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Landsberg

18.10.2016

Wo Flüchtlinge stranden

Der Organisator und die beiden Fotografen: (von links) Leonhard Simon, Stephan Albrecht und Michael Trammer.
Bild: Johannes Simon

Fotos aus Griechenland zeigen die unbekannte Realität und tägliche Probleme

Flüchtlinge in Griechenland: Wir wissen von Idomeni, dem griechischen Dorf, bei dem es bis heuer im Frühjahr ein riesiges Flüchtlingslager gab, das aufgelöst wurde. Wie es dort aussah, welche Anstrengungen außerdem unternommen wurden und immer noch werden, um besonders hilfebedürftigen Flüchtlingen eine einigermaßen sichere Unterkunft zu ermöglichen, das ist in der Regel nicht bekannt. Michael Trammer und Leonhard Simon waren unabhängig voneinander vor Ort. Ihre Eindrücke haben sie mit der Kamera festgehalten und stellen ausgewählte Bilder noch bis heute im Landratsamt aus.

Organisator der Schau ist Stephan Albrecht von der Jungen Presse Landsberg. Er habe die Ausstellung, die bereits in München zu sehen war, hier in Landsberg haben wollen, sagte Albrecht. Sie könne das Bewusstsein für gute Berichterstattung stärken und auch aufzeigen, „welche Verpflichtungen wir gegenüber den in Europa gestrandeten Flüchtlingen haben“. Bei der Vernissage berichtete zunächst Leonhard Simon von Idomeni. Der Hobbyfotograf mit Bachelorabschluss in Politik hat eine kurze Zeit lang im Lager gelebt und somit hautnah erlebt und fotografisch dokumentiert, mit welchen täglichen Problemen die Menschen dort zu kämpfen hatten. „Idomeni war ein offenes Lager, sehr groß und unübersichtlich.“

Über die Zustände dort zeigte sich Simon sehr schockiert, er schilderte als Beispiel die Art, Kaffee zu machen. „Eine mit Wasser voll gefüllte Plastikflasche wird über offenes Feuer gehalten, bis sie in Flammennähe zu schmelzen beginnt. Jetzt wird sie um 180 Grad gedreht und es beginnt das gleiche Spielchen. Am Ende ist die Flasche auf beiden Seiten geschmolzen und das Wasser gleichzeitig heiß geworden.“ Wo die Menschen, die er im Lager kennen gelernt hat und die zum Teil auf den im Landratsamt ausgestellten Bildern zu sehen sind, sich jetzt aufhalten, weiß Leonhard Simon nicht, ihre Spur verliert sich nach der Lagerräumung.

Michael Trammer hat sich mit Foto- und Videokamera im City Plaza Hotel im Herzen von Athen umgesehen. Das Hotel stand sechs Jahre lang leer, bis es heuer im Frühjahr von Aktivisten besetzt und für Flüchtlinge zugängig gemacht wurde. „In dem Hotel soll Flüchtlingen ein selbst organisiertes Leben ermöglicht werden“, so Trammer. Wie, das ist auf einer Auswahl seiner dort gemachten Bilder zu sehen, die im Foyer des Großen Sitzungssaals ausgestellt sind. Gästen der Vernissage zeigte Trammer zudem ein Video aus dem Hotel, in dem erklärt wird, wie die Gemeinschaft funktioniert. Derzeit leben rund 400 Flüchtlinge dort, aufgenommen wurden Familien, Mütter mit Kindern und besonders gefährdete Frauen. Das Leben im Plaza finanziert sich derzeit über Spenden, erklärte Michael Trammer auf Nachfrage. Weil es besetzt ist, fallen keine Wasser- und Stromkosten an, Essen, Medikamente, Hygieneartikel werden gespendet. Es gebe dort auch Ärzte, Anwälte oder Lehrer, die immer wieder ihre Dienste kostenfrei anbieten.Ausstellung „grenzen + leben - Refugees in Griechenland“ Fotos von Michael Trammer und Leonhard Simon im Foyer des Großen Sitzungssaals im Landratsamt Landsberg; zu besichtigen bis einschließlich Mittwoch 19. Oktober zu den üblichen Öffnungszeiten, Eingang über die Zulassungsstelle.

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