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Kabarett

12.10.2018

Wir ist out – es gibt nur mich

Frank Lüdecke nahm sich auf der Landsberger Kleinkunstbühne s’Maximilianeum die Verhältnisse im Land vor.
Bild: Thorsten Jordan

Frank Lüdecke spricht über die deutschen Verhältnisse

Der Titel „Über die Verhältnisse“ kann ein durchaus zweideutiger sein. Jemand lebt „über die Verhältnisse“ meint, er gibt zu viel Geld aus. Der Kabarettist Frank Lüdecke allerdings, der die Saison der Landsberger Kleinkunstbühne s’Maximilianeum mit seinem Programm solchen Namens eröffnete, redete über die Verhältnisse – in Bayern, in Deutschland, auf der Welt; in der Politik, im Sport.

Eigentlich ist er ja einer wie der nette Nachbar von nebenan, der Berliner, der in Landsberg auf der Bühne des Stadttheaters steht. Er erzählt, blickt auf Spaltung und deutsche Wiedervereinigung und haut mal zwischendurch einen rein, beispielsweise, wenn er Aussagen der Bundeskanzlerin als „rhetorische Plattenbauten“ bezeichnet. Bedeutend im Sommer 2018? „Wie ein Fußballer Deutschland verändert; dabei verhindert Dummheit doch nicht sportliche Höchstleistungen.“ Derzeitige Äußerungen aus dem Weißen Haus in Washington ergeben für Lüdecke „keinen politischen, sondern einen alkoholischen Sinn“. Hans-Olaf Henkel bekommt Streifschüsse und Querschläger ab, der Bildungsmissstand in Deutschland wird an Schüler-Äußerungen festgemacht. Der viel beklagte Informationsüberfluss ist „Filterversagen“, denn Nachrichten nach mehr oder weniger wichtig zu unterscheiden, sei die wahre Kunst. „Wir“ ist out, „es gibt kein wir, es gibt nur mich“, ist dem scharf beobachtenden Kabarettisten aufgefallen. Breiter Raum wird der AfD – „Unsinn, aber anders“ – gewährt. Ein großer Irrglauben sei, „dass man annimmt, die AfD würde die Probleme lösen“. Die Bürger im Bundesland Sachsen rückten mit ihrem „wir wollen ’nen Führer mit ’nem Plan“ sich und diese Partei in eine rechte Ecke.

Twitter und Whatsapp, Negativzinsen und die Apothekenumschau („Deutschlands meistgelesene Zeitschrift“), fehlendes Satireverständnis („am besten fand ich seine Brille“), wählen gehen oder eher doch nicht: Frank Lüdecke schneidet viele Themen an, lässt den Zuhörer zuweilen ratlos zurück oder gibt ihm Denkaufgaben mit auf den Heimweg. Humor kommt nicht zu kurz, etwa wenn er Griechenland streift, das „mit Sokrates gestartet und mit Costa Cordalis gelandet“ ist.

Und Frank Lüdecke greift zwischendurch zur Gitarre und trägt singend bissige Texte vor, die in leichtem Widerspruch zum Urtext der jeweils verwendeten Melodie stehen. Änderungen seien notwendig in einem Land, in dem sich „die Krankenschwester Demokratie nicht leisten kann“. Ideen sollten nicht nur entwickelt, sondern müssen auch zugelassen werden, sagt er. (löbh)

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