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Dießen

23.10.2017

Wo sich der Kormoran gern sonnt

Den Kormoran (rechts) findet man am Ammersee–Südufer recht häufig. Charakteristisch ist für ihn, wenn er – wie hier auf dem Floß am Binnensee – mit ausgebreiteten Flügeln in der Sonne steht, um nach einem Tauchgang zu trocknen.
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Den Kormoran (rechts) findet man am Ammersee–Südufer recht häufig. Charakteristisch ist für ihn, wenn er – wie hier auf dem Floß am Binnensee – mit ausgebreiteten Flügeln in der Sonne steht, um nach einem Tauchgang zu trocknen.
Bild: Sabine Vetter

Vogelkundler sind mit dem Landesbund für Vogelschutz am Ammersee unterwegs. Warum Nilgänse keine seltenen Gäste mehr sind und Enten lieber zum Chiemsee fliegen.

Wegen schlechten Wetters Anfang Oktober verschoben, hat der Landesbund für Vogelschutz (LBV), Kreisgruppe Landsberg, mit dem neuen Termin jetzt vollkommen richtig gelegen. Am Sonntag um 9 Uhr kamen einige Interessierte, um bei herrlichstem Wetter der Einladung zur Exkursion mit Hans Hechenberger und anderen Vogelkundlern zu den Wasservögel an der Ammermündung zu folgen.

Im Vogelschutz- und Naturschutzgebiet am Binnensee, der sich am südöstlichen Ende des Ammersees erstreckt, liegt das Ziel der kleinen Exkursion. Man erreicht es auf einem Fußweg entlang des linken Ammerufers, ausgehend vom Parkplatz an der Birkenallee zwischen Dießen und Fischen. „Der linke Weg ist interessanter“, schlägt Hechenberger vor. An dem Tag ist man nicht alleine hier. Der Parkplatz ist schon in der Früh gut belegt, man sieht etliche den gleichen Weg Richtung See nehmen, Stative auf der Schulter, Ferngläser und Fotoapparate um den Hals. Genau wie die Teilnehmer der Gruppe um Hans Hechenberger, der natürlich selbst mit allem ausgestattet ist, was ein Vogelbeobachter so braucht. Auch Reiner Urschel vom LBV-Kreisvorstand wird von Fragenden umringt. Er weiß viel über Wasservögel, die gerade hier überwintern oder einen Zwischenaufenthalt einlegen. Er und andere Hobby-Ornithologen weisen auch immer wieder auf die Tiere hin, die sie gerade erspäht haben, und die Gelegenheit, den Rand des Schilfes am gegenüberliegenden Ufer, das ruhige Gewässer und das Floß in der Mitte des Binnensees nach spannenden oder seltenen Wasservögeln mit den guten Ferngläsern abzusuchen, nehmen alle gerne wahr. Die großen weißen Silberreiher erkennt man natürlich leicht, bei den vielen anderen Arten kommt man schon mal ins Raten und muss erst mal die Augen trainieren.

Schon auf dem Weg zum Binnensee erzählt Hechenberger von seinen jüngsten Beobachtungen. Er sah eine Nachtigall an der Alten Ammer, einen Wiedehopf sogar direkt an der Straße in einer Birke, einen Raubwürger und einen Wendehals. Am Beobachtungsplatz angekommen, gibt es für die Teilnehmer seiner Gruppe gleich etwas Interessantes: Auf dem Floß im Binnensee sitzen Kormorane und Nilgänse. Beide sind inzwischen nicht mehr so seltene Gäste hier. Und auch nicht von allen unbedingt gern gesehen. Der Kormoran war durch menschliche Verfolgung fast ausgerottet, 2010 war er „Vogel des Jahres“, inzwischen hätten sich die Bestände deutlich erholt. Hechenberger meint: „Diese großen Vögel werden nicht so sehr geachtet, sie fressen den Fischern und den Vögeln den Fisch weg.“ In einigen Teilen Deutschlands werden zum Erhalt des natürlichen Fischvorkommens Kormorane inzwischen kontrolliert bejagt und Brutkolonien verhindert. „Sie fressen viel“, kommentiert auch Urschel die schwierige Lage. Beeindruckend ist es aber schon, wenn sie auf dem Floß stehen und ihre Flügel ausbreiten. „Sie sind Tieftaucher, kommen im Wasser weiter runter als Enten, weil sie keine Fettdrüsen besitzen. Daher perlt das Wasser nicht von ihren Federn ab, sie müssen immer wieder auftauchen, bevor das Federkleid zu schwer wird, und an der Luft trocknen“, so Urschel. Das Floß ist offenbar ein passender Platz dafür. Wie eine Statue steht dort ein Kormoran mit ausgebreiteten Flügeln. Neben ihm sitzen auch Nilgänse in der Sonne. Sie stehen in Kritik bei Landwirten und Behörden, weil ihr Kot gesundheitsgefährdend sei. Zudem sind sie in der Brutzeit besonders aggressiv gegenüber anderen Vögeln.

Die Enten zeigen an diesem Tag ihre bunte Vielfalt. „Ganz schön viel los hier“, lautet dann auch der Kommentar Hechenbergers. In kleineren und größeren Schwimmformationen sieht man Löffelenten, Kolbenenten, Schreienten, Tafelenten, Stockenten, Pfeifenten. Alle färben sich im Spätsommer mit der Mauser, die alle Federn erneuert. Schnatterenten erkennt man am schwarzen Bürzel mit weißem Fleck darunter. Ob sie im Winter hierbleiben, wird Urschel gefragt. „Das weiß man nicht, hängt vom Winter ab.“ Enten sind sogenannte Gelegenheitstiere. Wenn der Ammersee zufriert, dann fliegen sie zum Chiemsee, der ist weniger kalt.“

Plötzlich wird er von Hechenberger gerufen, der auf eine Stelle vorne im Schilf deutet: „Weißt du, was das ist?“ „Könnte eine normale Wasserralle sein, erkennt man am Schnabel. Oder ein Kleinsumpfhuhn, das quietscht wie ein Schweinchen.“ Hechenberger blickt wieder von seinem Fernglas auf und ruft: „Möchte jemand einen Haubentaucher sehen? Es ist zwar ein Allerweltsvogel, sieht aber schön aus.“ „Schönheit ist nicht alles“, hört man jemanden scherzen, und er bekommt schnell die Retourkutsche: „So spricht ein Kormoran-Fan.“ Und wieder erspäht jemand etwas: „Ist da nicht ein Zwergtaucher?“

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