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Jubiläum in Schöffelding

04.05.2013

Wo Brummifahrer und Polizist Pause machen

Jubiläum beim "Würstl-Franz": Seit 35 Jahren gibt es den Imbiss, früher an der B 12, heute an der A 96. Wirt ist seit 20 Jahren Reinhard Nitsche.
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Jubiläum beim "Würstl-Franz": Seit 35 Jahren gibt es den Imbiss, früher an der B 12, heute an der A 96. Wirt ist seit 20 Jahren Reinhard Nitsche.
Bild: Stephanie Millonig

Imbissbude "Würstl-Franz" an der Autobahn feiert 35-jähriges Bestehen. Reinhard Nitsche führt sie seit 20 Jahren

Beim Würstl-Franz ratscht der Millionär mit dem Handwerker und der Polizist macht Mittagspause neben dem ehemaligen Bankräuber. Am Donnerstag wurde in der legendären Imbissstube an der Autobahn in Schöffelding 35-jähriges Jubiläum gefeiert, Reinhard Nitsche hatte sie vor 20 Jahren von Franz Schwindl übernommen.

Wer beruflich auf der Autobahn unterwegs ist, landet zumeist irgendwann beim Würstl-Franz: Fernfahrer, Sanitäter, Polizisten und Handwerker. Urban Melder aus dem Unterallgäu ist einer von ihnen, noch bevor er seine Bestellung aufgenommen hat, hat Reinhard – man duzt sich im Imbiss – schon reagiert. Zwei Würstl mit Käse mit süßer und scharfer Soße sowie eine Cola gibt’s für den Brummifahrer. „Ich weiß, was meine Stammgäste essen“, sagt Reinhard und listet auf, was jeder der Anwesenden gerne zu sich nimmt: anerkennendes Kopfnicken im Kreis. Polnische, Wiener oder Currywurst kommen von der Metzgerei Engelhardt in Langerringen, seine Soßenrezepte verrät Reinhard nicht. Er hat das Metier gelernt, war im Ausland Küchenchef, wie er erzählt und sei 1990 zurückgekommen. „Bayerischen Döner“ mit Wurst in der Semmel bietet er an, zum Frühstück gibt’s Kaffee, Butterbrezen oder Käsesemmeln.

Mittags nutzen Handwerker die Gelegenheit auf einen schnellen, herzhaften Imbiss. Kaminkehrer Andreas Widmann arbeitet im Bereich Windach und isst schon seit zehn Jahren bei Reinhard. Auch eine Gruppe vom benachbarten Unternehmen Delo macht hier Mittagspause. Mancher kommt auch von weiter her, Fernsehtechniker Manfred Müller ist mit seiner Frau hier, extra zum Jubiläum. Die Müllers sind Stammkunden: „Wenn wir Würstl essen wollen, fahren wir nach Schöffelding.“ Viele Postkarten und ein paar amtliche Schreiben zieren eine Wand des Unterstands und erinnern an 35 Jahre Geschichte. Dass so eine Karte ankommt, da reicht „Imbiss A96, Schöffelding“ als Adresse.

Wo Brummifahrer und Polizist Pause machen

Morgens um 4.15 Uhr baut der 59-jährige seinen Wagen und den Unterstand mit den Stehtischen auf. Denn baurechtlich gesehen, handelt es sich bei dem Imbisswagen um keine dauerhafte Einrichtung. Dass der Imbiss hier auf einem Privatgrundstück an der ehemaligen Verbindungsstraße von Schöffelding nach Finning seinen Platz gefunden hat, hat auch der Kämpfe bedurft, wie Reinhard erzählt. Eigentlich ging es schon früher los, schon Vorgänger Franz Schwindl kämpfte um das Bestehen seines Standortes, welcher damals noch auf einem Parkplatz an einem Wäldchen an der B12 in Greifenberg war. Schwindl legte sich damals mit seinen Würsteln auf die Bundesstraße, um zu demonstrieren.

Dann kam die Autobahn und erneut musste ein Platz gesucht werden, der es den Lkw-Fahrern erlaubte, die Autobahn zu verlassen, ihr Gefährt abzustellen, schnell einen Imbiss zu ordern und wieder auf die Autobahn zu fahren. Bei Schöffelding war der geeignete Standort, aber es gab auch hier Gegenwind, zuletzt 1998, erzählt Reinhard. Aber mit Unterstützung vom damaligen Umweltminister Dr. Thomas Goppel und damaligen Landrat Erwin Filser, konnte er erreichen, dass sein Imbiss hier stehen darf. Und so kommen sie denn alle, „vom Anzugträger bis zum Lastwagenfahrer“ Auch zwei ehemalige Bankräuber seien dabei. Reinhard ist diese Mischung wichtig, die Arbeit mache ihm Spaß, weil jeder mit jedem rede. Und so steht er hier, Montag bis Donnerstag von 4.15 bis 17 Uhr und am Freitag bis 14.30 Uhr. An Brückentagen, da erlaubt er sich freizumachen.

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