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Fotografie/Malerei

26.11.2014

Wo sonst keiner hinschaut

Martin Gensbaur (links) und Jörg Kranzfelder stellen gemeinsam aus.
Bild: Birgit Kremer

Gensbaur und Kranzfelder sehen die Dinge groß

Das Kunstfenster Gensbaur in Dießen ist mittlerweile eine feste Institution in Dießen. Entstanden am engsten Teil der Straße zwischen Markt und Kloster ermöglicht es auch dem an sich achtlos vorbeifahrenden Fahrzeuglenker oder dem vorüberschlendernden Passanten einen flüchtigen Blick auf wechselnde Kunstwerke – Art to go mit Anspruch gewissermaßen.

Dass und wie sehr die Perspektive diese Wahrnehmung beeinflusst, lässt sich in der aktuellen Sonderausstellung im Kunstfenster Gensbaur beobachten. Unter dem Motto „Die Dinge groß sehen“, einem Franz Marc zugeschriebenen, aber nicht nachweisbaren Zitat, zeigen der Maler Martin Gensbaur und der Fotograf Jörg Kranzfelder ihre ganz spezifische Sicht der Welt.

Beide Künstler eint ihr Blick auf ihre Umgebung, der dem Banalen und Alltäglichen Ästhetik abtrotzt und damit Bildwürdigkeit verleiht. Ihre Motive, von Martin Gensbaur als „Nichtorte“ bezeichnet, finden sie an Stellen, die niemand mit dem Begriff „Kunst“ in Verbindung bringen würde. Es sind verlassene Häuser, Tankstellen, Autobahnunterführungen, die in ihrer sachlichen, lakonischen Fokussierung auf ihre pure Existenz umso trostloser wirken, denn diese Existenz scheint auf den ersten Blick kalt, abweisend und hässlich. Die Erwartung eines möglichen Betrachters wird bewusst gebrochen und doch lohnt das genaue Hinschauen, denn auch in der unwiederholbaren Struktur von Ortbeton lassen sich ästhetische Muster, Ornamente und letztlich Schönheit entdecken.

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Beide Künstler schauen dahin, wo niemand hinschaut, halten da inne, wo kaum ein anderer freiwillig verweilen würde und entdecken im Kleinen und Unscheinbaren Größe. Ganz im Sinne ihres selbst gewählten Mottos gelingt es Martin Gensbaur und Jörg Kranzfelder tatsächlich „die Dinge groß“ zu sehen und vor allem der besondere Blick des Fotografen auf seine Motive begeistert. Da ist die Himmelsleiter, die tatsächlich in den Himmel führt, der als kleiner, blauer Fleck jedoch unerreichbar scheint. Das Wollknäuel auf einer Wiese bei Murnau entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Stacheldraht und eine ehemalige Tankstelle bei Pähl scheint sich für ihr marodes Erscheinungsbild zu schämen und in das hinter ihr liegende Dickicht zu flüchten. Es sind diese Fotografien, die eine Fülle an Assoziationen auslösen und auf die Bildmotive des Malers Martin Gensbaur kongenial antworten. Dem entspricht die auf drei Orte verteilte Hängung in der Werkstatt von Martin Gensbaur, im Taubenturm und im Gleißl-Haus. (kre)

Geöffnet ist die Studioausstellung im Kunstfenster Dießen bis zum 7. Dezember jeweils Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

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