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Ludenhausen

20.10.2016

„Wir lassen uns das Lernen nicht verbieten“

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Vor rund zwei Monaten ist die Sudbury Schule Ludenhausen geschlossen worden. Nach wie vor finden aber – wie hier auf dem Bild aus dem Spätsommer – freiwillige Treffen im und am Schulhaus und jeden Abend eine Mahnwache statt. Die Schulgemeinschaft will weiter um den Erhalt kämpfen. 

Nach der Schließung der Sudbury-Schule trifft man sich trotzdem im Schulgebäude in Ludenhausen. Wie Kinder, Eltern und Mitarbeiter jetzt weiter um den Erhalt kämpfen.

„Sudbury-Schüler lassen sich das Lernen nicht verbieten“ – unter dieser Überschrift schickte der Sudbury-Verein München jetzt eine Pressemitteilung. Wie berichtet, war die Schule vor zwei Monaten von der Regierung von Oberbayern geschlossen worden. Inzwischen sind fast alle der 45 Schüler an anderen Schulen angemeldet, andere befinden sich in Bewerbungsverfahren, wie Sudbury-Vorstandsmitglied Monika Wernz auf Nachfrage des LT mitteilt. Allerdings unternehme die Schulgemeinschaft weiterhin alles, um wieder eröffnen zu können. Bis dahin trifft sie sich privat, manche Schüler bereiten sich dabei auf den Quali vor, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Im Eingangsbereich der Sudbury Schule in Ludenhausen stehen noch die Plakate von der Demo. Am ersten Schultag hatten Schüler, Eltern, Mitarbeiter und Unterstützer vor dem Kultusministerium protestiert: „Gegen die Schließung ihrer Schule, an der die Schüler zwei Jahre lang selbstbestimmt und nach demokratischen Strukturen gelebt und gelernt hatten – und glücklich waren“, so der Verein. Ein Kritikpunkt der Regierung sei es gewesen, dass hier nicht genug gelernt werde. Zwei Monate nach der Schließung sei das Schulhaus aber nach wie vor voller Leben, so die Pressemitteilung: „Im Atelier malen zwei Mädchen mit Plakafarben, eine Schülerin schreibt konzentriert Buchstaben in ein Heft, andere spielen Karten, nebenan diskutieren drei Jungen das Thema Schulpflicht, ein Mädchen pflanzt ein Avocadobäumchen, eine Gruppe beschäftigt sich mit Prozentrechnung.“ Letztere hätten geplant, am Ende des Schuljahres ihren Quali zu machen – „und sie haben nicht vor, sich davon abhalten zu lassen“.

Dies alles geschehe freiwillig in privaten Zusammenkünften an drei Nachmittagen pro Woche im von Sudbury gemieteten Schulgebäude. „Das, was laut Regierung zu wenig passiert, nämlich das Lernen, tun die Schüler aus eigenem Antrieb weiter, obwohl sie gar nicht müssten. An manchen Nachmittagen sind es bis zu 30 der zuletzt 45 Schüler, manche lassen hierfür ihr Fußballtraining oder andere Termine sausen.“ Andere würden an den Nachmittagen die Hausaufgaben für ihre neuen Schulen erledigen – denn die Schulpflicht können sie an der geschlossenen Sudbury Schule zurzeit nicht erfüllen. Vorstandsmitglied Monika Wernz überrascht das Engagement der Schüler nicht: „Wir sind zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Die Schüler können ihren individuellen Interessen nachgehen. Niemand übt Druck aus.“ Lernen bedeute im Sudbury-Kontext viel mehr, als nur Fachwissen zu erwerben. Zahlreiche Experten würden sich hinter die Sudbury Schule stellen, darunter Simone Fleischmann, Vorsitzende des Bayrischen Lehrerverbandes. Die Schulvertreter hoffen nun, dass ihre Beschwerde gegen die Ablehnung des Eilantrags vor Gericht Erfolg hat und sie möglichst bald zumindest vorübergehend wieder eröffnen können. Bis zum Hauptverfahren könne es noch dauern.

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Weiterhin findet jeden Abend eine Mahnwache statt, ein Filmteam begleitet den Prozess, Unterstützer haben eine Petition gestartet, andere Geld gespendet. Auch aus der Politik komme Hilfe und Filmemacher Emanuel Rund setze sich für die Schule ein. Und die Schüler und Mitarbeiter planen ihre nächste Aktion vor dem Kultusministerium. Für viele sei die Situation eine große Herausforderung. „Da ist viel Verunsicherung, Traurigkeit und immer noch Fassungslosigkeit“, so Wernz. Sie betont, dass Kinder keine Koffer seien, die man irgendwo abstellen könne. Die meisten seien zwar an anderen Schulen angemeldet oder befänden sich im Bewerbungsverfahren, aber jede Familie gehe anders damit um, so Wernz.

Wenn ein Kind die neue Schule nicht besuchen möchte, müsse als mögliche Folge ein Bußgeld in Kauf genommen werden. Grundsätzlich, so ist es aus dem Schulamt zur Schulpflicht zu erfahren, muss eine Entschuldigung der Eltern oder eine Krankschreibung vorliegen, wenn das Kind im Unterricht fehlt. Wenn es über längere Zeit die Schule nicht besucht, muss ein ärztliches Attest vorliegen. Wenn es unentschuldigt fehlt, werden die Eltern angeschrieben. Kommt keine Reaktion, werden die Eltern erneut kontaktiert und auf mögliche Konsequenzen hingewiesen. Schließlich schaltet sich das Landratsamt ein und kann gegebenenfalls ein amtsärztliches Attest verlangen und ein Bußgeldverfahren einleiten. Das Vorgehen werde von Fall zu Fall entschieden.

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