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Landsberg

25.01.2019

Wird der Landkreis Landsberg bald gendergerecht?

Auf einem Banner sind drei Möglichkeiten für Geschlechter zu sehen. In ihren Schreiben, Veröffentlichungen und Dokumenten wollen mehrere Städte in Zukunft eine geschlechtersensible Sprache nutzen.
Bild: Peter Steffen/dpa (Symbolbild)

Was man in Behörden zur Diskussion um den Sprachgebrauch bei den Geschlechtern sagt. Ein Experte in Dießen hat schon Erfahrung damit gemacht.

Redepult statt Rednerpult, Lehrende statt Lehrer – das sind künftig die Bezeichnungen in der Verwaltungssprache der Stadt Hannover. Eine entsprechende Sprachregelung, die kein Geschlecht diskriminieren und alle – auch intersexuelle Menschen – ansprechen soll, wurde in der niedersächsischen Stadt ausgegeben. Wie sieht es in heimischen Gefilden in Sachen gendergerechtem Sprachgebrauch aus? Das Landsberger Tagblatt hat bei Stadt und Landkreis und auch in der Marktgemeinde Dießen nachgefragt.

Eins haben alle Kommunen gemeinsam: Bis auf die Pflicht, Stellenausschreibungen mit dem Zusatz (m/w/d) für männlich, weiblich und divers auszustatten, ist gendergerechte Sprache im Augenblick kein Thema in den Rathäusern.

Was die Stadt Augsburg macht, lesen Sie hier: "Team" statt "Mannschaft": Stadt will gendergerechte Sprache

Momentan kämpft der Landkreis noch mit der Datenschutzgrundverordnung

Der Sprecher des Landkreises, Wolfgang Müller, kennt keine aktuelle politische Diskussion im Kreistag, welche Begriffen in den Schriftstücken der Verwaltung verwendet werden sollten. Derzeit sei man weiterhin damit beschäftigt, die Formulare der Datenschutzgrundverordnung anzupassen, berichtet er über eine ganz andere Thematik, die seine Kollegen gerade beschäftigt. Sollten aber Sprachregelungen festgelegt werden, werde man diese umsetzen, meint Müller ganz pragmatisch.

Bei der Stadt Landsberg gibt es laut Pressesprecher Andreas Létang lediglich eine Empfehlung, Schreiben so zu verfassen, dass sie möglichst verständlich sind – Stichwort „Amtsdeutsch“. „Aktuell ist gendergerechte Sprache noch nicht thematisiert worden.“ Möglicherweise werde sich dies aufgrund der aktuellen Diskussion ändern. Beschwerden bezüglich einer falschen Anrede seien noch keine an die Verwaltung herangetragen worden. Létang erläutert, dass Firmen bei der Personalsuche (m/w/d) verwendeten, um nicht möglicherweise gegen das Allgemeines Geleichbehandlungsgesetz (AGG) zu verstoßen.

In Dießen gibt es derzeit keine Anträge

Auch bei der Marktgemeinde Dießen gibt es derzeit keine Anträge an die Verwaltung, Satzungen, Protokolle oder sonstige offizielle Unterlagen zu durchforsten oder gar nachträglich zu gendern. Wundern würde das Geschäftsstellenleiter Karl Heinz Springer allerdings nicht: „Das wäre vermutlich dem Zeitgeist geschuldet.“ Springer geht allerdings davon aus, dass im Laufe der Zeit von der bayerischen Staatsregierung eine entsprechende Richtlinie zu erwarten sein wird.

Eine ähnliche Diskussion kennt er übrigens aus seiner Zeit als Geschäftsstellenleiter im Nachbarlandkreis Starnberg, als die Grünen dort vor Jahren einen Vorstoß unternommen hatten, in allen Schriftstücken neben der männlichen grundsätzlich auch die weibliche Formulierung zu verwenden.

Die Stellenausschreibungen sind mit mehr als zwei Geschlechtern angegeben

Für die Marktgemeinde Dießen hält er es inzwischen so, dass bei entsprechenden amtlichen Schreiben vorrangig geschlechtsneutrale Begriffe verwendet werden, wie etwa „Fachkraft“ oder ähnliche. „Das funktioniert aber nicht immer. Wenn wir zum Beispiel einen Kämmerer suchen würden oder Erzieher, dann wird das kaum gehen.“

Was Stellenausschreibungen angeht, hat die Marktgemeinde nach einem entsprechenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts reagiert. Seit Herbst wird bei Stellenausschreibungen in Klammern als Geschlechterzuordnung neben dem „m“ für männlich und dem „w“ für weiblich der höchstrichterlich legitimierte Zusatz „d“ für „divers“ hinzugefügt. (smi/hön)

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