren Displays, die noch gekauft werden sollen, dauerhaft an der Erpftinger Straße zu installieren. Müller berichtete auch von den Ergebnissen, die eine Geschwindigkeitskontrolle am 16. Dezember erbrachte. Unter 3458 Fahrzeugen, die die Kontrollstelle passierten, seien 21 wegen zu schnellen Fahrens verwarnt worden, die Beanstandungsquote habe bei 0,6 Prozent gelegen.

„Mir kommt es nicht auf eine Anlage an“, ergänzte Oberbürgermeister Mathias Neuner die Ausführungen Müllers, „sondern auf die 50, die dann noch kommen.“ Verständnis für den Wunsch der Grundschuleltern im Landsberger Südwesten äußerte jedoch Petra Ruffing (CSU): Man müsse ja die bisherige Beschlusslage nicht generell ändern, aber sie verstehe durchaus, dass die Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder besorgt seien, wenn diese aus dem Bus aussteigen „und die Autos kommen dort relativ schnell“.

Von Ellighofen an die Erpftinger Straße

Dr. Reinhard Steuer (UBV) meinte, eine solche Anzeige in der Erpftinger Straße bedeute ja nicht, „dass wir ganz Landsberg mit Displays zupflastern müssen“. Auch wenn sie an mehreren Orten stehen, verfehlten sie doch ihre „erzieherische Wirkung“ auf die Autofahrer nicht.

Einen „pragmatischen Kompromiss“ schlug schließlich Jost Handtrack (Grüne) vor. Man könne doch die Tempoanzeiger an der nördlichen Ortseinfahrt in Ellighofen an die Erpftinger Straße versetzen, denn bei der 90-Grad-Kurve in Ellighofen werde man es ohnehin nicht schaffen, die Höchstgeschwindigkeit zu übertreten. Ob dies in Ellighofen vermittelbar wäre, bezweifelte jedoch Ordnungsamtschef Ernst Müller, der zu Handtrack deswegen schon mal sagte: „Dann darf ich Sie bitten, zur Bürgerversammlung nach Ellighofen mit rauszugehen.“

Handtracks Vorschlag kam aber dann nicht mehr zum Tragen: Mit 16:12 Stimmen befürwortete der Stadtrat den Antrag der SPD. Damit soll an der Erpftinger Straße nun eine dauerhafte Geschwindigkeitsanzeige angebracht werden.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Speed Display: Eine richtige Entscheidung

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